QUANTENSPRUNG Die Doku

Blons - Die größte Lawinenkatastrophe in den Alpen

Am 11. Jänner 1954 wird die Vorarlberger Gemeinde Blons von zwei Lawinen verwüstet. Häuser, Höfe und Ställe werden in Stücke gerissen. Die Telefonleitungen sind tot, die Straßen unpassierbar. Mit bloßen Händen suchen die Menschen nach ihren Angehörigen, ihren Kindern.

QUANTENSPRUNG - Die Doku: Blons - Die größte Lawinenkatastrophe der Alpen

Dokumentation, 2012

Mittwoch, 9.1.2019, 22.40 Uhr
Wh. Do 03.45 Uhr

Am 9. Dezember 1953 misst man in der Vorarlberger Berggemeinde Blons im Walsertal 30 Grad, Frühlingsblumen sprießen. Seit Jahrhunderten haben die Walser Bergbauern mit der Unberechenbarkeit des Wetters leben gelernt, doch dieser warme Herbst ist beängstigend. Einen Monat später beginnt ein Winter, den man in Vorarlberg nie vergessen wird: binnen 24 Stunden fallen bis zu 2 Meter Schnee, es besteht höchste Lawinengefahr. Innerhalb zweier Tage gehen in Vorarlberg 388 Lawinen ab, 270 Menschen werden verschüttet, knapp die Hälfte von ihnen stirbt.

Am schlimmsten trifft es das Walsertal - und dort die Gemeinde Blons. Denn der natürliche Lawinenschutz, der Bannwald, wurde von den traditionell großen Walserfamilien über die Jahrhunderte dezimiert. Sie haben ihn gerodet, um mehr Platz für Mensch und Vieh zu schaffen und ihre Existenz zu sichern. Am Montag, dem 11. Jänner 1954, donnern zwei gewaltige Lawinen fast ungehindert über die Steilhänge auf den kleinen Ort hinab. Mehr als 100 Menschen werden verschüttet, jeder sechste Gemeindebewohner kommt ums Leben, Höfe und Ställe werden in Stücke gerissen.

1954 Die größte Lawinenkatastrophe den alpen

ORF

Ganze Ortsteile wurden von der Lawine zerstört

Einen ganzen Tag lang ist die Gemeinde, sind die Überlebenden mit der Tragödie allein, denn die Telefonleitungen sind tot, die Straßen unpassierbar. Mit bloßen Händen suchen die Menschen nach ihren Angehörigen, nach ihren Kindern. Als die Behörden endlich von der Katastrophe erfahren, setzt eine wahre Völkerwanderung ein: B-Gendarmerie, Hilfsorganisationen, Feuerwehren und Hunderte Freiwillige aus dem In- und Ausland nehmen den Weg ins tief verschneite Walsertal.

Was die Helfer an Leid und Zerstörung in Blons vorfinden, übertrifft das Vorstellungsvermögen. Internationale Fernsehstationen und Zeitungen berichten über das Unglück - das bis dahin weitgehend unbekannte Walsertal wird zum Symbol für die Unberechenbarkeit der Berge, des Schnees und der Natur.

Die Solidarität ist enorm. Der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegsjahre und die große Spendenbereitschaft ermöglichen den raschen Wiederaufbau in Blons. Doch die Wunden bleiben. Das Lawinenunglück betrifft fast jede Familie im Walsertal und gräbt sich tief in die Biografien der Menschen ein. Stoff, der in mehreren Büchern verarbeitet wird und auch die Matrix für den Kinofilm „Der Atem des Himmels“ des Vorarlberger Autors und Regisseurs Reinhold Bilgeri bildet.

In ihrer Dokumentation arbeiten Sabine Zink und Gerhard Jelinek die Tragödie von Blons neu auf. Sie sprechen mit Zeitzeugen, Überlebenden und deren Nachkommen. Minutiös erinnern sich die Menschen von Blons auch heute noch an die dramatischen Tage. Entstanden ist eine Dokumentation, die mit packenden Schilderungen, berührenden Erinnerungen und spannenden neuen Recherchen eine entsetzliche Katastrophe und deren Auswirkungen auf Generationen begreifbar macht.

1954 Die größte Lawinenkatastrophe den alpen

ORF

Häuser flogen durch die Luft: Durch den Luftdruck wurden Gebäude teils hunderte Meter versetzt.

1954 Die größte Lawinenkatastrophe den alpen

ORF

Nach dem Lawinenabgang war das Große Walsertal Tage von der Umwelt abgeschnitten.

1954 Die größte Lawinenkatastrophe den alpen

ORF

In den Stunden nach der Katastrophe gruben Überlebende oft mit bloßen Händen nach ihren Familienangehörigen.

Dokumentation, 2012


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