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Körperkult - Schönheit nach Maß

Die Dokumentation geht dem allgemeinen Schönheitswahn auf den Grund und beleuchtet eine multimilliardenschwere Industrie, die die Kraft dieser Ideale mit allen Mitteln beschwört.

Körperkult - Schönheit nach Maß

ORF/Markus Voglauer

Gemälde

Mittwoch, 28.4.2021, 23.10 Uhr

„Schönheit ist ein Versprechen von Glück“ dieser Ausspruch des französischen Schriftstellers Stendhal wird in dieser ORF III Dokumentation von Maximilian Klamm und Manuela Strihavka auf seine individuelle, gesellschaftliche, medizinische und kulturelle Dimension untersucht. Denn: „Schönheit ist verführerisch. Schönheit ist Macht. Schönheit ist ein Mythos. Wir begegnen ihr im realen und medialen Alltag, in der Kunst und in der Natur, an Menschen, Tieren und Pflanzen“, so Evolutionsbiologe Karl Grammer.

Wir leben in einer Gesellschaft der Performer, die ständige Vermessung der eigenen Leistung macht auch vor unserem äußeren Erscheinungsbild nicht Halt, so zeichnet Konrad Paul Liessmann den Zustand der Gesellschaft.

Die mediale Bildkultur hat im 21. Jahrhundert die Wortkultur abgelöst: „Das Bild gewinnt immer“, meint die in München lebende Autorin und Philosophin Rebekka Reinhard. Dabei fände Schönheit statt, wo sich im Außen zeigt, was innen ist - und es trotzdem attraktiv bleibt. Schönheit ist nach Rebekka Reinhard vor allem Arbeit an sich selbst und eine ständige Umformung des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns.

Schönheit zeigt sich je nach Perspektive auch als Mangelerscheinung einer Zeit, also immer darin, was eben gerade nicht vorherrscht: in einer Überflussgesellschaft mögen es magere Models sein und sportliche Bräune galt in früheren Zeiten nicht als Zeichen von Wohlstand und Fitness, sondern signalisierte harte Erwerbsarbeit im Freien und damit einen sozial niedrigen Status.

Körperkult - Schönheit nach Maß

ORF/Markus Voglauer

Körperkult - Schönheit nach Maß

ORF/Markus Voglauer

Model

Der goldene Schnitt

Was aber bewegt Menschen dazu, Eingriffe am eigenen Körper durchführen zu lassen?
Der international gefragter Experte und „Leonardo da Vinci“ der rekonstruktiven Chirurgie in Österreich, Prof. Kurt Vinzenz, geht davon aus, dass Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes alleine noch nicht glücklich machen, für die Selbstwahrnehmung und das Selbstvertrauen kann die eine oder andere Maßnahme aber sehr hilfreich sein, besonders dann, wenn es sich um jene „Korrekturen“ des Körpers handelt, die die Lebensqualität der betroffenen Menschen erheblich positiv beeinflussen können, wie beispielsweise die Korrektur von Kiefer-Fehlstellungen oder Ähnlichem. Wichtig sei, die Gesamtproportionen eines Menschen zu berücksichtigen, eben der „goldene Schnitt“, der auch in Kunst und Architektur eine große Rolle spielt, wie Lothar Schultes, Kurator der Ausstellung „Mythos Schönheit“ bestätigt.

Der Wunsch nach einem neuen, besseren Aussehen ist groß. Ewig jung ist die Devise. Das Geschäft mit der Schönheit floriert also. So betrachtet die bekannte plastische Chirurgin Prof. Dr. Hildegunde Piza die Auswüchse der so genannten „Wunschmedizin“ durchaus kritisch. Sie fordert unter anderem eine verbesserte präoperative Aufklärung sowie Bewusstseinsbildung und appelliert an ihre Kollegen, auch den Mut zu haben, gewisse Eingriffe nicht vorzunehmen. Gerade dann, wenn es um junge Patienten und Patientinnen geht. Sie fordert damit auch eine Balance von sinnvoller Machbarkeit und ärztlicher Kunst. Und das, finden die beiden Autoren, sei auch schön.

Körperkult - Schönheit nach Maß

ORF/Markus Voglauer

Barbie

Dokumentation, 2016


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