zeit.geschichte am Samstag

Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin

Sie war die waghalsigste Testpilotin der Deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkrieges. Sie wurde zur Heldin ihrer Zeit - ein nützliches Idol der Nationalsozialisten. Sie wollte Adolf Hitler im letzten Moment aus dem Führerbunker in Berlin ausfliegen.

zeit.geschichte: Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin

Dokumentation, 2010

Trailer: „zeit.geschichte Flugpionierinnen“ (8.10.2016)

Samstag, 8.10.2016, 20.15 Uhr
Wh. So 09.15 und 23.50 Uhr, Di 12.55 Uhr

Es ist ein Leben der Extreme: Hanna Reitsch (1912-1979) brach alle Rekorde des Flugsports. Sie war der Star der NS-Propaganda. Sie flog den ersten funktionsfähigen Hubschrauber der Welt, testete das erste Überschallflugzeug der Geschichte und entwickelte Hitlers Geheimwaffen mit. Sie wollte den Krieg mit Kamikazeflügen entscheiden.

Am 26. April 1945 startet Hanna Reitsch zum Flug ihres Lebens: mitten durch russischen Beschuss ins eingeschlossene Berlin zu Hitler in den Führerbunker. Danach sollte sie den Makel der Nazifliegerin nie mehr loswerden.

„Je nachdem, wen sie befragen, war Hanna Reitsch entweder eine ungeheuer mutige Versuchsfliegerin, die noch heute einige Rekorde hält und wohl die begabteste Segelfliegerin aller Zeiten ist. Und wenn sie andere befragen, war Hanna eine fanatische Vertreterin des 3. Reiches, die sich mit den Machthabern identifiziert hat, die die Politik des 3. Reiches zu ihrem eigenen Vorteil manipuliert hat und nach dem 2. Weltkrieg ihre Mitschuld am 3. Reich geleugnet hat. Die Pole zwischen den beiden Ansichten sind zu groß und zu unübersichtlich, dass es beinahe scheint, als ob hier eine der letzten Fronten des 2. Weltkrieges verläuft.“ Das sagt Evelyn Zegenhagen vom Smithonian Institute in Washington und sie bringt die Widersprüchlichkeit des Lebens von Hanna Reitsch auf den Punkt: Reitsch benutzte Hitler und er benutzte sie. Sie ließ sich von einem Regime unterstützen, an das sie bis zu ihrem Tod glaubte.

Idole der Nazis - Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin

ORF

Hanna Reitsch

Idole der Nazis - Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin

ORF

Hanna Reitsch im Helikopter

Nach Hitlers Tod saß sie bald wieder im Cockpit. In ihrer Heimat als Nazifliegerin gebrandmarkt, flog sie nach Nehru in Indien, um dort ein Leistungssegelflugnetz aufzubauen. Kennedy empfing sie im Weißen Haus. Vom Nationalsozialismus konnte sie sich nie glaubhaft distanzieren. Mit Deutschland blieb sie bis zu ihrem überraschenden Tod unversöhnt und nahm 1974 sogar die österreichische Staatsbürgerschaft an.

„Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin“ ist das kritische Portrait einer Frau, deren Karriere so nur in Nazideutschland möglich war. Sie ist Heldin und tragische Figur gleichzeitig. Ihre Nibelungentreue zum NS-Regime steht neben ihren Verdiensten für die Fliegerei. Es ist die Geschichte einer Frau mit dem Traum vom Fliegen, von einer Leidenschaft, die alle Zweifel verstummen lässt, von Leugnung und Selbstbetrug.

Die Dokumentation „Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin“ zeichnet die außergewöhnliche Karriere einer kleinen Frau mit großem Willen nach. Der Fokus liegt auf ihrem Werdegang von der unbekannten Segelfliegerin zur Propagandaikone und wichtigsten Testpilotin des NS-Regimes. Wir beantworten die Frage, wie es möglich war, dass eine Frau ins Herz der Rüstungsforschung und bis in Hitlers engsten Kreis vordringen konnte - und dennoch immer eine Außenseiterin blieb. Reitschs Charakter scheint ambivalent: ihre Kritik an Judenverfolgung und Rassenwahn steht neben dem bedingungslosen Einsatz für Nazideutschland - bis zum bitteren Ende und darüber hinaus - Hanna Reitsch hat sich nie glaubhaft vom Nationalsozialismus distanziert.

„Sehen Sie, ob ich will oder nicht, ich hab nun mal ein Stückchen deutscher Geschichte zu vertreten, durch das, in was ich durch mein fliegerisches Können hineingezogen wurde, nicht wahr. Allein der Flug nach Berlin, der ein Stück Geschichte geworden ist.“ (Hanna Reitsch, 1972)

Der Film konzentriert sich auf die zentralen Ereignisse in Hanna Reitschs Leben in der Zeit des Nationalsozialismus, der ihr eine außergewöhnliche Laufbahn ermöglichte. Internationale Experten ordnen Reitschs Handlungen in einen größeren Zusammenhang ein und hinterfragen sie kritisch.

Zum ersten Mal überhaupt bekam ein Filmteam Einblick in den Nachlass von Hanna Reitsch. Wegbegleiter, Freunde und Familienmitglieder sprachen erstmals über Hanna Reitsch.

Idole der Nazis - Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin

ORF

Hanna Reitsch

Idole der Nazis - Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin

ORF

Hanna Reitsch- Hitlergruß

Idole der Nazis - Hanna Reitsch - Hitlers Fliegerin

ORF

Adolf Hitler, Hermann Göring, Hanna Reitsch

Film von Gerhard Jelinek und Fritz Kalteis
Dokumentation, 2010


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Marlene Dietrich - Ein bewegtes Leben

    Der Film dokumentiert die politischen Anliegen der Dietrich während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit, und zeigt die wenig bekannte Seite des Stars fernab der Hollywood-Herrlichkeit.

  • Hitlers Frauen: Zarah Leander - Die Sängerin

    Sie entsprach gar nicht dem deutschen Frauenideal der NS-Zeit und war dennoch die Stimme der nationalsozialistischen Propaganda. Die Dokumentation beleuchtet die außerordentliche Karriere der enorm populären Sängerin und Schauspielerin.

  • Hitlers Frauen: Winifred Wagner - Die Muse

    Die „hohe Frau“, wie Hitler sie nannte, sonnte sich im Glanz der Macht und nutzte sie, um einzelne vom Nationalsozialismus Verfolgte zu retten, blieb aber Zeit ihres Lebens eine überzeugte Nationalsozialistin.

  • Die Österreicher und ihre Wurzeln (3 und 4/4)

    Die neue ORF III-Dokureihe beleuchtet die vielfältigen Abstammungen der Österreicherinnen und Österreicher. Die Regisseure Judith Doppler und Kurt Mayer erzählen u. a. von den Menschen, die mit ihrer Arbeitskraft zum enormen Wohlstand des Landes beitrugen.