zeit.geschichte am Samstag

Olympia 1936 - Der verratene Traum

Die Olympischen Spiele von Berlin – das internationale Sportfest vor 80 Jahren – wurde zur einzigartigen Demonstration des NS-Regimes. Eine pompöse Inszenierung, die der Welt die Überlegenheit der „deutschen Herrenrasse“ klarmachen sollte.

Samstag, 06.08.2016, 20.15 Uhr
Wh.: So. 08.20 Uhr,
Mi. 12.35 Uhr

Die Olympischen Spiele des Diktators

Neueste Forschungen zeigen ganz deutlich, wie sehr das IOC mit dem Hitler-Regime paktierte, um der Weltöffentlichkeit eine Show zu bieten, die alle bisherigen Dimensionen sprengt. Nürnberger Rassengesetze und staatlicher Terror gegen Juden, Roma und Sinti wurden verschwiegen, der Erfolg der Spiele sollte nicht durch Protest und Boykott getrübt werden.

Drei junge Schwimmerinnen vom Wiener Sportclub Hakoah aber machen nicht mit. Angeführt von Judith Deutsch – dargestellt von Antonia Moretti –, die als Sportlerin des Jahres 1935 große Medaillenchancen hat, beschließen sie trotz Drohungen des Schwimmverbands, nicht nach Berlin zu fahren und setzen damit ein Zeichen. Die Dokumentation „Olympia 1936 – Der verratene Traum“ von Christoph Weber (szenische Regie: Heinz Leger) erzählt die Geschichte von Judith Deutsch und wirft basierend auf neuen Recherchen in Archiven auf der ganzen Welt eine brisante Frage auf: Warum durfte ausgerechnet ein Diktator wie Hitler die Olympischen Spiele 1936 ausrichten?

zeit.geschichte - Olympia 1936 - Der verratene Traum

ORF/PRE TV/SC Hakoah Wien

Im Bild: Hakoah Ringermannschaft 1926.

Das Weltereignis in Berlin

Minutiös enthüllt die Dokumentation – eine Koproduktion von pre tv, ORF, täglich media, ZDF und PBS, gefördert von Fernsehfonds Austria, Filmfonds Wien und VAM und unterstützt vom Creative Europe Programme – MEDIA der Europäischen Union, wie das IOC und die Nationalsozialisten kooperierten, um die Olympischen Spiele zu dem zu machen, was sie heute sind: Ein spektakuläres Weltereignis, dessen Bilder in alle Welt übertragen werden und das die Massen in Begeisterung versetzt. Der Film räumt dabei mit der Legende auf, dass das IOC von Hitler getäuscht wurde und nicht wusste, was die Nationalsozialisten vorhatten. Wie sie die Spiele kultisch inszenierten und zu einem Ersatzkrieg der Nationen um Medaillen machten – das war dem IOC ebenso bewusst wie die eklatanten Verstöße gegen die Amateurregeln und die Diskriminierung von jüdischen Sportlerinnen und Sportlern in der NS-Diktatur. Das IOC nahm all dies in Kauf, weil es von „den größten Spielen aller Zeiten“ träumte. Und genau die lieferte Hitler.

zeit.geschichte - Olympia 1936 - Der verratene Traum

ORF/PRE TV/ullstein bild - Bunk

Im Bild: Razzia der Polizei im jüdischen Viertel (Scheunenviertel) von Berlin (Spandauer Vorstadt): Die Bewohner eines Hauses in der Grenadierstrasse werden auf dem Hof zur Durchsuchung nach Waffen und zur Überprüfung der Papiere versammelt.

Neben dem „teuflischen Deal“, auf den sich das IOC mit den Nationalsozialisten einließ, bildet die Geschichte der jüdischen Schwimmerin Judith Deutsch einen zweiten Erzählstrang der Dokumentation. Anders als das IOC war sie mit drei weiteren Schwimmerinnen des jüdischen Sportvereines Hakoah in Wien dazu bereit, die Olympischen Spiele von Berlin zu boykottieren – aus Protest gegen Hitlers Rassenhass und die Ausgrenzung der Juden. Judith Deutsch musste mit ihren damals 17 Jahren einen hohen Preis zahlen. Sie wurde lebenslang gesperrt und der Österreichische Schwimmverband annullierte alle ihre Rekorde.

Antonia Moretti über ihre Rolle als Judith Deutsch

Antonia Moretti zu ihrer Rolle der Judith Deutsch: „In „Olympia 1936 – der verratene Traum“ habe ich das erste Mal richtige Filmluft schnuppern dürfen. Das Team war sehr nett und verständnisvoll zu mir als Anfängerin, und ich habe versucht, mich schnell auf die Figur und die filmischen wie sportlichen Herausforderungen einzustellen. Was mich an Judith Deutsch, der jungen jüdischen Schwimmerin, am meisten beeindruckt hat, sind ihre trotzige Intelligenz und ihr Mut. Für ihr Weigern, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, wurde sie lebenslang gesperrt, und der Österreichische Schwimmverband annullierte alle ihre Rekorde. Nur knapp konnte sie ihr Leben retten. Für mich ist das schon etwas Besonderes, nicht nur darüber nachzudenken, sondern so eine Figur, also den Menschen, wie er gelebt hat, selbst zu spielen. Das habe ich bei der gesamten Produktion gespürt, und das hat mir auch geholfen. Wir haben ja in der Schule viele solcher Schicksale besprochen, aber das selbst nachzuerleben, ist etwas ganz anderes.“

zeit.geschichte - Olympia 1936 - Der verratene Traum

ORF/PRE TV/pretv/Paul Sturm

Im Bild: Making of Reenactments: Antonia Moretti (Judith Deutsch) und Sebastian Pass (Zsigo Wertheimer) mit Drehteam im Amalienbad.

Brisante Dokumente, hochwertige Spielszenen und die Aussagen weltweit führender Fachleute machen „Olympia 1936 – Der verratene Traum“ zu einem Film, der nicht nur die dunkle Geschichte des IOC enthüllt, sondern auch zeigt, wie die Spiele von Berlin zu einer Blaupause für alle folgenden Olympischen Spiele wurden.

Regie:

  • Christoph Weber

Szenische Regie:

  • Heinz Leger

Dokumentation, AUT 2016


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Stille Nacht in Stalingrad

    Die Schlacht um Stalingrad hat sich traumatisch in das Bewusstsein von Deutschen und Russen eingeprägt. Überlebende deutsche und sowjetische Soldaten und Angehörige erzählen in bewegenden Interviews von Not und Verlassenheit.

  • Stalin in Farbe

    Die Dokumentation zeichnet den rasanten Aufstieg des georgischen Schustersohnes Josef Dschughaschwili zu einem der mächtigsten Männer der Welt nach. Seltene Archivbilder aus seinem Umfeld, von Experten aufwendig nachkoloriert, geben Einblick in das System Stalin.

  • Weihnachten 1943: Die Schlacht um Ortona

    Die Dokumentation offenbart die wahre Geschichte über die blutigste und geheimnisvollste Schlacht auf italienischem Boden im Zweiten Weltkrieg.

  • Hitlers Frauen: Magda Goebbels - Die Gefolgsfrau

    Sie war die First Lady des NS-Regimes und opferte ihm ihre sieben Kinder.