Themenmontag „Heiraten“

Beim Heiratsvermittler

Wer bei der Partnersuche im Internet nicht fündig wird, wendet sich oft an einen traditionellen Heiratsvermittler.

Montag, 2.5.2016, 21.05 Uhr
Wh. Di 00.10, 03.15 und 13.55 Uhr

Wer heute einen Partner sucht, macht das oft im Internet, auf sogenannten Dating-Plattformen. Ein Klick, und der Traummann oder die Traumfrau ist gefunden, zumindest virtuell. Doch immer öfter hören wir, dass daraus dann nichts wird, dass der Herr oder die Dame, die angeblich nach dem Partner fürs Leben sucht, in Wahrheit nur ein kurzes Techtelmechtel im Sinn hatte. Oder beim Alter oder Vermögen grob geschummelt hat.

Beim Heiratsvermittler

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Lisa (li.), 23, sucht einen Partner über ein Vermittlungsinstitut – beim Ausgehen ist es schwer, einen seriösen Mann zu finden, meint sie.

Deswegen landet so mancher dann doch wieder beim ganz traditionellen Heiratsvermittler. Die gibt es noch - die Vermittler, die ihre Kunden persönlich kennen lernen, mit ihnen Profile anlegen und dann, nach eigenem Gutdünken, die passenden Personen zusammenbringen. "Das ist so wie damals in der Schule, wo wir zwei miteinander verkuppelt haben - nach Gefühl. Natürlich werden auch noch die Daten wie „Nichtraucher“, „tierliebend" und so weiter abgeglichen“, erzählt Partnervermittler Peter Treichl. Er ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Geschäft. Seine Agentur ist eine der größten in Österreich, mit Sitz in Salzburg. Vor zwei Jahren hat er eine eigene Agentur für Schwule ins Leben gerufen.

Michael aus Wels, 31, hat sich dort vor kurzem eingeschrieben. „Ich suche einen echten Mann, keinen Handtascherl-Träger“, gibt er an, „und einen Bart soll er haben“. Die ersten Dates hatte er schon.

Beim Heiratsvermittler

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Michael ist 31 und sucht einen Mann mit Bart – „einen richtigen Mann, keinen Handtascherlträger“. Partnervermittler Peter Treichl vermittelt seit zwei Jahren auch homosexuelle Singles.

„Wir vermitteln meistens bis zum Erfolg“, sagt Peter Treichl. Überprüfen lassen sich Erfolge in dieser Branche aber kaum - es gibt keine seriösen Daten, denn das Geschäft mit der Vermittlung basiert auf Diskretion. Wenn man etwas hört, dann sind es eher Beschwerden. Wie die von Ex-Gendarm Karl Heinz Wutsch, 71. Er fühlt sich überrumpelt, weil er nach der Lektüre von Inseraten in der Bezirkszeitung bei einer „Martina“ angerufen hat - gemeldet hat sich aber ein Partnervermittlungsinstitut. „Das hören wir oft von den älteren Semestern“, erzählt Herr Neubauer von der Arbeiterkammer Niederösterreich, „die Leute lesen nicht bis zum Schluss, wo der Agenturname steht. Sind sie dann Kunden einer Vermittlungsagentur, werden die konkreten Wünsche oft nicht erfüllt.“ Auch Herr Wutsch klagt darüber: "Da verspricht mir dieser redegewandte Toni von der Vermittlungsagentur, dass bei mir die „Mäderln auftanzen" werden. Und dann schicken sie mir lauter Damen zwischen 70 und 75!“

König der Heiratsvermittler

Ein sehr lukratives Segment, auch unter der älteren Klientel, ist das Vermitteln bei den oberen Zehntausend. Wir finden einen Spezialisten in Deutschland, der sich selbst „König der Heiratsvermittler“ nennt, jedenfalls im deutschsprachigen Raum. Hans Paul Schermer war früher Fleischhauer und Bodybuilder, bevor er mit den Vermittlungen begonnen hat. Heute verkehrt er in Adeligen- und Unternehmerkreisen.

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Hans Paul Schermer aus Deutschland macht sich schick für einen Termin mit einem seiner wohlhabenden Kunden – er bezeichnet sich selbst als „ König der Heiratsvermittler“, er kümmert sich nur um die oberen 10.000: Unternehmer, Adelige, Akademiker … er selbst hat es zwischendurch auch gern sehr einfach. Er liebt es, in seinem Luxus-Mobilheim „Landhaus“ zu campen.

Es sei meist harte Arbeit, Menschen zusammenzubringen, sagt er: „Du musst dir die Lebensgeschichten und Sorgen von den Leuten anhören“, sagt Schermer, „und auf die Wünsche genau eingehen.“ Und das kostet. Schermers Preise sind so königlich wie sein Ruf: 10.000 Euro für ein Jahr Vermittlung. Eine Garantie für die Traumfrau oder den Traummann gibt es dafür freilich nicht.

Reportage, 2015


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