90. Geburtstag Helmut Qualtinger

Der Herr Karl

Die Personifizierung der österreichischen Seele aus der Feder von Carl Merz und Helmut Qualtinger: Der Herr Karl, hält einen knapp einstündigen Monolog über seine Sicht der Welt. Das Fernsehspiel führt 1961 zum Skandal in Österreich.

Der Herr Karl

Fernsehspiel, 1961

Dienstag, 9.10.2018, 21.50 Uhr
Wh. So 09.00 Uhr

Der Herr Karl, Wiener Gelegenheitsarbeiter, schildert einem Lehrling in einem Monolog das Leben und die Philosophie eines Wiener Vorstadtbewohners in der Zeit von der Inflation bis zum Beginn der 60er Jahre. Der Monolog enthüllt auf sarkastische Weise das Denken, Lavieren und Faulenzen eines Wieners, der es geschickt verstanden hat, überall mitzulaufen und doch den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Als am Abend des 15. November 1961 auf den österreichischen Bildschirmen der populäre Schauspieler und Kabarettist Helmut Qualtinger (1928-1986) in dem knapp einstündigen Monolog zu sehen war, kam in Österreich wenig Freude auf. Und das, so erinnerte sich Qualtinger später, obwohl - oder gerade weil - „jeder einzelne Satz irgendwann einmal von irgendjemandem in Wien gesprochen oder gedacht worden ist“.

Der Herr Karl 
 
Originaltitel: Der Herr Karl (AUT 1961)

ORF

Helmut Qualtinger

Noch während „Der Herr Karl“ im Fernsehen lief, liefen beim ORF die Telefone heiß. Über die Poststellen des Senders ergoss sich eine Flut von aufgebrachten Zuschauer-Protesten. Wüste Verwünschungen, unflätige Beschimpfungen füllten bald auch die Leserbrief-Spalten der Wiener Zeitungen; es gab anonyme Morddrohungen. Österreich gab sich entrüstet, fühlte sich beleidigt. Der verantwortliche Fernsehdirektor wurde nach Sibirien gewünscht, es gab Dringlichkeitsanfragen im Parlament, die Nation war in Aufruhr. Die Stimmung, die damals herrschte, fasste der Kritiker Hans Weigel so zusammen: „Man hatte einem bestimmten Typus auf die Zehen treten wollen, und eine ganze Nation schrie: Au!“

Autoren:

Carl Merz, Helmut Qualtinger

Regie:

Erich Neuberg

Darsteller:

Helmut Qualtinger

Fernsehspiel, 1961