Land der Berge

Luis Trenker - Pionier und Egomane

Die Dokumentation reflektiert den Mythos und legt ein differenziertes Bild von Luis Trenker frei. Regisseurin Karin Duregger hat Freunde, Verwandte, Expertinnen und Experten vor die Kamera geholt.

Land der Berge: Luis Trenker - Pionier und Egomane

Regisseurin: Karin Duregger↲
Dokumentation, 2015

Mittwoch, 5.8.2020, 21.55 Uhr
Wh. Do 01.35 Uhr, Fr 09.00 Uhr

Ein knorriger Naturbursch mit Filzhut und Bergsteigerhemd: so ist Luis Trenker (1892-1990) vielen bis heute in Erinnerung. In der Zwischenkriegszeit prägte der Regisseur und Schauspieler das Genre Bergfilm. Die ersten Erfolge feierte er als Schauspieler, später reüssierte er auch als Regisseur und Drehbuchautor mit Filmen wie „Berge in Flammen“ (1931) oder „Der Rebell“ (1932). Er verklärte dabei oft Themen wie „Heimat“, „Natur“ und „Krieg“. Inhaltlich orientierte er sich an der „Blut und Boden“-Ideologie, die auch im Gesellschaftsbild der späteren NS-Ideologie eine große Rolle spielte. „Bei Trenker geht es um ein ganz bestimmtes Männlichkeitsideal, um Gehorsam und Treue, um diese Naturburschen, die das Idealbild der Nationalsozialisten vertreten haben. Als die Nazis an die Macht kommen, fällt Luis Trenker natürlich perfekt in diese Propagandamaschinerie hinein“, sagt Eva Pfanzelter, Zeithistorikerin an der Universität Innsbruck.

Luis Trenker - Ein Mann und seine Legenden

ORF/Epo Film

Filmplakat Der Rebell, ein Film von Luis Trenker aus dem Jahre 1932, Trenker als Regisseur und Hauptdarsteller.

Schon 1932 zeigten sich Adolf Hitler und Joseph Goebbels von Luis Trenkers Wirken begeistert. Für Goebbels ist „Der Rebell“ eine Parabel über das „Joch von Versailles“, also die – in den Augen der späteren Nazi-Schergen – ungerechten Grenzziehungen im Europa nach dem Ersten Weltkrieg. Luis Trenker macht daneben Filme für die Faschisten in Rom („Condottieri“, 1937), was ihn wiederum bei den Nazis in Berlin, aber vor allem in Südtirol selbst in Ungnade fallen lässt. Da nutzt es auch wenig, dass Trenker später NSDAP-Mitglied wird und sich – nach einigem Hin und Her – bei der Südtiroler Option für Nazi-Deutschland und Hitler entscheidet. Nach dem Zweiten Weltkrieg positionierte sich der Südtiroler trotzdem lieber als Regimegegner. In lebhaft vorgetragenen Anekdoten erzählte er im Fernsehen aus seinem Leben - kurzweilig, erheiternd und unkritisch.

Luis Trenker - Ein Mann und seine Legenden

ORF/Epo Film

Luis Trenker und Leni Riefenstahl, Geliebte und Konkurrenten

Heute zeichnen seine Briefe an NS-Eliten und die Aussagen von Zeithistorikern und Wegbegleitern ein anderes Bild. Die Dokumentation zeigt, mit welchem Ehrgeiz Luis Trenker Zeit seines langen Lebens an seinem persönlichen Fortkommen gearbeitet hat. Ohne viel Skrupel gegenüber seinen Auftraggebern und stets bemüht, an seinem Bild für die Nachwelt zu arbeiten. Biografische Details wie die Scheidung seiner Eltern sparte er gerne aus, den stattlichen Hof seiner Großeltern gab er als sein Geburtshaus aus.

Luis Trenker - Ein Mann und seine Legenden

ORF/Epo Film

Luis Trenkers Haus in Kitzbühel

Luis Trenker - Ein Mann und seine Legenden

ORF/Epo Film

Trenker-Villa in Bozen, in den 20er Jahren von Trenker gekauft als Zweitwohnsitz, ab 1945 hat er permanent dort gewohnt; heute im Privatbesitz der Bozner Kaufmannsfamilie Podini.

Es ist das Bild eines Mannes, der kein politischer Fanatiker war, der aber, angetrieben vom Ehrgeiz, sein ganzes Leben lang nach Anerkennung suchte.

Kommentare von:

  • Dr. Hans-Jürgen Panitz, ehemaliger Agent von Luis Trenker
  • Eva Pfanzelter, Zeithistorikerin
  • Roswitha Trenker, Schwiegertochter von Luis Trenker
  • Joseph „Peppi“ Rifesser, langjähriger Freund von Luis Trenker
  • Kamaal Haque, Filmkritiker
  • Matthias Fanck, Enkel von Arnold Fanck
  • Stefan König, Biograf von Luis Trenker

Regisseurin: Karin Duregger
Dokumentation, 2015


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Das Paznaun mit Peter Habeler

    Extrembergsteiger Peter Habeler führt durch das Paznaun im äußersten Westen Tirols, das mit vielen Gegensätzen überrascht.

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    Diese bildgewaltige Neuproduktion ist grenzüberschreitend unterwegs im Gebiet zwischen Bayern und Salzburg - vom Watzmannmassiv im Berchtesgadener Land bis zum Hochkönig, dem höchsten Gipfel der Berchtesgadener Alpen.