In memoriam Hugo Portisch

Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte (1/4) Vom Krieg zum Staat in 14 Tagen

Mit Hugo Portisch ist am 1. April 2021 der wohl berühmteste Journalist des Landes gestorben. ORF III zeigt aus diesem Grund die von ihm gestaltete epochale vierteilige Dokumentarreihe.

Freitag, 2.4.2021, 20.15 Uhr

Die Dokumentation umfasst 4 Folgen à 100 Minuten und wird von Hugo Portisch (1927-2021), dem Autor der legendären „Österreich II“-Serie, gestaltet. In der Dokumentation wird auch auf die Lebensbedingungen, die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Österreichs und seiner Menschen in diesen Jahren eingegangen.

Der Film spricht auch die Generation an, die diese Zeit nicht erlebt hat. Hat doch die heutige Öffentlichkeit durchaus Fragen an die Geschichte und ist an den Antworten interessiert. Jeder der vier Teile der Doku-Reihe geht auf diese Fragen ein und versucht Antworten darauf zu geben.

Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte 
(1) Vom Krieg zum Staat in 14 Tagen

ORF/Votava

Geführt von Karl Renner und Theodor Körner begeben sich die Mitglieder der ersten österreichischen Regierung am 29. April vom Wiener Rathaus in das Parlament. Obwohl es keine Verkehrsmittel in der Stadt gibt, haben sich mehrere tausend Menschen eingefunden, um dieser ersten Regierung des neuen Österreichs zuzujubeln.

Vom Krieg zum Staat in 14 Tagen

Die Ereignisse in den Apriltagen des Jahres 1945: Österreich liegt noch im Bombenhagel der alliierten Luftwaffen und ist Teil des Dritten Reichs. Die alliierten Heere nähern sich den österreichischen Grenzen. Die Rote Armee tritt zum Sturm auf Wien an.

13 Tage dauern die Kämpfe, vom 1. bis zum 13. April. Noch währenddessen nimmt Karl Renner (1870-1950) Verbindung mit dem sowjetischen Armeestab auf und bietet sich an, Österreich wieder zu gründen, wie er es 1918 schon einmal tat. Er schreibt an Stalin und dieser beauftragt prompt den sowjetischen Marshall Tolbuchin, Renner mit der Errichtung einer österreichischen Regierung zu betrauen.

Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte 
(1) Vom Krieg zum Staat in 14 Tagen

ORF/Historisches Archiv ORF/Historisches Archiv

Im Wehrkreiskommando XVII plante eine militärische Widerstandsgruppe unter der Führung des Majors Carl Szokoll eine möglichst kampflose Übergabe der Stadt. Doch die Verschwörer wurden verraten und drei ihrer Offiziere in Floridsdorf am Spitz von einem SS-Sonderkommando gehängt. Auf diesem Bild: Oberleutnant Rudolf Raschke.

Was damals in wenigen Tagen geschah, ist eine unglaubliche Geschichte: am 13. April fällt der letzte Schuss im Kampf um Wien. Zur gleichen Zeit finden sich schon beherzte Männer und Frauen zusammen und gründen die politischen Parteien, ebenso wie den Gewerkschaftsbund. Und Renner gelingt es, innerhalb von nur 5 Tagen eine Regierung zusammenzustellen. Am 27. April nimmt diese Regierung die Gründung der Zweiten Republik vor. Noch im Krieg also ist Österreich wiedererstanden und es besitzt bereits eine Regierung - im Vergleich dazu: Die erste Nachkriegsregierung in Deutschland gab es erst 4 Jahre später, 1949.

Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte 
(1) Vom Krieg zum Staat in 14 Tagen

ORF/Fritz Zvacek

Während der Kämpfe um Wien und noch viele Tage danach konnten die Toten nur in den Parkanlagen verscharrt werden. Ohne Transportmittel waren die Friedhöfe kaum zu erreichen.

Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte 
(1) Vom Krieg zum Staat in 14 Tagen

ORF/Historisches Archiv ORF/Historisches Archiv

Ein Notsteg führt über eine der zerstörten Brücken am Wiener Donaukanal. Die meisten Häuser entlang des Kanals sind nur noch Ruinen.

Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte 
(1) Vom Krieg zum Staat in 14 Tagen

ORF/Klaus Fuchs

Das bei dem letzten großen Bombenangriff der US-Luftwaffe zerstörte Gebäude der Staatsoper in Wien.

In dieser Folge stellt Hugo Portisch die Frage, wie alles so schnell geschehen konnte, erklärt die Hintergründe der Entstehung der so genannten Moskauer Deklaration und auch die Auswirkungen dieser Deklaration für die Weiterentwicklung Österreichs.

Befreiung der Bundesländer

Jedes Bundesland erlebt die Befreiung auf andere Art. Innsbruck wird von einer Tiroler Widerstandsbewegung befreit ehe noch die Amerikaner eintreffen. Bregenz wird im letzten Moment noch bombardiert und in Brand geschossen. In Salzburg widersetzt sich der deutsche Kommandant dem Verteidigungsbefehl und übergibt die Stadt den Amerikanern. In Linz marschieren amerikanische Truppen ein und glauben in Deutschland zu sein. In Kärnten kommt es zum Wettlauf der Briten mit den Truppen der Tito-Armee, fast gleichzeitig treffen sie in Klagenfurt ein. In Graz gelingt es, den Gauleiter abzusetzen, kurz bevor die Rotarmisten die Stadt erreichen und besetzen.

Der Film zeigt, was sich bei all diesen militärischen Konfrontationen ereignet und was die Zivilbevölkerung dabei ertragen hat.

Musik: Christian Kolonovits
Sprecherstimme: Cornelius Obonya
Präsentator: Hugo Portisch
Regisseur: Paul Sedlacek
Dokumentationsreihe, 2005 / 2015


Weitere Sendungen dieser Reihe: