Land der Berge

Sonnenberge - Von der Rax zur Buckligen Welt

Schon im 19. Jahrhundert sind die Menschen dem Charme der Sonnenberge erlegen. Hier ist die Wiege der Sommerfrische, hier nahm Österreichs erste Seilbahn 1926 den Betrieb auf.

Land der Berge: Sonnenberge - Von der Rax zur Buckligen Welt

Gestalterin: Barbara Fally-Puskás ↲
Dokumentation, 2008

Mittwoch, 12.6.2019, 21.05 Uhr
Wh. Fr 09.00 Uhr

Die Sonnenberge im Süden Niederösterreichs sind Sommer wie Winters Anziehungspunkt für Erholungssuchende, Naturliebhaber und Bergsportler. Was macht das Schneebergland, Wechselgebirge und die Bucklige Welt so einzigartig? Warum erfreut sich diese Region so großer Beliebtheit? Hier gibt es keine Extreme, keine Dreitausender, kein ewiges Eis - nichts für das Buch der Rekorde. Dennoch ist dieser Landstrich etwas Besonderes: An der Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark treffen Pannonische Tiefebene und Alpenausläufer aufeinander. Auf engstem Raum finden sich unterschiedlichste Naturlandschaften mit einer ungeahnten Fülle an Pflanzen und Tieren. Diese Mittlerrolle zwischen Flachland und Hochgebirge verleiht den Sonnenbergen ihren ganz besonderen Charme.

Sonnenberge - Von der Rax zur Buckligen Welt

ORF/epo-film/Franz Zwickl

Einem Charme, dem die Städter schon im 19. Jahrhundert erlegen sind: hier liegt die Wiege der Sommerfrische, hier wurde die erste alpine Rettungsorganisation gegründet - und auf der Rax nahm 1926 die erste Seilbahn Österreichs ihren Betrieb auf. Die Tierwelt hat sich weitgehend an die fremden Besucher gewöhnt. Wer sich ruhig verhält, der erlebt sogar Gämsen aus nächster Nähe.

Die Dokumentation präsentiert die mannigfaltigen Naturlandschaften der Sonnenberge und ihre Tier- und Pflanzenwelt im Jahreslauf. Bei Kirchberg am Wechsel öffnet sich im Eulenberg die Hermannshöhle. Die insgesamt mehr als vier Kilometer langen Gänge entstanden vor etwa einer Million Jahren. In der kalten Jahreszeit dient die wohltemperierte Tropfsteinhöhle bis zu 700 Fledermäusen als Winterquartier. Hier wurden bis dato 14 verschiedene Fledermausarten beobachtet.

Doch die Sonnenberge Niederösterreichs sind seit jeher auch von Menschenhand geprägt. Es ist ein Kulturland, in dem die Natur ihren Platz hat - oder eine Natur mit Kultur. Der Film stellt einige der Menschen vor, die mit dieser Region tief verbunden sind. Am Fuße des Hochwechsels lebt Christof Seiser. Der ehemalige Leistungssportler bezeichnet sich heute als Aktionskünstler mit Schwerpunkt Bildhauerei. Er versucht seinen Sportsgeist mit der Kunst zu verbinden. Bei der Arbeit an einer Felsskulptur am Hochwechsel stellen sowohl der entlegene Standort als auch das harte Gestein eine große Herausforderung dar. Für sein jüngstes Werk nimmt sich Seiser viel Zeit, damit die Energie aller Jahreszeiten in seine Arbeit einfließen kann.

Sonnenberge - Von der Rax zur Buckligen Welt

ORF/epo-film/Franz Zwickl

Christof Seiser

In Schwarzau im Gebirge und in Gutenstein liegen die Zentren von Peter Brauchls Alpenlachszucht. Brauchl macht sich das klare, kalte und saubere Gebirgswasser zu Nutze und züchtet erfolgreich Eismeersaiblinge und Atlantische Lachse - mitten im Binnenland.

Entlang der Thermenlinie von Perchtoldsdorf bis Gloggnitz prägen Schwarzkiefern das Landschaftsbild. Diese Baumart trug wesentlich zum Wohlergehen der Bauern bei, denn seit dem 14. Jahrhundert war die Harzgewinnung ein sicherer Nebenerwerb. In den Wäldern bei Hernstein stehen viele hundertjährige Pechbäume, die nach wie vor bearbeitet werden. Richard Schreieck ist es zu verdanken, dass die traditionelle Harzgewinnung wenigstens in geringem Umfang erhalten blieb. Acht Pecher liefern ihm etwa 40 Tonnen Harz im Jahr, aus denen Schreieck Kosmetikprodukte, Terpentin und Kolophonium für die Bögen von Streichinstrumenten herstellt.

Die Bodenwiese am Gahns ist eine der letzten beweideten Hochalmen der Sonnenberge. Hier wird das Vieh von 28 Bauern der Umgebung den Sommer über vom Halter-Hias betreut - einem Faktotum der Region.

Während viele Bergbauern von Rax und Schneeberg aufgegeben haben, überwiegt in der Buckligen Welt noch das Bauerntum. Bewirtschaften lassen sich diese arbeitsintensiven Klein- und Mittelbetriebe allerdings nur, wenn die ganze Familie mithilft. Die uralten Streuobstwiesen der Buckligen Welt sind nicht nur eine Augenweide, sondern Lebensraum und Nahrungslieferant für eine Vielzahl von Tieren.

sonnenberge - von der rax zur buckligen welt

ORF/epo-film/Franz Zwickl

Die Wälder der Sonnenberge wurden einst intensiv genutzt. Doch seit man weiß, dass sich ein gesunder Waldbestand positiv auf die Wasserqualität auswirkt, achtet man verstärkt auf seinen Zustand. Seit 1873 speisen die Quellen von Rax und Schneeberg die 1. Wiener Hochquellenwasserleitung. 1965 wurde der Einzugsbereich der Quellen schließlich zum Wasserschutzgebiet erklärt. Raubbau und intensive Nutzung gehören seitdem der Vergangenheit an. Nun gibt es sie wieder, die verlassenen Dickichte, in denen auch die scheuen Schwarzstörche brüten.

Eineinhalb Jahre lang war das Film-Team unter der Regie von Barbara Fally-Puskás und Klaus Steindl im Gebiet der Sonnenberge unterwegs. Die Filmmusik stammt von Klaus Trabitsch, der hoch über dem Schwarzatal lebt und sich Tag für Tag von der Schönheit des Schneeberglandes inspirieren lassen kann.

Sonnenberge - Von der Rax zur Buckligen Welt

ORF/epo-film/Franz Zwickl

Filmteam

Gestalterin: Barbara Fally-Puskás
Dokumentation, 2008


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