In memoriam Erich Lessing

Erich Lessing: Der Photograph im Rückspiegel

Mit Erich Lessing ist am 28. August einer der bedeutendsten österreichischen Photographen gestorben. ORF III erinnert am Sonntag mit dieser Dokumentation und einem Interview aus dem Jahr 2015 an ihn.

In memoriam: Im Gespräch mit Erich Lessing

Interview, 2015

Fotograf Erich Lessing war mit seiner Kamera bei wichtigen Wendepunkten des 20. Jahrhunderts dabei. So lichtete er Charles de Gaulle und Konrad Adenauer ab und schuf Zeugnisse der bewegten Geschichte der Nachkriegszeit.

ORF Generaldirektor Alexander Wrabetz hat den Fotografen zu einem ausführlichen Gespräch getroffen.

Sonntag, 2.9.2018, 22.45 Uhr

Er hat mit seiner Kamera Weltgeschichte dokumentiert. Vom berühmten Foto Leopold Figls (1902-1965), der vom Balkon des Belvedere aus den jubelnden Österreichern ihren Staatsvertrag präsentiert, bis zu erschreckenden Bildern des Ungarischen Volksaufstandes.

Erich Lessing wurde 1923 in Wien als Sohn einer jüdischen Familie geboren. 1939 musste er nach Palästina auswandern, seine Familie blieb zurück und starb im Holocaust. 1947 kam er, eher zufällig nach Wien zurück, eigentlich wollte er nach Paris um Film zu studieren, bekam aber zunächst kein Visum. Hier lernte er seine Frau Traudl kennen, mit der er bis zu ihrem Tod verheiratet war. Der Ehe entstammen drei Kinder. Sie arbeitete damals bei der Associated Press als Journalistin. Über sie wurde er Associated-Press-Fotoreporter, eine Tätigkeit, die er bis 1949 ausübte.

Erich Lessing: Der Photograph im Rückspiegel

ORF/ORF III/Thomas Hackl

Erich Lessing und Traudl Lessing.

Als Fotograf erlebte er die Veränderungen im Bereich der Fotografie von analoger Schwarz-Weiß Fotografie bis hin zur digitalen Technologie. Erich Lessing war ein sehr frühes Mitglied der Agentur Magnum, die unter anderem von Henri Cartier Bresson und Robert Capa in Paris gegründet wurde um ihre Bilder selbst verwalten und darüber bestimmen zu können, welche Bildunterschriften verwendet werden konnten. Neben seiner Tätigkeit als aktives Mitglied dieser Kooperative begleitete er historische Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen in einer Nähe, die heute für freie Journalisten beinahe undenkbar scheinen. Er wurde beispielsweise von Konrad Adenauer (1876-1967) eingeladen um ihn über Charles de Gaulle (1890-1970) zu informieren. Diese Nähe zu Politikern war nur möglich, weil er es auch verstand, nicht alles abzubilden oder weiterzugeben.

Programmhinweis:
ORF III zeigt anschließend an diese Dokumentation um 23.40 Uhr ein Interview, das ORF Generaldirektor Alexander Wrabetz 2015 mit Erich Lessing geführt hat.

Seine Ikone für Österreich ist das Foto der Präsentation des unterzeichneten Staatsvertrages, 1955 vom Balkon des Belvedere. Großes Interesse hatte er immer daran, die Situation der Bevölkerung in Zeiten von Krieg und Revolution zu dokumentieren, um dadurch die Menschheit zu sensibilisieren. Die höchstausgezeichnete Reportage war über die Ungarische Revolution 1956, er erhielt dafür den American Art Directors Award, und 1998 vom ungarischen Staatspräsidenten die Imre Nagy Medaille. Nach dem Ungarn-Aufstand 1956 begann er an der Wirkung seiner Dokumentationen auf die Politik zu zweifeln und wandte sich einer anderen Art Fotografie, seinen „Fotografischen Evokationen“ zu.

Lange Zeit war er der Haus- und Hoffotograf des Louvre in Paris. Erich Lessing produzierte mehr als 60 Bücher in 50 Jahren. 2011 eröffnete er eine eigene Galerie, ein Webarchiv mit pictures on demand, sowie Appstore und Facebook-Seite.

Erich Lessing: Der Photograph im Rückspiegel

ORF/ORF III/Thomas Hackl

Erich Lessing

Dokumentation, 2011


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Stille Nacht in Stalingrad

    Die Schlacht um Stalingrad hat sich traumatisch in das Bewusstsein von Deutschen und Russen eingeprägt. Überlebende deutsche und sowjetische Soldaten und Angehörige erzählen in bewegenden Interviews von Not und Verlassenheit.

  • Stalin in Farbe

    Die Dokumentation zeichnet den rasanten Aufstieg des georgischen Schustersohnes Josef Dschughaschwili zu einem der mächtigsten Männer der Welt nach. Seltene Archivbilder aus seinem Umfeld, von Experten aufwendig nachkoloriert, geben Einblick in das System Stalin.

  • Weihnachten 1943: Die Schlacht um Ortona

    Die Dokumentation offenbart die wahre Geschichte über die blutigste und geheimnisvollste Schlacht auf italienischem Boden im Zweiten Weltkrieg.

  • Hitlers Frauen: Magda Goebbels - Die Gefolgsfrau

    Sie war die First Lady des NS-Regimes und opferte ihm ihre sieben Kinder.