Holocaust Gedenken am Freitag

Zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Anlässlich des internationalen Tages des Gedenkens der Opfer des Holocaust zeigt ORF III live die Oper „Spiegelgrund“ aus dem historischen Sitzungssaal des Parlaments und die Reportage „Ein ganz normaler Arzt“ sowie die Dokumentation „Das Mordschloss“.

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Trailer:

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Freitag, 25. Jänner, 17.20 Uhr LIVE
Die Sendung im Internet: tvthek.orf.at

Spiegelgrund

Oper von Peter Androsch

Der Name „Spiegelgrund“ steht für den unfassbaren Schrecken von Euthanasie und Kindermord in der NS-Herrschaft. Die Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ mit der sogenannten Kinderfachabteilung „Am Spiegelgrund“ in Wien war Teil der nationalsozialistischen Tötungsmedizin.

Mit der Uraufführung von Peter Androschs gleichnamiger Oper im historischen Sitzungssaal des Parlaments wird anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages der rund 800 teilweise behinderten Kinder und Jugendlichen gedacht.

Spiegelgrund Oper von Peter Androsch

ORF/edition kulturquartier/Erich Obernberger

Thomas Kerbl, Alexandra Diesterhöft, Robert Holzer

Dirigent: Thomas Kerbl
Texte: Bernhard Doppler, Silke Dörner und Plutarch

Mitwirkende:
Katerina Beranova, Robert Holzer, Karl M. Sibelius, Alexandra Diesterhöft und dem Ensemble 09.

Moderation: Barbara Rett

Freitag, 25. Jänner, 18.25 Uhr
Die Sendung im Internet: tvthek.orf.at

Ein ganz normaler Arzt

Dokumentation, 2000

HJ-Mitglied, SA-Mitglied, NSDAP-Mitglied, Euthanasiearzt, später Primarius, Gerichtsgutachter, Ehrenkreuz für Wissenschaft und Forschung. Name: Dr. Heinrich Gross (1915-2005).

Knapp 63 Jahre ist es her, dass Heinrich Gross wegen Beteiligung an der Tötung behinderter Kinder erstmals vor Gericht stand. Zwei Jahre Haft lautete das Volksgerichtsurteil vom 19. März 1950. Nachdem der Oberste Gerichtshof den Schuldspruch jedoch wegen mangelnder Beweiskraft aufgehoben hatte, wurde das Verfahren eingestellt. Erst 1999 kommt es zu einer neuen Anklage. Dazwischen liegt eine mit Preisen und Auszeichnungen überhäufte steile Karriere zum Primar und prominentesten Gerichtsgutachter Österreichs.

Die Teilnahme an Euthanasieaktionen scheint für diesen Aufstieg kein Hinderungsgrund gewesen zu sein. In den 1950er Jahren forschte Gross an den bis heute am Spiegelgrund gelagerten Kindergehirnen weiter. Diese Untersuchungen begründeten seinen wissenschaftlichen Ruf als Neurologe.

Dr. heinrich gross

ORF / Dieter Nagl

Dr. Heinrich Gross (1915-2005)

Die Reportage zeichnet Ursachen und Hintergründe der Karriere eines Mannes nach, der sich immer als ganz normaler Arzt verstanden hat.

Regie: Andreas Novak

Freitag, 25. Jänner, 19.10 Uhr
Die Sendung im Internet: tvthek.orf.at

Das Mordschloss

Dokumentation, 2003

Hinter den Mauern des idyllischen Renaissanceschlosses Hartheim bei Linz tobte eine der grausamsten Vernichtungsmaschinerien des Dritten Reiches. Die Opfer: Psychiatriepatienten, Alte, Kranke, Waisen, schwererziehbare Kinder, Zwangsarbeiter, Juden, KZ-Häftlinge aus Mauthausen und Dachau.

Das Mordschloss

ORF III

Die Vergasung war geheime Reichssache, doch die Vernichtungsanstalt stand mitten im Ort Hartheim bei Alkoven. Seine Bewohner sahen täglich die Todestransporte und lebten mit dem Geruch von verbranntem Fleisch.

Es war jahrelang Tatort für Tötungsmedizin: Schloss Hartheim bei Linz. Das „Mordschloss“ nimmt selbst in der grauenvollen Geschichte des Dritten Reiches eine Sonderstellung ein. Der Tötungswahn der Vergasungsärzte hatte sich hier soweit verselbständigt, dass die Hartheimer Massenmörder mit der Lager-SS von Mauthausen fast einen Konkurrenzkampf in Sachen Vergasung führten.

Das tödliche Treiben war auch zum damaligen Zeitpunkt absolut gegen jedes Gesetz, verantwortet vom engsten Kreis rund um Adolf Hitler. So beginnt sogar ein Linzer Staatsanwalt, selbst NSDAP-Mitglied, jegliche Parteiräson missachtend, gegen die Vergasungsärzte von Hartheim zu ermitteln. Auch Männer aus dem Ort, hochdekorierte Stalingrad-Veteranen, werden gegen den Massenmord aktiv - mit Flugblättern und Pamphleten.

Das Mordschloss

ORF III

Schloss Hartheim

Die Geschichte des Mordschlosses Hartheim wird erst jetzt, 60 Jahre danach, aufgearbeitet. Dem Team der Redaktion gelang es, bislang verschollene Dokumente und Beweisstücke aufzutreiben, wie das Familienalbum des Leiters von Hartheim Rudolf Lonauer oder das persönliche Ärztebesteck des Vergasungsarztes Georg Renno.

Die umfassende Dokumentation gibt den neuesten Forschungsstand wieder. Es erzählt von den Schicksalen der Familien, die in Hartheim ihre Väter, Mütter, Söhne und Töchter verloren; es ist ein Porträt von Familienvätern, die durch Ehrgeiz und Karrierewillen zu Massenmördern wurden; eine Chronik von Verdrängung und Mitwisserschaft in einem kleinen, unscheinbaren Ort, der über Nacht zum Zentrum der sogenannten NS-Euthanasie wurde.

Dokumentation von Tom Matzek