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Menschen & Mächte: "Krisen, Morde, Bürgerkriege", Die Folgen des 1. Weltkrieges mitsamt Friedensverträgen und Reparationszahlungen lasten als schwere Hypotheken auf den ohnehin brüchigen Fundamenten der Ersten Republik. Viele Kriegsheimkehrer finden sich im neuen Staat nicht mehr zurecht und lehnen dessen demokratisch-parlamentarische Strukturen ab. Die Parallelität von Politik-, Finanz-, Wirtschafts-, und Identitätskrise fördert Monarchie oder Anschluss-Sehnsüchte. Wie gehen Nachkriegsgesellschaft und Parteien mit der Gedenkkultur um, wie mit der Aufarbeitung des 1. Weltkrieges und der Kriegsverbrechen ehemaliger k. & k.-Truppen? Das sind die Themen dieser Dokumentation, die den Zeitraum von 1918 bis 1938 primär aus der Perspektive der Nachwirkungen des 1 .Weltkrieges betrachtet. Eine Dokumentation von Wolfgang Stickler und Andreas NovakIm Bild: 12.11.1918: Massendemonstratition vor dem Parlament, Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich.

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ORF-Zeitgeschichteschwerpunkt

1918 – Die Geburt der Republik

Der 12. November 1918 ist der Geburtstag der Republik Österreich. Der Erste Weltkrieg ist zu Ende, die Habsburgermonarchie zerfallen. Es sind Tage der Freude und des Jubels, aber auch der Depression und des politischen Chaos.
Gedenkjahr: 1918 – Die Geburt der Republik

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Im Rahmen eines umfassenden ORF-Zeitgeschichteschwerpunkts zeichnet die „ZiB Spezial“ am 11. November 2018 um 20.15 Uhr in ORF 2 diese Gegensätze nach. Tarek Leitner meldet sich aus einem Studio vor dem Parlament. Seine Gäste sind u. a. Hugo Portisch, Heinz Fischer und Manfried Rauchensteiner.
Im Zeichen des 100. Jahrestages der Gründung der Republik stehen im ORF weiters ein „Report Spezial“ zum Thema „100 Jahre Republik – wie stark ist unsere Demokratie?“, die neuen „Menschen & Mächte“-Dokus „1918 – Depression und Jubel“ und „Viktoria Savs, die Soldatin des Kaisers“ sowie alle neun Folgen der „Universum History“-Serie „Unser Österreich“, „IM ZENTRUM“ und der „kulturMontag“.
Zu den Höhepunkten des Programmschwerpunkts zählen zudem die Live-Übertragung des Festakts aus der Staatsoper, der neue ORF-III-Dokuvierteiler „Auf den Spuren der Republik“ mit Heinz Fischer sowie neue Folgen der Reihe „Baumeister/innen der Republik“. Außerdem ist zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs das „Friedenskonzert der Wiener Philharmoniker aus Versailles“ zu sehen.

Kurzspots „Zeitzeugnisse zur Geburt der Republik: Vor 100 Jahren“

extra.ORF.at präsentiert die
28 ORF-TV-Kurzspots zum Nachsehen.
Kurzspots mit Originalzitaten – gelesen von jungen Schauspielschülerinnen und -schülern – vermitteln Emotionen, Stimmen, Berichterstattung aus den Tagen des Novembers 1918. Die „historischen Vignetten“ präsentieren für jeden einzelnen Tag zwischen 16. Oktober und 12. November 1918 bedeutsame Ausschnitte aus Tagebüchern, Briefen und Zeitungen.
Die einzelnen Vignetten sind von Freitag, dem 26. Oktober, bis Montag, den 12. November, in ORF 2 zu sehen. ORF 2 zeigte alle 28 „Zeitzeugnisse zur Geburt der Republik: Vor 100 Jahren“ am Dienstag, dem 23. Oktober, um 12.45 Uhr.
Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz

ORF/Thomas Ramstorfer

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: „ORF-Produktionen setzen Maßstäbe im öffentlich-rechtlichen Programmangebot“
„Der ORF versteht sich als Datenbank der Erinnerung. Dass unsere Produktionen im öffentlich-rechtlichen Programmangebot Maßstäbe setzen, haben wir im heurigen Gedenkjahr bereits im März mit unserem großen Schwerpunkt ‚1938 – Der Anschluss‘ unter Beweis gestellt. Im aktuellen Zeitgeschichteschwerpunkt ,1918 – Die Geburt der Republik‘ richtet der ORF den Fokus in TV, Radio und Online nun auf 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs und das 100-jährige Bestehen der Republik. Die Bandbreite der allein heute präsentierten TV-Berichterstattung umfasst rund 100 Stunden in ORF 2 und ORF III. Das ist eine Leistung, die so nur der ORF erbringen kann, und ein unverzichtbarer Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Mehrwerts.“
Mag. Kathrin Zechner, Fernsehdirektorin des ORF

ORF/Thomas Ramstorfer

ORF-Programmdirektorin Mag. Kathrin Zechner: „Kurzspots lassen Emotionen, Stimmen, Berichterstattung aus den Tagen des Novembers 1918 erleben“
„Das wichtige Gedenkjahr 2018 bedeutet für das ORF-Fernsehpublikum nicht nur, historische Zusammenhänge zu begreifen und 100 Jahre danach die Republiksgründung im Spiegel des Traumas des Zerfalls des Vielvölkerstaates zu reflektieren, sondern ganz unmittelbar Emotionen, Stimmen, Berichterstattung aus den Tagen des Novembers 1918 zu erleben. Mit diesem Anspruch bringen wir das nächste Kapitel unserer Kurzspots ins Programm, die Originalzitate aus den Tagen rund um den 12. November 1918 bringen, gelesen von jungen Schauspielschülerinnen und Schauspielschülern. So wird Geschichte über persönliche Betroffenheit nachvollziehbar – und dieser Auftrag für unser Publikum ist Teil unserer DNA.“
ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber

ORF/Hans Leitner

ORF-III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber: „Umfassender Schwerpunkt mit neuen Dokus und Philharmoniker-Konzert aus Versailles“
„100 Jahre Republik, 100 Mal Programm: ORF III begleitet das Republiks-jubiläum mit einem umfassenden, rund dreiwöchigen Schwerpunkt, der mehr als 20 ORF-III-Neuproduktionen präsentiert. Der Bogen spannt sich von Dokumentationen, die sich mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Niedergang der Habsburgermonarchie beschäftigen, über Aspekte des Neuanfangs der Republik, das ziselierte Kräfteverhältnis zwischen Hofburg, Parlament und Rathaus sowie die friedensstiftende Geschichte der internationalen Einsätze unseres Bundesheeres bis hin zu Porträts prägender Politikerinnen und Politiker der jungen Republik. Ergänzt wird dieser öffentlich-rechtliche Marathon u. a. durch Live-Übertragungen offizieller Festakte und des Friedenskonzerts der Wiener Philharmoniker aus Versailles sowie durch die Gedanken der Spitzenrepräsentanten und -repräsentantinnen unseres Landes zu ‚100 Jahre Republik‘.“
Andreas Novak

ORF/Hans Leitner

Andreas Novak, Leiter der ORF-Zeitgeschichteredaktion: „Mit diesem Schwerpunkt wird der ORF einmal mehr seinem Ruf als audiovisuelles Gedächtnis der Nation gerecht“
„1918 ist ein ganz zentrales Schlüsseljahr der österreichischen Zeitgeschichte. In den Monaten Oktober und November erodiert der Vielvölkerstaat auch in einem Bereich, wo er bisher zumindest noch halbwegs funktionierte, in der k. und k. Armee. Den militärischen Absetzbewegungen der Nationalitäten folgen die Unabhängigkeitserklärungen einer Reihe von ‚Kronländern‘. Von der großen Monarchie in die kleine Republik. Eine staatspolitische Wende, die damals für viele Österreicherinnen und Österreicher einen stärkeren mentalen Bruch bedeutete als der ‚Anschluss‘ im März 1938. ‚1918 – Die Geburt der Republik‘ – mit diesem trimedialen Schwerpunkt wird der ORF einmal mehr seinem Ruf als audiovisuelles Gedächtnis der Nation gerecht.“


Programmübersicht

Montag, 5. November, 22.30 Uhr, ORF 2
kulturMontag
Sonntag, 11. November, 17.05 Uhr, ORF 2
Gerstenmehl, Brennnesseln und Zichorien – Vom Essen in Kriegszeiten
Eine Dokumentation von
Anita Lackenberger
Hunger war der ständige Begleiter der Menschen im Ersten Weltkrieg. Der Krieg musste nicht nur an der Front gewonnen werden, sondern auch im zivilen Leben. Den Hunger zu bekämpfen war keine leichte Angelegenheit. Es wurden sogenannte Kriegskochbücher geschrieben, Rezepte auf Fahrkarten aufgedruckt und Ersatzlebensmittel zur Verfügung gestellt. Die Not machte erfinderisch: Brennnessel statt Spinat, Zichorienkaffee oder getrocknete Löwenzahnwurzeln statt Bohnenkaffee und Gerstenmehl statt Weizenmehl. So sollten die Frauen mit diesen – noch dazu meist qualitativ schlechten – Lebensmitteln Wunder wirken. Die Dokumentation begibt sich auf eine sehr spezielle kulinarische Reise und entdeckt fettfreie Ersatzsuppen, Gerstenbrot, Kriegskuchen und Kaffee ohne Kaffee.
Gerstenmehl, Brennesseln und Zichorien - Vom Essen in Kriegszeiten

ORF/Produktion West/Gerhard Mader

Sonja Müllner zupft Blätter für einen Brennesselspinat

Sonntag, 11. November, 18.25 Uhr, ORF 2
Österreich-Bild: Kaiser Karl – ein niederösterreichisches Leben
Eine Dokumentation von
Fritz Kalteis
Am 11. November 1918 verzichtet Kaiser Karl auf jeden Anteil an den Staats-geschäften, tags darauf wird in Österreich die Erste Republik ausgerufen. Karl und seine Familie ziehen sich zunächst nach Schloss Eckartsau im Marchfeld zurück, wenige Monate später erfolgt die Reise ins Exil – zuerst in die Schweiz, später nach Madeira. Auf den Tag genau 100 Jahre nach dem historischen Ereignis der Verzichtserklärung und dem Ende der Monarchie beleuchtet ein „Österreich-Bild“ aus dem Landesstudio Niederösterreich erstmals die Spuren des letzten Habsburger-Kaisers in Niederösterreich – von der Geburt in Schloss Persenbeug bis eben nach Eckartsau. Der TV-Film ist in Kooperation mit der ORF-Reihe „Universum History“ entstanden und erzählt in aufwendigen Spielszenen die dramatische Geschichte eines jungen Mannes, der nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph I. im November 1916 an die Macht kommt. Er muss versuchen, im bis dahin verheerendsten Krieg der Geschichte sein Reich vor dem Untergang zu bewahren.
"Universum History: Der Verrat des Kaisers": Ein modernes Power-Paar: Karl (Leopold Altenburg) und Zita (Daniela Golpashin) sind Partner auf Augenhöhe - auch in Sachen Politik.

ORF/meta film/Fritz Kalteis

Ein modernes Power-Paar: Karl (Leopold Altenburg) und Zita (Daniela Golpashin) sind Partner auf Augenhöhe - auch in Sachen Politik.

Sonntag, 11. November, 20.15 Uhr, ORF 2
ZiB Spezial: 1918 – Die Geburt der Republik
"ZIB Spezial: 1918 - Die Geburt der Republik": Tarek Leitner

ORF/Thomas Ramstorfer

Tarek Leitner

Moderator Tarek Leitner meldet sich aus einem Studio direkt vor dem Parlament, wo vor 100 Jahren die Republik proklamiert wurde. Studiogäste in der von Andreas Novak und Matthias Schmelzer konzipierten Sendung sind u. a. Hugo Portisch, Altbundespräsident Heinz Fischer und der Historiker Manfried Rauchensteiner.
Am 12. November 1918 wird vor dem Wiener Parlament die „Republik Deutschösterreich“ ausgerufen. Der Erste Weltkrieg ist zu Ende, die Habsburgermonarchie zerfallen. Es sind Tage der Freude und des Jubels, aber auch der Depression und des politischen Chaos. Diese Gegensätze zeichnet die „ZiB Spezial“ nach. Sie analysiert die Gründe des Zerfalls der Habsburgermonarchie, beschreibt die neue politische Weltordnung und die im Friedensvertrag von St. Germain festgelegten Landesgrenzen. In einer Live-Schaltung nach Paris wird von den großen Gedenkfeiern anlässlich des Sieges der Westalliierten über das deutsche Kaiserreich und die Doppelmonarchie berichtet. Schließlich werden auch die demokratisch-republikanischen Bausteine beschrieben, die damals geschaffen wurden, und ihre Bedeutung im Wandel der Jahrzehnte und für das Heute analysiert. mehr...
Barrierefrei - Logo Hörfilm und Untertitelung

ORF

„ZiB Spezial“ und Festakt zum 100-Jahr-Jubiläum der Republik umfassend barrierefrei im ORF
Die „ZiB Spezial: 1918 – Die Geburt der Republik“ wird am Sonntag, dem 11. November, um 20.15 Uhr in ORF 2 mit Untertiteln im ORF TELETEXT auf Seite 777 ausgestrahlt und zusätzlich auf ORF 2 Europe in Österreichischer Gebärdensprache gesendet werden. Auch die nachfolgende Dokumentation „Menschen & Mächte: Depression und Jubel“, um 21.05 Uhr in ORF 2 wird für das gehörlose und hörbeeinträchtigte Publikum mit Untertiteln ausgestrahlt.

Der „Staatsakt anlässlich der 100. Wiederkehr des Jahrestages der Gründung der Republik“ aus der Wiener Staatsoper am Montag, dem 12. November, von 11.00 bis 12.30 Uhr in ORF 2, wird komplett barrierefrei mit Untertiteln für hörbeeinträchtigte Menschen und Audiokommentar für das blinde und sehbeeinträchtigte Publikum übertragen. Darüber hinaus wird der Festakt auch live in die Österreichische Gebärdensprache übersetzt werden.
Sonntag, 11. November, 21.05 Uhr, ORF 2
Menschen & Mächte: „1918 – Depression und Jubel“
Eine Dokumentation von
Robert Gokl
„Mein Leben lang hätte ich nicht glaubt, dass ich 100 Jahre alt werde!“ – 1918 wurde Leopold Heissenberger auf einem niederösterreichischen Bauernhof geboren. 1918: Das war auch das „Geburtsjahr“ der Republik Österreich, besser gesagt der „Republik Deutschösterreich“, an deren langes Leben angesichts der Nachkriegsnot nicht viele glauben. Die alte Habsburgermonarchie war zerfallen, an ihre Stelle treten eine Reihe neuer Staaten. Robert Gokl sprach mit 100-jährigen Zeitzeugen in Österreich, Tschechien, Ungarn, Kroatien und Italien über ihre Kindheit und Jugend sowie die politischen wie privaten Zukunftshoffnungen nach 1918. Die „Menschen & Mächte“-Dokumentation zeigt in einem vielschichtigen und analytischen Epochen-Porträt, wie der Neubeginn nach dem Ersten Weltkrieg schließlich in neue Krisen, Bürgerkriege und einen zweiten Weltkrieg führte. In den Archiven der Nachfolgestaaten der Monarchie fand der Gestalter bisher unbekanntes Filmmaterial.
"Menschen & Mächte: Depression und Jubel": Leopold Heissenbergers Bauernhof in Zöbern, Niederösterreich

ORF/Familie Heissenberger

Leopold Heissenbergers Bauernhof in Zöbern, Niederösterreich

Claudia Reiterer blickt zurück: Auf bewegte und bewegende 100 Jahre. Aber auch nach vorn auf Chancen und Herausforderungen für die nächsten Jahrzehnte. mehr...
Im Mittelpunkt der ersten Folge steht der große Konflikt zwischen Tradition und Moderne: Während Europas Herrscher noch versuchen, die Zeit stillstehen zu lassen, schaffen die enorme Expansion der Industrie und das Leben in den rapide wachsenden Metropolen völlig neue Realitäten für Alltag, Politik, Kultur und Wissenschaft. Beindruckende Archivbilder und Interviews mit Fachleuten erwecken diese Zeit zu neuem Leben. Autor und Historiker Philipp Blom berichtet von wichtigen Ereignissen von Originalschauplätzen in ganz Europa. Zu seinen Gesprächspartnern gehören Historiker und Wissenschafter, aber auch Eduard Habsburg-Lothringen, ein direkter Nachfahre von Kaiser Franz Joseph, und Jekaterina Samuzewitsch von der Band „Pussy Riot“. Blom berichtet von einer Periode, in der sich die Welt innerhalb eines Jahrzehnts völlig veränderte, vom Niedergang des Adels bis zum Feminismus, von der abstrakten Kunst bis zur Quantenphysik. Immer wieder werden Parallelen zwischen damals und heute sichtbar. mehr...
"Der taumelnde Kontinent: Das neue Gesicht Europas": Suffragetten (organisierte Frauenrechtlerinnen)

ORF/Dor Film

Suffragetten (organisierte Frauenrechtlerinnen)

Im zweiten Teil konzentrieren sich Autor Philipp Blom und Regisseur Robert Neumüller auf die gewaltigen Auswirkungen der Veränderungen in den Jahren vor 1914 auf die Menschen jener Zeit. Die enorme Expansion der Industrie und das Leben in den großen Städten zwangen die Menschen dazu, sich neu zu erfinden. Kinos und Kaufhäuser, Fahrpläne und Fußballclubs, Werbung und die Faszination der Geschwindigkeit bestimmten von nun an das Leben von Millionen. Während Arbeiter nur langsam zu mehr Rechten und mehr Lohn kamen, war es für die Mittelklasse eine Zeit des Wohlstands. Ein Teil dieses Wohlstandes wurde auch durch die Ausbeutung der Kolonien erwirtschaftet. Philipp Blom berichtet auch über diese dunkle Seite der europäischen Erfolgsgeschichte, besonders den grausamen Massenmord im Kongo.
Die neuen gesellschaftlichen Realitäten forderten auch neue künstlerische Antworten. Pablo Picasso, Kasimir Malewitsch, Arnold Schönberg, Egon Schiele und Arthur Schnitzler gehörten zu den kreativen Geistern, die Kunst völlig neu definierten. Das 20. Jahrhundert war bereits in seiner noch heute gültigen Vielfalt geboren worden, als die Folgen der Schüsse von Sarajewo diese rasante gesellschaftliche Entwicklung unterbrachen und die Welt in eine ungeahnte Katastrophe stürzten.
"Der taumelnde Kontinent: Europas Traum und Wirklichkeit": Philipp Blom

ORF/Dor Film

Philipp Blom

Montag, 12. November, 11.00 Uhr, ORF 2
Live aus der Wiener Staatsoper: Staatsakt anlässlich der 100. Wiederkehr des Jahrestages der Gründung der Republik
Umrahmt von der Bundeshymne zu Beginn und dem Schlusschor aus Beethovens 9. Symphonie am Ende findet im feierlichen Rahmen der Wiener Staatsoper der Staatsakt anlässlich der 100. Wiederkehr des Jahrestages der Gründung der Republik statt. In ihren Ansprachen werden der Bundespräsident, der Bundeskanzler sowie der Präsident des Nationalrats auf die Geschichte und Entwicklung der Republik eingehen. Filmdokumentationen werden Erste und Zweite Republik in ihrer historischen Entwicklung darstellen und ein Film wird Österreich gestern, heute und morgen aus der Perspektive von Jugendlichen beleuchten. Festrednerin wird die Schriftstellerin Maja Haderlap sein.
Montag, 12. November, 20.15 Uhr, ORF 2
Die Millionenshow im Zeichen von „100 Jahre Republik“
Armin Assinger stellt den Kandidatinnen und Kandidaten unter dem Motto „100 Jahre Republik“ zahlreiche Fragen aus unterschiedlichen Lebenswelten der Österreicherinnen und Österreicher des vergangenen Jahrhunderts – von Politik über Sport und Unterhaltung bis hin zu Kultur und Zeitgeschichte. mehr...
Die Millionenshow (100 Jahre Republik)

ORF/Günther Pichlkostner

Armin Assinger

Montag, 12. November, 21.20 Uhr, ORF 2
Thema
Erni Mangold, Lotte Tobisch und Sepp Forcher erzählen anhand ihrer Biografien die Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Nach den erfolgreichen Projekten „Songbook – Klassisches Lied trifft Videoclip“, „New Shakespeare Songbook“ und „New European Songbook“ realisiert die EBU 2018 ganz im Zeichen des diesjährigen Gedenkjahrs eine Ausgabe rund um das Thema „Krieg und Frieden“.
Europäische Künstlerinnen und Künstler sind dazu aufgefordert, sich musikalisch mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Die zu den Songs neu entstandenen Videoclips werden gemeinsam mit Backgroundstorys und Interviews zu einer Dokumentation verflochten und zeugen einmal mehr von der Vielfalt der europäischen Musiklandschaft.
Für den österreichischen Beitrag konnte die Band Cari Cari mit ihrem Song „Dark Was the Night, Cold Was the Ground“ gewonnen werden.
"New European Songbook 2018 – War & Peace": Das österreichische Indie-Rock-Duo Cari Cari

ORF/Andreas Jakwerth

Das österreichische Indie-Rock-Duo Cari Cari

Mittwoch, 21. November, 22.30 Uhr, ORF 2
Menschen & Mächte: Viktoria Savs, die Soldatin des Kaisers
Eine Dokumentation von
Karin Duregger
Viktoria Savs, eine junge Frau als Mann verkleidet, kämpft im Ersten Weltkrieg an der Dolomitenfront, wird schwer verwundet, verliert ein Bein und kämpft nach Ende des Krieges um eine Beinprothese, die sie schließlich von Adolf Hitler geschenkt bekommt. In das nach Identität ringende, krisengeschüttelte republikanische Österreich der Zwischenkriegszeit vermag sich Viktoria Savs – wie viele andere auch – nur schwer einzugliedern. Während der NS-Zeit will sie ebenfalls als Soldatin in den Krieg ziehen, das jedoch verweigern die strengen und ideologisch klar definierten Geschlechterrollen im NS-Staat. So muss sie sich mit der Rolle einer Kasernen-Schreibkraft zufriedengeben. Parallel zur Porträthandlung werden die Rollen und Aufgaben der Frauen sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg abgehandelt. In der Zweiten Republik lebt Savs von einer kleinen Invalidenrente in einer Substandardwohnung in Salzburg, ist Stamm- und Stargast diverser Kameradschaftsbundtreffen und modelliert, von Zeitungen und Zeitschriften befördert, bis zu ihrem Tod 1979 an ihrem „soldatischen Heldenleben“. Viktoria Savs, ein ambivalentes Frauenleben, wie man im 20. Jahrhundert wohl nur wenige findet. Eigentlich eher ein Männerleben: Sie fühlt als Mann im Körper einer Frau, eine Transgender-Identität, eine tragische Persönlichkeit im falschen Körper.
"Menschen & Mächte: Viktoria Savs, die Kaisersoldatin": Reenactment Dreh mit der jungen Viktoria Savs (Verena Unterhofer) in den Dolomiten, rund um die Drei Zinnen.

ORF/Wega Film/Ammirafilm/Karin Duregger

Reenactment Dreh mit der jungen Viktoria Savs (Verena Unterhofer) in den Dolomiten, rund um die Drei Zinnen.

Die weiteren Folgen der „Universum History“-Reihe „Unser Österreich“

Unser Österreich: Steiermark - Verbunden über alle Grenzen

ORF/Epo Film/D. Erhart

Reenactment eines Partisanenüberfalls auf den Hof der Familie Tertinjek im Jahr 1944. Den Tertinjeks wurde unter Waffengewalt und der Androhung den Hof niederzubrennen ein Schwein gestohlen.

Donnerstag, 1. November, 21.15 Uhr, ORF 2
Steiermark – Verbunden über alle Grenzen / Štajerska – Povezani preko vseh meja
Eine Dokumentation von Gernot Lercher

Der Film richtet seinen Fokus auf das Grenzland zwischen der Südsteiermark und der (ehemaligen) Untersteiermark, die sogenannte „Štajerska“. Bis heute heißt sie so und ist nun ein Teil Sloweniens. Es ist ein besonderer Lebensraum, der seine „steirische“ Identität grenzüberschreitend gewahrt zu haben scheint. Und das, obwohl dramatische Ereignisse der Geschichte das Gegenteil forciert haben und sich die Region fast ein Jahrhundert lang in einem Zustand gefährlicher Spannung befunden hat. Nirgendwo lässt sich das besser sehen und spüren als auf dem Serschenhof. Das Gehöft und seine Grundflächen liegen exakt auf der Grenze zwischen Österreich und Slowenien – oder besser gesagt zwischen der Südsteiermark und der ehemaligen Untersteiermark. Familie Tertinjek ist mit diesem besonderen Flecken Erde seit Generationen eng verbunden. Genau genommen seit 1911, als die Untersteiermark noch Teil der k. u. k. Monarchie war. Die Menschen am Serschenhof standen immer wieder zwischen den Fronten. In den zwei Weltkriegen ebenso wie danach, an der scharfen Trennlinie zwischen dem demokratischen Österreich und dem totalitären kommunistischen Jugoslawien und schließlich während Sloweniens Kampf um Unabhängigkeit. Der Serschenhof war trotz aller Bedrohungen und Hindernisse stets ein Bindeglied zwischen den Regionen und Nationen. Selbst die Familiengeschichte ist eine völkerverbindende. Biserka Tertinjek wuchs in Jugoslawien auf, bevor sie sich in den südsteirischen Hans vom Serschenhof verliebte. Kaum jemand kann die turbulente Geschichte der Region besser schildern als die beiden, ihre Kinder und die 86-jährige Großmutter.

Eine Produktion der epo-film für den ORF, gefördert von BMBF, Zukunftsfonds der Republik Österreich und Land Steiermark
"Unser Österreich: Kärnten - Ein Jahrhundert unterm Mittagskogel": Stefan Ressmann auf seinem Tratnikhof in Ledenitzen – die nahen Karawanken tragen alle deutsche und slowenische Bezeichnungen.

ORF/Graf Film

Stefan Ressmann auf seinem Tratnikhof in Ledenitzen – die nahen Karawanken tragen alle deutsche und slowenische Bezeichnungen.

Donnerstag, 1. November, 22.05 Uhr, ORF 2
Kärnten: Ein Jahrhundert unterm Mittagskogel / Koroška: Stoletje pod Jepo
Eine Dokumentation von Robert Schabus, szenische Regie: Andrina Mračnikar

Im Mittelpunkt des Films steht die außergewöhnliche Geschichte der kärntnerisch-slowenischen Familie Ressmann aus Ledenitzen/Ledince. Menschen als Spielball der Großmächtepolitik – die Geschichte Kärntens im 20. Jahrhundert ist davon dramatisch geprägt. Inmitten eines Kulturraums, der italienische, slowenische und deutsche Einflüsse hat, die hier über Jahrhunderte zusammenflossen, sorgte der Nationalismus für Narben, die erst heute mit dem Verständnis für ein vielsprachiges Europa langsam verheilen. Der Hof der Familie Ressmann im Rosental liegt heute direkt an der Grenze zu Italien und Slowenien. Im Ersten Weltkrieg entstand hier die Front gegen Italien. Mit dem Ende der Monarchie lag ihr Hof in einem Gebiet, das vom SHS-Staat beansprucht wurde, letztendlich bei Österreich blieb. In der NS-Zeit erlebte die Familie, die slowenische Wurzeln hat, wie Ausgrenzung auch innerhalb von Grenzen zum Trauma wird. Ein Trauma, das sich erst ein halbes Jahrhundert danach auflöst.

Eine Koproduktion von ORF, Graf Film und BMBF, gefördert von Zukunftsfonds der Republik Österreich, Land Kärnten und Carinthia Film Commission
Universum History - Unser Österreich: Niederösterreich - Leben am Eisernen Vorhang

ORF/Kreativlösung Filmproduktions GmbH/Udo Müller

Tschechische Darsteller als tschechische Grenzsoldaten, die 1948 mit dem Bau eines Zaunes beginnen, der in weiterer Folge zum Eisernen Vorhang und damit zur fast unüberwindbaren Grenze wurde.

Donnerstag, 1. November, 22.50 Uhr, ORF 2
Niederösterreich – Leben am Eisernen Vorhang
Eine Dokumentation von Anita Lackenberger – u. a. mit Kristina Sprenger und Michael Walde-Berger

Mit dem Frieden von Saint-Germain wurde 1919 eine prosperierende Wirtschaftsregion geteilt: Südböhmen und das nördliche Waldviertel. Die neue Grenze, die nach dem Ersten Weltkrieg entstand, teilte sogar die Stadt Gmünd in einen tschechischen und einen österreichischen Teil. Während in der Ersten Republik die Grenze nicht richtig ernst genommen wurde und die alte Nachbarschaft weiter bestand, schuf die NS-Rassenpolitik eine Kluft zwischen Deutschen und Slawen. Die Revanche mit der Vertreibung der Sudetendeutschen sollte folgen. Familie Fürnsinn, deren Haus direkt an der Demarkationslinie stand, erlebte über fast ein Jahrhundert hinweg die dramatischen Veränderungen in ihrer Heimat Gmünd. Erst der Fall des Eisernen Vorhangs 1989, dann das Schengener Abkommen und der Beitritt der Tschechoslowakei zur EU sorgten für die Wiederbelebung von Beziehungen und Wirtschaft und eine langsame Normalisierung in den Beziehungen der Menschen.

Eine Produktion der Kreativ GmbH für den ORF, gefördert von BMBF, Zukunftsfonds der Republik Österreich und Land Niederösterreich
Unser Österreich: Oberösterreich - Im Bann von Krieg und Besatzung

ORF/e&a film/Heinz Laab

Nachstellung einer Szene aus Sommer 1964: die Familie Kohlberger mit Vater Ferdinand, Mutter Brigitte und den Kindern Wolfgang und Evelin geniessenden Sommer direkt an der Grenze zu CZ (Schwedenschanze), die Kinder spielen gefährlicherweise grenzübergreifend, der Vater Ferdinand Kohlberger (Dominic Marcus Singer) rennt den Kindern nach.

Freitag, 2. November, 22.35 Uhr, ORF 2
Oberösterreich – Im Bann von Krieg und Besatzung
Eine Dokumentation von Sabine Derflinger

Wenn es in Österreich eine Region gibt, die zur gleichen Zeit mit zwei elementaren Grenzziehungen konfrontiert ist, dann ist es das oberösterreichische Mühlviertel kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit der Besetzung durch die Rote Armee steht plötzlich seine Zugehörigkeit zu Oberösterreich und damit auch zu Österreich infrage. Viele fürchten, nun Teil eines anderen Staates zu werden. Das war schon einmal so, nach dem Ersten Weltkrieg, als die nördlichen Landesteile des einstigen Kronlands der Donaumonarchie an die Tschechoslowakei fielen. Möglich ist dieses Szenario auch deshalb, weil das Nachkriegsösterreich unter den Besatzungsmächten aufgeteilt ist. Diese Zonengrenzen sind in Oberösterreich besonders bedeutsam, hier grenzt die amerikanische an die sowjetische Zone – die westliche Welt an den Kommunismus. Das Mühlviertel als Teil der Sowjetzone ist damit im Brennpunkt der Weltpolitik – mitten im Kalten Krieg – und bedroht von der dauerhaften Okkupation durch die Rote Armee. Familie Kohlberger und ihre Vorfahren im Grenzort Freistadt haben diese Ereignisse hautnah miterlebt – vom Vielvölkerstaat der Habsburgermonarchie zum Existenzkampf der Ersten Republik, vom NS-Terror zur Sowjetbesatzung, vom Grenzland am Eisernen Vorhang zur modernen Europaregion. Sabine Derflingers Film macht begreifbar, warum die karge Landschaft des Mühlviertels für die Kohlbergers seit jeher Heimat und Identität bedeutet.

Eine Produktion von e&a film im Auftrag des ORF, gefördert von Kultur Land Oberösterreich, BMBF und Zukunftsfonds der Republik Österreich
Universum History - Unser Österreich: Salzburg - Ein Land für sich

ORF/Degn Film/Neumayr/Mike Vogl

Prominentes Trio: (v.l.n.r.) Abt Korbinis Birnbacher, Karl Merkatz als Abt Hauthaler und Fritz Egger als Franz Wagner

Freitag, 2. November, 23.20 Uhr, ORF 2
Salzburg – Ein Land für sich
Eine Dokumentation von Chris Weisz und Ernst Gossner (Spielszenen) – u. a. mit Karl Merkatz, Fritz Egger, Walter Sachers und Charly Rabanser

Eine glanzvolle Geschichte, eindrucksvolle Natur, fruchtbares Land, eine Hauptstadt voll Kultur – Salzburg hat seit jeher eine besondere Stellung im Herzen Europas. 1816 – vor 200 Jahren – kam es zu Österreich. Salzburg blickt auf mehr als 1.000 Jahre Geschichte als kirchliches Fürstentum zurück. Mehr als 500 Jahre war es zudem Teil Bayerns und gehörte damit länger zu unserem Nachbarland als zu Österreich. Salzburg hat eine ganz besondere Geschichte – es ist „ein Land für sich“, das stets versucht hat, seine Eigenständigkeit aus einer glanzvollen Vergangenheit in die Gegenwart zu transferieren. Kultur – mit dem Bezug auf Mozart – und Bauten – im Stil des 17. Jahrhunderts – sind ein wesentlicher Teil bei der Bewahrung dieser Identität. Im Mittelpunkt dieses „Universum History“-Doku-Dramas steht die Geschichte der Baumeisterfamilie Wagner – über fünf Generationen (Franz, Franz jr., Peter, Thomas und Lukas Wagner). Ursprünglich aus Oberösterreich, siedelte sie wegen eines Auftrags der Kirche nach Salzburg und arbeitete dort seit 1902 an zahlreichen Bauten und Renovierungen der Altstadt mit. Die Baumeisterfamilie Wagner hat das Gesicht der Bischofs- und Festspielstadt Salzburg über mehrere Generationen mitgestaltet und ihre Veränderungen erlebt – von einer scheinbar abgeschlossen Welt bis zu einem mondänen Zentrum Europas.

Eine Produktion der Degn-Film für den ORF, gefördert von BMBF, Land Salzburg und Zukunftsfonds der Republik Österreich
"Unser Österreich: Tirol - Geteilte Heimat": Carabinieri Einsatzwagen mit uniformierten Carabinieri. Im Vordergrund: Ricardo Angelini

ORF/Interspot Film/Bernhard Freindemetz

Carabinieri Einsatzwagen mit uniformierten Carabinieri. Im Vordergrund: Ricardo Angelini

Samstag, 3. November, 22.00 Uhr, ORF 2
Tirol – Geteilte Heimat
Eine Dokumentation von Georg Laich und Ernst Gossner (Spielszenen) – u. a. mit Julia Rosa Stöckl

Die Grenzziehung am Brenner, der Verlust Südtirols und die Abtrennung Osttirols vom verbliebenen Landesteil – nichts hat die Entwicklung Tirols im 20. Jahrhundert mehr geprägt. Die „Schandgrenze“ sorgte für innenpolitischen und außenpolitischen „Zündstoff“ – in den 1960er Jahren sogar wortwörtlich. Die Auseinandersetzung mit der Einheit Tirols führte aber auch zu neuen Impulsen. Wirtschaftlich wurden die Grenzen – pionierhaft durch die Landeshauptleute Eduard Wallnöfer und Silvius Magnago – überwunden. Resultat ist die heutige Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, in der sogar der Traditionsverband der Tiroler Schützen als Bannerträger für eine neue „geistige“ Landeseinheit auftritt. Erzählt wird diese Geschichte anhand der Erlebnisse der Familie Molling, heute in Innsbruck lebend, mit Wurzeln in Südtirol: Der Urgroßvater Alois war als ehemaliger Offizier der k. u. k. Armee Mitglied der österreichisch-italienischen Grenzziehungskommission 1919 und engagierte sich bei der Heimwehr gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Die Großmutter Herlinde Molling unterstützte wie ihr Mann Klaudius seit den späten 1950er Jahren den „Befreiungsausschuss Südtirol“ bei Sprengstoffanschlägen. Sogar als Schwangere schmuggelte sie Sprengstoff über die Grenze – eine Tatsache, mit der ihre Tochter Dominika, mittlerweile selbst Mutter, bis heute hadert und sich die Frage stellt, ob eine Landesteilung die Gefährdung des eigenen Lebens und das seines ungeborenen Kindes wert ist.

Eine Produktion der Interspot Film für den ORF, gefördert von BMBF, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Cine Tirol und Land Tirol
"Universum History: Unser Österreich: Vorarlberg - Tor zum Westen": Friedrich Juen in "Universum History Vorarlberg - Tor zum Westen".

ORF/Bilgeri Film Productions/Thomas Ilg

Friedrich Juen in "Universum History Vorarlberg - Tor zum Westen".

Samstag, 3. November, 22.45 Uhr, ORF 2
Vorarlberg – Tor zum Westen
Eine Dokumentation von Markus Barnay und Reinhold Bilgeri

Der Film begleitet eine Familie, die das harte Leben in den alpinen Gebirgsregionen gleichermaßen repräsentiert wie den Wandel der Lebensumstände entlang der Grenze. Die Brüder Meinrad und Wilhelm Juen und ihre Schwester Ludwina wuchsen auf einem Bergbauernhof im Montafon auf – und benötigten, so wie die meisten ihrer Landsleute, neben der eigenen Landwirtschaft zusätzliche Einnahmequellen zum Überleben. Bevor der Tourismus im Lauf des 20. Jahrhunderts auch das Montafon erreichte, waren viele Menschen gezwungen, saisonweise auszuwandern und in der Fremde zu arbeiten, andere verlegten sich – so wie die Juen-Brüder – auf Tätigkeiten, die zwar illegal, aber doch weit verbreitet waren: Schmuggeln, Schwarzschlachten oder Wildern. Spätestens mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch das nationalsozialistische Regime wurde die Grenze zur Schweiz zum „Tor zur Freiheit“. Die erfahrenen Schmuggler betätigten sich nun auch als Fluchthelfer, die vielen Menschen das Leben retteten. Meinrad Juen ging jedenfalls ein hohes Risiko ein: 1943 wurde er verhaftet, konnte aber fliehen und versteckte sich bis zum Kriegsende vor den Behörden. Weil sie sich dafür bezahlen ließen, wurde ihnen auch nach dem Krieg lange die Anerkennung verweigert. Auch die Nachkommen der Brüder Juen mussten im Spannungsfeld zwischen lebensrettender Fluchthilfe und bezahlten Schlepperdiensten eine Position finden.

Eine Produktion von Bilgeri Film Productions GmbH für den ORF, gefördert von BMBF, Zukunftsfonds der Republik Österreich und Land Vorarlberg


100 Jahre Republik – 100 Mal Programm: ORF-III-Programmreigen zum Jubiläum Österreichs

ORF III lässt die Republik Österreich hochleben und widmet ihr zum 100. Geburtstag einen fast dreiwöchigen Programmschwerpunkt mit rund 100 Sendungen über die Geschichte des Landes – ein Fünftel davon neu produziert. Neben dem Dokuvierteiler „Auf den Spuren der Republik“ warten neue Ausgaben des „zeit.geschichte“-Formats „Baumeister der Republik“, eine Reportage mit Gedanken der Spitzenrepräsentanten Österreichs zum Jubiläum, Live-Übertragungen offizieller Gedenkakte, ein Friedenskonzert der Wiener Philharmoniker aus Versailles und vieles mehr.
Nach dem bereits gesendeten „Festakt der Bundesländer zum Republiksjubiläum“ am 4. Oktober bildet seit Samstag, dem 20. Oktober, eine ORF-III-„Nationalfeiertagswoche“ den offiziellen ORF-III-Schwerpunktauftakt. Zu sehen gibt es u. a. zahlreiche Dokumentationen über die historische Entwicklung der Republik sowie österreichische Filmklassiker. Außerdem wurde am Sonntag, dem 21. Oktober, unter dem Titel „Tage der Entscheidung – Die Gründung der Republik 1918“ in „ORF III LIVE“ ein Gedenkakt aus dem Palais Niederösterreich übertragen.
Ab dem Nationalfeiertag stehen drei Wochenenden und weitere Programmtage ganz im Zeichen von „100 Jahre Republik“. Insgesamt begleiten mehr als 100 Sendungen in ORF III das runde Jubiläum.
"Auf den Spuren der Republik: 1966 - 1989 (3/4)": Heinz Fischer in der Kreisky Villa

ORF/Pammer Film

Heinz Fischer in der Kreisky Villa

Freitag, 26., bis Sonntag, 28. Oktober

ORF III startet seinen Republiksschwerpunkt am Nationalfeiertag mit der Doku „Der Wiener Stephansdom – die Wiedergeburt eines Wahrzeichens“ (9.40 Uhr), danach folgen weitere Dokureihen wie der Zweiteiler „Österreich in Farbe“ (ab 13.15 Uhr) und der Sechsteiler „Wie wir wurden. Was wir sind – Generation Österreich“ (ab 14.45 Uhr). Im Hauptabend sind die ersten beiden Filme der Neuproduktion „Auf den Spuren der Republik“ (ab 20.15 Uhr) mit Heinz Fischer zu sehen.

Am Samstag bringt ORF III vier neue Produktionen, beginnend mit „Österreichs Soldaten – Weltweit im Einsatz“ (19.25 Uhr) von Walter Seledec. Der Film begibt sich auf die Spuren des österreichischen Bundesheers und beginnt seine Erkundungen in der Zeit der Monarchie, als sich bereits die k. u. k. Truppen am internationalen Geschehen beteiligten. Im Hauptabend folgen Teil drei und vier von „Auf den Spuren der Republik“ – danach ist die neue ORF-III-Doku „Im Dreieck der Macht“ (21.50 Uhr) von Iris Haschek über das Machtverhältnis zwischen den obersten Repräsentanten von Wiener Rathaus, Bundeskanzleramt und Leopoldinischem Trakt der Wiener Hofburg zu sehen.

Am Sonntag zeigt ORF III ab 12.05 Uhr alle vier „Bockerer“-Filme mit Karl Merkatz in der Titelrolle.
Baumeister der Republik - Michael und Marianne Hainisch

ORF/ORFIII

Michael und Marianne Hainisch

Samstag/Sonntag, 3./4. November

An beiden Tagen widmet sich ORF III ab ca. 11.30 Uhr in „zeit.geschichte spezial“ in zahlreichen Ausgaben der Reihe „Baumeister der Republik“ Österreichs Historie. Außerdem stehen im Samstag-Vorabend die neue Dokumentation „Der lange Weg zum ‚Haus der Geschichte‘“ (17.45 Uhr) und die anschließende Diskussion „100 Jahre Republik – Was haben wir aus der Geschichte gelernt?“ (18.35 Uhr) unter der Leitung von Andreas Pfeifer aus dem neuen „Haus der Geschichte“ auf dem Programm. Zu Gast sind Bundespräsident a.D. Heinz Fischer, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Historiker Lothar Höbelt und Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi. Um 21.55 Uhr folgt eine neue Ausgabe „Baumeister der Republik“ über Wilhelm Miklas – jenen „Kompromisskandidaten“, der 1928 als christlich-sozialer Politiker vom Parlament zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt wurde und bis zum Untergang der Ersten Republik 1938 im Amt blieb.

Am Sonntag porträtieren zwei weitere neue Folgen der „Baumeister der Republik“ bedeutende Persönlichkeiten der Republiksgeschichte: „Rosa Jochmann“ (23.00 Uhr), die sogenannte „ewige Sozialistin“, deren Widerstand gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Nazi-Terror ihr Leben bestimmte; danach „Michael und Marianne Hainisch“ (23.45 Uhr), das ungewöhnliche Mutter-Sohn Gespann – sie Leitfigur der Frauenbewegung in Österreich, er späterer Bundespräsident in den Gründungsjahren der Ersten Republik.
Freitag, 9., bis Sonntag, 11. November
Auch „Der Österreichische Film“ am Freitag widmet sich dem Republiksjubiläum und zeigt die Produktionen „Der brave Soldat Schwejk“ (20.15 Uhr) mit Heinz Rühmann, weiters „Clarissa – Tränen der Zärtlichkeit“ (21.55 Uhr) und „Der stille Berg“ (23.25 Uhr).
"Der brave Soldat Schwejk": Heinz Rühmann (Schwejk), Franz Muxeneder (Woditschka)

ORF/CCC Film

Heinz Rühmann (Schwejk), Franz Muxeneder (Woditschka)

Am Samstag beschäftigen sich bereits ab 12.20 Uhr neun Ausgaben „zeit.geschichte spezial“ mit der Geschichte Österreichs, darunter die Dokuzweiteiler „Die Tunnel des Ersten Weltkriegs“ (ab 14.05 Uhr) und „Die Schlacht in den Alpen“ (ab 17.35 Uhr). Um 20.00 Uhr folgt die ORF-III-Neuproduktion „Gedanken zu ‚100 Jahre Republik‘“. Zu Wort kommen u. a. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Heinz-Christian Strache, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Kanzleramtsminister Gernot Blümel, Außenministerin Karin Kneissl und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.
Im Hauptabend ist der Dokuzweiteiler „Krieg vor der Haustür“ über „Tirol im 1. Weltkrieg“ (20.15 Uhr) und das „Frontland Kärnten“ (21.00 Uhr) zu sehen.
"Krieg vor der Haustür - Frontland Kärnten": Kaiser Karl auf Truppenbesuch mit Oberjäger Josef Haberl

ORF/ORF K/ÖNB

Kaiser Karl auf Truppenbesuch mit Oberjäger Josef Haberl

Der Abend schließt mit der Dokumentation „Die Schlacht von Verdun“ (21.50 Uhr).
Der Sonntag startet ab 9.00 Uhr mit den Dakapos „Gedanken zu ‚100 Jahre Republik‘“ (9.00 Uhr), „Clarissa – Tränen der Zärtlichkeit“ (9.15 Uhr) und „Der brave Soldat Schwejk“ (10.40 Uhr). Ab 12.15 Uhr folgen zehn themenaffine Dokumentationen in „zeit.geschichte spezial“. Im Hauptabend ist ein weiteres Highlight in „Erlebnis Bühne mit Barbara Rett“ zu sehen: das „Friedenskonzert der Wiener Philharmoniker aus Versailles“ (20.15 Uhr). Die musikalische Leitung des im geschichtsträchtigen Schloss von Versailles stattfindenden Konzerts in Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs übernimmt Franz Welser-Möst. Der musikalische Bogen spannt sich von Wolfgang Amadeus Mozart bis Charles Ives. Als Solisten sind Elsa Dreisig, Ekaterina Gubanova, Daniel Behle und Ryan Speedo Green zu erleben.


Ö1-Schwerpunkt „100 Jahre Republik“

Ö1 Logo neu (2017)

ORF

Alle Sendungen im Detail sind abrufbar unter oe1.ORF.at/100jahrerepublik
Von „Logos“ über die „Matinee“ oder ein „Radiokolleg Spezial“ bis zu „Dimensionen“ – im Rahmen des Ö1-Schwerpunktes „100 Jahre Republik“ stehen mehrere Sendungen und Reihen ganz im Zeichen des Jubiläums.
Am Donnerstag, dem 8. November, setzen sich die „Dimensionen“ (19.05 Uhr) unter dem Titel „Die Wiener Hofburg seit 1918: Von der Residenz zum Museumsquartier“ mit deren Geschichte auseinander.
Unter dem Titel „Was glauben Sie?“ spricht Johannes Kaup mit dem Religionssoziologen Paul Michael Zulehner in „Logos“ am Samstag, dem 10. November, ab 19.05 Uhr über Religion und Glauben in einer pluralistisch gewordenen Gesellschaft. 1918 war auch das Scheidungsjahr einer jahrhundertealten Verbindung von Thron und Altar, ein Prozess, der sich bis zum sogenannten „Anschluss“ Österreichs im Jahr 1938 gezogen hat. Die Vormachtstellung der römisch-katholischen Kirche, die als Hausreligion der Habsburger eine De-facto-Staatsreligion gewesen war, ging zu Ende. Geblieben ist ein völkerrechtlicher Vertrag: das unter Dollfuß verhandelte Konkordat mit dem Heiligen Stuhl von 1933. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte ein Prozess der Enttraditionalisierung und distanzierter Kirchlichkeit, die der Wiener Pastoraltheologe und Religionssoziologe Paul Michael Zulehner in zahlreichen seiner Publikationen beschreibt. Die Religion der Tradition wird im gesellschaftlich säkularen Umfeld zu einer Religion der Wahl, mit allen gesellschaftlichen Folgen vom Wertewandel bis hin zu diversen Kirchenaustrittswellen.
„Lebenskunst – Begegnungen am Sonntagmorgen“ (7.05 Uhr) setzt sich am Sonntag, dem 11. November, mit dem „Kardinal des Umbruchs“ Friedrich Gustav Piffl und der Gründung der Republik 1918 auseinander. Er war der letzte Erzbischof von Wien, der noch vom Kaiser ernannt worden war – und er war ein besonders volkstümlicher und populärer Oberhirte: Im November 1918 hatte dann Kardinal Friedrich Gustav Piffl ganz maßgeblich den Kurs der römisch-katholischen Kirche aus dem seit Jahrhunderten schützenden Bündnis von „Thron und Altar“ in die neue Republik mitzubestimmen.
„Aufbruch in die Zukunft. 1918 und heute“ lautet der Titel der „Matinee“, die am Sonntag, dem 11. November, ab 11.03 Uhr live aus dem Burgtheater übertragen wird. Zum 100. Republiksjubiläum veranstalten das Burgtheater, das Haus der Geschichte Österreichs, das Institut für Zeitgeschichte an der Akademie der Wissenschaften und jenes an der Universität Wien gemeinsam mit Radio Österreich 1 eine Matinee, die einen neuen Blick auf die Ereignisse des Jahres 1918 wirft. Die Gründung der Republik beendete nicht nur den imperialen Feudalismus, sondern verwandelte Restösterreich auch in eine parlamentarische Demokratie. Außerdem brachte sie das Frauenwahlrecht und eine Verfassung, die allen Menschen gleiche Rechte und Pflichten garantiert. Jahrelange politische und intellektuelle Anstrengungen waren der Ausrufung vorangegangen. Texte von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, die von Mitgliedern des Burgtheaterensembles vorgetragen werden, sowie eine Diskussionsrunde erörtern die Herausforderungen, denen sich die junge Republik zu stellen hatte, die großen sozialpolitischen Erfolge, den Absturz in den Faschismus und das Aufblühen der Zweiten Republik und spannen einen Bogen in Gegenwart und Zukunft. Unter der Leitung von Renata Schmidtkunz diskutieren die Direktorin des Hauses der Geschichte Österreichs, Monika Sommer, die Journalistin Anna Thalhammer, die Rechtsphilosophin Elisabeth Holzleithner, der Wirtschaftshistoriker Andreas Novy und der Zeithistoriker Oliver Rathkolb.
Der Literatur- und Kulturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk spricht in den „Gedanken für den Tag“ über „Die vielen Gesichter der Gerechtigkeit“ – von Montag, dem 12., bis Samstag, den 17. November, jeweils um 6.56 Uhr in Ö1.
Das „Radiokolleg Spezial ‚1918‘“ setzt sich in vier einstündigen Sendungen mit der „Anatomie einer Zeitwende“ auseinander – von Montag, dem 12., bis Donnerstag, den 15. November, jeweils um 9.05 Uhr in Ö1. Die Sendungsgestalter Günter Kaindlstorfer, Tanja Malle, Sabine Nikolay, Wolfgang Ritschl und Peter Zimmermann beschäftigen sich im ersten Teil mit der Vorgeschichte der Ersten Republik und der Suche nach einem neuen Selbstverständnis. Der zweite Teil zeichnet nach, was ab 1918 rund um „Deutschösterreich“ passiert, im dritten Teil wird geschildert, wie sich eine erschütterte Gesellschaft neu aufstellt, und der vierte Teil skizziert den Kollaps der Wirtschaft und fragt nach, welche Lehren sich aus den Anfangsjahren der Ersten Republik ziehen lassen. Zu hören sind auch zeithistorische Originaltöne.
„Epochenende. Ein Imperium zerfällt“ ist Thema am Montag, dem 12. November. Die Erste Republik trägt zunächst einen ungewöhnlichen Namen: Deutschösterreich. Noch am Gründungstag, dem 12. November 1918, beschließt die Provisorische Nationalversammlung, dass der neue Staat ein Teil der drei Tage zuvor ausgerufenen deutschen Republik sei. Der Aufbau des neuen Österreich gestaltet sich chaotisch: Eine Zeit lang existieren parallele Behörden und Strukturen: alte, aus der Zeit der Doppelmonarchie, und neue, nationalstaatliche. Unruhe und Orientierungslosigkeit herrschen vor. Doch nicht nur Zuständigkeiten sind ungeklärt. Auch die neuen Grenzen des jungen Nationalstaates sind umstritten, das gilt für Tirol, für Kärnten und für das Burgenland. Der Verlust Südtirols, seine Angliederung an Italien, schmerzt und wird jahrzehntelang nicht überwunden werden. In Kärnten erheben Truppen des neuen Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen Anspruch auf Teile des Bundeslandes, es beginnen bewaffnete Auseinandersetzungen. Die Erinnerung daran spielt in Kärnten auch heute noch eine tagespolitisch aktuelle Rolle. Im Studiogespräch erklärt die Historikerin Verena Moritz die Gründe für das Ende der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die territoriale Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg und spricht über die Schwierigkeiten beim Start der Demokratie. Wie schwierig Österreich eine Neupositionierung fällt, verdeutlicht unter anderem, dass bis zum Jahr 1933 gleich drei Hymnen in Umlauf sind. Die Erste Republik wird von vielen als Rumpfstaat betrachtet, als Staat, den niemand will. Österreich sucht nach einem neuen Selbstbild in der Literatur und in der Politik. Das soeben untergegangene Habsburgerreich wird wieder aufgewertet, eine tragende Rolle spielt außerdem der Katholizismus. Andere Bevölkerungsgruppen träumen von der Revolution – wenn auch nur kurz. Denn während nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in weiten Teilen Europas revolutionäre Bewegungen aufflammen, setzen sich in der Ersten Republik die Kräfte der Restauration durch.
Am Dienstag, dem 13. November, beschäftigt sich das „Radiokolleg“ mit „Trennungslinien. Die jungen Nationalstaaten straucheln“. Unruhe herrscht in Europa in den Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs – das gilt besonders für die Nachbarschaft der Ersten Republik: Ungarn, Italien und Jugoslawien. Aber auch für Polen. Und während in Italien Mussolinis Faschisten an die Macht drängen und in Rumänien die nicht minder faschistische „Eiserne Garde“ Aufwind bekommt, etablieren sich in den Nachfolgestaaten der k. u. k. Doppelmonarchie autoritäre Regierungen. Nur die Tschechoslowakei bleibt demokratisch und gilt eine Zeitlang als demokratischer Vorzeigestaat, schildert Günter Kaindlstorfer. Sabine Nikolay erklärt Entstehung und Folgen des Versailler Vertrags, der im Mai 1919 nahe Paris unterzeichnet wird. Mit ihm endet der Erste Weltkrieg auch völkerrechtlich. Gleichzeitig wird damit der Völkerbund gegründet. Die neuen Staatsgrenzen Österreichs werden erst im September 1919 mit dem Vertrag von St. Germain festgelegt. Inhalt und Umstände der Errichtung dieser beiden Verträge werden oft als Auslöser für die politischen Entwicklungen der Folgejahre und das Aufkommen des Faschismus gesehen. „Der wahre Völkerkerker waren die Nationalstaaten“, sagt dazu der Historiker Pieter Judson im Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl. Die beiden reden über vermeintliche nationale Gegensätze und die Klassenfrage sowie über die Situation der Minderheiten bzw. Volksgruppen in den neuen Nationalstaaten. Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland folgt auf das Kaiserreich die Republik – allerdings ohne territoriale Zersplitterung. In München und Berlin blüht die Moderne kurz auf. Doch gleichzeitig kämpfen verschiedene Gruppen um die Neuausrichtung der Politik und bilden paramilitärische Einheiten. Der Einfluss der russischen Revolution und Lenins radikale Reformen beflügeln linke sowie rechte Parteien. Ein politisches Experiment, die in München ausgerufene sozialistische Räterepublik, endet innerhalb weniger Monate im Blutbad. Die Situation in Deutschland nimmt Peter Zimmermann in den Blick. Und Tanja Malle erzählt, wie Wien einmal mehr zum Ziel- und Ausgangsort von Zu- und Abwanderung wird. Die Hauptstadt zieht viele deutschsprachige Jüdinnen und Juden aus den Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns an. Das gilt auch für die Universitäten, wo der Antisemitismus dadurch noch virulenter wird. Sie sind damals Hochburgen des Judenhasses. Bereits Anfang der 1920er Jahre erlässt die Wiener Technische Hochschule, die heutige TU Wien, den ersten antisemitischen Numerus Clausus im gesamten deutschen Sprachraum.
„Weichenstellung. Die Gesellschaft erfindet sich neu“ ist Thema am Mittwoch, dem 14. November. Ab 1914 ziehen Zehntausende Soldaten für Kaiser und Vaterland ins Feld, ab 1918 kehren jene, die überlebt haben, in ein unbekanntes Land zurück: die Erste Republik. Der neue Staat ist wirtschaftlich nicht in der Lage, den ehemaligen Soldaten Arbeitsplätze und Perspektiven zu geben, zeichnet Peter Zimmermann nach. Die Versorgung der vielen traumatisierten und körperlich versehrten Personen ist schlecht. Allein die Literatur gibt der Figur des Kriegsheimkehrers eine Heimat. Als literarische Figur steht er für die Verlorenheit des Einzelnen nach dem Zusammenbruch des „Goldenen Zeitalters der Sicherheit“, wie Stefan Zweig die Jahre vor 1914 charakterisiert hat. Im Studio spricht Wolfgang Ritschl mit Historikerin Verena Pawlowsky und Historiker Harald Wendelin über die Anfänge des Sozialstaates in Österreich. Die Grundlage für das Gespräch ist ihr Buch „Die Wunden des Staates. Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938“. Denn aus der Frage, was der Staat mit den versehrten, den psychisch kranken, den verwaisten Menschen, die nach dem Ende des Krieges auf sich alleine gestellt sind, tun soll, entwickelt sich der Wohlfahrtsstaat. Das 1919 verabschiedete österreichische Invalidenentschädigungsgesetz war zu seiner Zeit europaweit einzigartig. In ihren Anfangsjahren stellt die Erste Republik aber nicht nur die Weichen für den Sozialstaat, sondern verhandelt zahlreiche politische und wirtschaftliche Fragen neu, schildert Tanja Malle. Zwei gegensätzliche Entwürfe sind bis heute spürbar. Das rote Wien gegen die schwarzen Bundesländer. Günter Kaindlstorfer und Sabine Nikolay schildern in ihren Beiträgen, welche Folgen der Schock des Ersten Weltkriegs auf die Kultur hat. Zum einen bringen die Roaring Twenties einen rasanten Aufstieg der Massenkultur. Die Menschen suchen Zerstreuung in Kinos und Kabaretts, der Jazz erobert – von den USA ausgehend – die Welt. Und das neuerfundene Massenmedium Radio verändert die Hörgewohnheiten. Zum anderen spiegeln Musik und Kunst die fundamentalen Entdeckungen innerhalb der Naturwissenschaften wider. Kunst beginnt, sich kritisch mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Das einsame Künstlergenie ist passé, Künstlergruppen überschreiten Genregrenzen.
„Vorboten. Auf dem Weg in die nächste Krise“ lautet der Titel am Donnerstag, dem 15. November. Die Anfangsjahre der Ersten Republik prägt Mangel. Denn die wichtigsten Industriestandorte und die produktivsten landwirtschaftlichen Betriebe befinden sich nunmehr außerhalb von Österreich. Die Folgen: geringere Staatseinnahmen, hohe Arbeitslosigkeit, das Fehlen von Nahrungsmitteln und Kohle, Wohnungsnot. Verelendung und bitterste Armut prägten den Alltag der Menschen. Dazu kommt die galoppierende Geldentwertung. 1922 erreicht die Inflation sagenhafte 1.700 Prozent. Ein rigider Sparkurs, eine Währungsreform und ein Notkredit durch den Völkerbund stabilisieren die Finanzlage Österreichs ab 1923, beschreibt Günter Kaindlstorfer. Und Tanja Malle ergänzt, wie Österreich damit klarzukommen versucht, dass sich sein Wirtschaftssystem völlig ändert. Denn die Doppelmonarchie bildete eine Freihandelszone ohne Zollgrenzen, mit einer Währung und einer einheitlichen Rechtsgrundlage. Das war die Basis für den Handel mit Waren und Dienstleistungen. 1918 endet diese Union. Österreich ist zunächst der einzige Nachfolgestaat der Monarchie, der seine Grenzen offen hält, die übrigen Länder setzten auf Protektionismus. Viele leben in der Ersten Republik im Elend. Wenige kommen zu sagenhaftem Reichtum. Nämlich durch den Spekulationsboom an der Wiener Börse im Jahr 1919. Zwei Männern mit großem Glück spürt Peter Zimmermann in seinem Beitrag nach. Camillo Castiglioni und Sigmund Bosel werden durch Spekulationen reich und zelebrieren den Luxus, den ökonomisch und politisch äußerst prekären Verhältnissen zum Trotz. Denn obwohl die finanzielle Situation Österreichs etwas stabilisiert werden konnte, steigt die Arbeitslosigkeit weiter – ein Vorbote der späteren Weltwirtschaftskrise. Damit ist der Weg in die Diktatur geebnet. Sabine Nikolay geht in ihrem Beitrag der Frage nach, welche Zukunftsperspektiven und gesellschaftlichen Utopien die neuen europäischen Gesellschaften angesichts von politischen und wirtschaftlichen Krisen entwickeln: von der „Zurück zur Natur“-Bewegung über planwirtschaftliche Vorstellungen bis zum Kommunismus und Faschismus. Eine der frühen warnenden Stimmen war die österreichische Autorin und Aktivistin Irene Harand. Sie tritt sehr früh entschieden gegen Antisemitismus und Faschismus auf. Ihr hat der Politologe Anton Pelinka sein Buch „Die gescheiterte Republik. Kultur und Politik in Österreich 1918–1938“ gewidmet. Im Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl analysiert er, welche Lehren sich aus dem Aufbau der Ersten Republik und aus den Fehlern ihrer Architekten ziehen lassen.
Die letzte Ausgabe der Ö1-Reihe „Hundert Häuser“ widmet sich am Montag, dem 12. November, um 17.25 Uhr der Österreichischen Nationalbank.
Der Historiker Hannes Leidinger vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien setzt sich mit dem „Untergang der Habsburger Monarchie“ auseinander – in „Betrifft: Geschichte“ von Montag, dem 12., bis Freitag, den 16. November, jeweils um 17.55 Uhr in Ö1.
„Wie vor 100 Jahren die Weichen für das 20. Jahrhundert gestellt wurden“ ist Thema der „Dimensionen“ am Donnerstag, dem 15. November, ab 19.05 Uhr. Tanja Malle berichtet über eine Tagung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die sich der „Zeitenschwelle 1918“ und deren Langzeitfolgen widmet.


Umfangreiche Specials auf ORF.at, ORF-TVthek und im ORF TELETEXT

„Vollformat“-Story auf ORF.at
ORF.at begleitet das Gedenkjahr „100 Jahre Republik Österreich“ mit einem „Vollformat“ – einer multimedial aufbereiteten Geschichte über die Ereignisse rund um das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie bzw. der Gründung der Republik Österreich, wo auch historische Beiträge, Audio- und Videomaterial integriert werden. In einem historischen Kalendarium werden zudem täglich die wichtigsten Etappen der Auflösung der Monarchie bis hin zur Ausrufung der Republik am 12. November 1918 dargestellt. Darüber hinaus wird ORF.at im Rahmen seiner Berichterstattung große Themenfeatures anbieten – vom „Waffenstillstand“ bis hin zum „Frauenwahlrecht“. science.ORF.at wird ebenso redaktionelle Themenschwerpunkte bereitstellen.

„ORF-TVthek goes school“-Videoarchiv „Die Geschichte der Ersten Republik“

Mit dem eigens zusammengestellten Videoarchiv „Die Geschichte der Republik Österreich“ widmet sich auch die ORF-TVthek dem Gedenkjahr. Inhaltlich erinnern Beiträge und Dokumentationen u. a. an zentrale Ereignisse wie etwa die Februarkämpfe 1934 oder den Justizpalastbrand, aber auch an historische Persönlichkeiten wie Engelbert Dollfuß und Ernst Rüdiger Starhemberg. Das neue Archiv ist ab 23. Oktober 2018 online und wird laufend ergänzt. Es ist Teil der Reihe „ORF-TVthek goes school“, die thematisch ausgewählte Sendungen und Beiträge des ORF-Archivs zu zeit- und kulturhistorischen Online-Videoarchiven zusammenstellt, die u. a. auch für die Integration in den Unterricht geeignet sind. Das Archiv „Die Geschichte der Ersten Republik“ ist gemeinsam mit allen weiteren ORF-TVthek-Archiven auf http://TVthek.ORF.at/archive nicht nur österreichweit uneingeschränkt und unbefristet verfügbar, sondern auch weltweit (mit Ausnahme einiger Beiträge, für die keine entsprechenden Lizenzrechte vorliegen) zugänglich.
ORF TELETEXT
Im Rahmen einer ausführlichen und begleitenden Berichterstattung informiert auch der ORF TELETEXT über die Ereignisse rund um die Gründung der Republik Österreich. Außerdem wird ausführlich über Gedenkakte und Veranstaltungen rund um das Gedenkjahr 2018 berichtet.
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