Zecken-Check

Einmal in der Woche verlegen die Schüler der Landwirtschaftschule Elixhausen ihren Biologieunterricht in den nahen Wald. Denn geforscht wird hier am lebenden Objekt. Und das ist klein, blutrünstig und muss erst noch gefangen werden: Zecken. Um nicht selbst zum Blutspender zu werden, wird jeder Zentimeter Haut sorgfältig versteckt. Zecken sind zwar blind, erkennen ihre Opfer aber am Schweißgeruch und der Körperwärme. Erst dann "beißen" sie zu.

Gefangen werden die achtbeinigen Spinnentiere mit Hilfe von benutzten Leinentüchern.
Zecken fallen entgegen der landläufigen Meinung nicht von Bäumen. Sie brauchen Feuchtigkeit zum Überleben und klettern daher nie höher als anderthalb Meter über den Boden. Haben sie einen herannahenden Warmblüter wahrgenommen, geht alles blitzschnell: festklammern und Blut saugen.

Zecken übertragen gefährliche Krankheiten wie FSME und Borreliose. Um herauszufinden wie viele Tiere pro qm2 Wald infiziert sind, fangen die Jungforscher jede Woche mehrere hundert Blutsauger. Penibel wird jeder Fundort kartiert. Dadurch können sie im kommenden Jahr feststellen, ob und wie stark sich die krankmachenden Tiere vermehrt haben. Zunehmende Erkrankungen sind zwar ein erstes Anzeichen, aber auch das Wetter muss mitberücksichtigt werden. Denn höhere Temperaturen locken mehr potentielle Zeckenopfer in den Wald. Ob die Zahl der infizierten Tiere tatsächlich zunimmt sollen die Labortests zeigen.

Auch Werner Johansson widmet sich der Erforschung der blutrünstigen Krabbler - allerdings auf andere Weise. Der Hobbyforscher stellt ihre Widerstandsfähigkeit auf eine harte Probe. Dafür taucht er die Zecken für zwei Stunden in kleine Wasserröhrchen. Das Ergebnis ist verblüffend: die feuchtigkeitsliebenden Tiere überleben diese Tortur.

Nächster Schritt im Härtetest sind Schnee und Eis. Dazu simuliert der Schwede einen kalten Wintertag. Statt Schneeflocken und Minusgrade gibt’s ein Wattebett auf Eis. Gut zugedeckt landen sie bei minus achtzehn Grad für eine Stunde im Tiefkühlfach.

Werner Johansson will damit beweisen, dass sich die Minivampire ausschließlich nach ihrer Umgebungstemperatur und nicht wie immer angenommen nach dem Kalender richten. Fällt das Thermometer unter zehn Grad verfallen die Zecken zwar in eine Starre, doch schon ein wärmerer Wintertag reicht aus, um die Plagegeister aktiv werden zu lassen. In unserem Fall tut’s auch Werner Johansson heißer Atem. Sein Resümee: Zeckenstiche im Winter sind zwar selten, aber nicht ausgeschlossen.

Werner Johansson, Zeckenforscher: "Es ist eindeutig so, dass Zecken in Tiernestern überwintern wo es warm ist. Und unterm Schnee ist es warm wenn die Sonne drauf strahlt. Solche Messungen hab ich auch durchgeführt. Und wenn eine Katze in den Schnee hüpft, holt sie die Zecken nach Hause und hüpft ins Bett wo es noch wärmer ist - wo das Kind liegt z. B. - dann kriecht ohne weiteres die Zecke rüber wo es noch wärmer ist."

Im Elixhausener Schullabor werden die gefangenen Zecken mittels Gentest auf mögliche FSME- und Borreliose-Erreger untersucht. Dazu werden ihre Körper mit über zwanzigtausend Umdrehungen pro Minute mechanisch zerstört. Der Zeckenbrei wird anschließend so lange gereinigt, bis das gesuchte Erregererbgut übrig bleibt. Weil dieses mit bloßem Auge nicht erkennbar ist, wird es vervielfältigt und mit Hilfe eines speziellen Gels und UV-Licht sichtbar gemacht. Erste Ergebnisse lassen für heuer eine wahre Zeckenplage befürchten. Durch das feucht-warme Wetter der letzten Wochen konnten sich die Tiere nicht nur stark vermehren, auch die Zahl der infizierten Blutsauger ist beträchtlich. Jeder einzelne Punkt steht für mindestens eine infizierte Zecke. Von vierhundert untersuchten Tieren ist eine mit FSME infiziert und fünf mit Borrelien.

Prof. Konrad Steiner, Projektleiter, HBLA Ursprung: "Eine Zeckenmama kann bis zu 2.000 Eier legen und somit gleichzeitig 2.000 krankmachende Babys produzieren. Da kann man hochrechnen wie viele infizierte Zecken in unserem Schulwald oder in der Gegend anzutreffen sind."

Drei Mal in ihren Leben saugt eine Zecke Blut. Sie selbst infiziert sie sich über Mäuse und Vögel mit den Krankheitserregern. Sticht sie erneut zu, gelangen diese über Speichel und Darm in den menschlichen Organismus. Ohne Impfschutz kann das FSME-Virus die gefährliche Hirnhautentzündung verursachen. Weitaus häufiger ist die durch Zeckenbisse übertragende Lyme -Borreliose. Deutsche Wissenschafter forschen gerade an einem Impfstoff, der aus gentechnisch veränderten Tabakpflanzen gewonnen wird. In ersten Labortests schützt er bereits erfolgreich gegen die Schraubenbakterien. Diese werden nach mehrstündigem Saugen übertragen und rufen die charakteristischen roten Flecken hervor. Daher gilt: so schnell wie möglich, weg mit dem Zeck.

Finale im Zecken-Härtetest: eine Runde Waschmaschine bei vierzig Grad inklusive Waschmittel. Schmutz und Flecken konnte der Hobbyforscher zwar den Garaus machen, den Zecken allerdings nicht:

Werner Johansson: " Ah, die leben noch. Jetzt kommt der Trockner, den packen’s nicht"

Denn eines mögen die Parasiten überhaupt nicht gern - trockene Hitze. Wer auf Nummer sicher gehen will sollte seine Kleidung mindestens bei fünfzig Grad waschen oder heiß trocknen. Spätestens dann sind alle Zecken mausetot.