Schweiß – ein ganz besonderer Saft

Beim alten Brauch des Kufenstechens im Kärntner Gailtal wartet auf den Sieger ein Tanz mit der Dorfschönsten. Doch wer mit wem dann unter den Linden weiter tanzt, entscheiden andere Kriterien. Denn wichtig für die Partnerwahl ist, dass man sich auch riechen kann.

Eine aufwendige Studie soll jetzt zeigen, ob Menschen einen individuellen Körpergeruch haben. Und welche Rolle dabei die Gene spielen. Dazu sammeln die Forscher Speichel- und Urinproben. Die Versuchspersonen dürfen kein parfümiertes Deo verwenden und sich zwölf Stunden lang nicht waschen. Damit sie nur nach „Natur - pur“ duften.

Elisabeth Oberzaucher, Ludwig Boltzmann Institut für Stadt-Ethologie:
„Die Zielsetzung der Studie war, festzustellen, welche Rolle die Genetik bei der Entstehung von dem Geruchsprofil hat. Wir wissen alle, dass Menschen unterschiedlich riechen, dass man manche Leute riechen kann, andere nicht. Und wir wollten eben herausfinden, was die chemische Entsprechung von diesen Sprichworten oder auch von diesen Volksweisheiten ist.“

Die Versuchspersonen sind fast zweihundert Angehörige von sechzehn Großfamilien aus einem Kärntner Dorf. Die Untersuchung ist weltweit die bisher größte und intensivste Langzeitstudie über die Chemie menschlichen Geruchs.

Mit einem neu entwickelten Werkzeug, einem magnetischen Roller entnehmen die Forscher fünfmal im Abstand von zwei Wochen Schweiß aus den Achselhöhlen. Die chemischen Bestandteile der Proben werden im Labor mit Gas-Chromatographie und Massenspektrometrie analysiert. Es zeigt sich, dass im Schweiß viel mehr flüchtige organische Chemikalien sind als im Urin oder Speichel. Unter mehr als fünftausend unterschiedlichen Substanzen finden die Forscher auch welche, mit denen sich der Körpergeruch einzelner Personen charakterisieren lässt.

Dustin Penn, Konrad-Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung:
„Wir fanden beinahe 400 Verbindungen, die ständig da sind. Mit anderen Worten: Wenn man die Proben eines Individuums immer wieder analysiert, findet man gewisse Verbindungen, die gleichbleibend vorkommen. Diese Verbindungen stellen sozusagen einen individuellen Fingerabdruck da.“

Die Forscher wollen auch wissen, wie groß die genetische Distanz sein muss, um zwei Menschen an ihrem Körpergeruch auseinander halten zu können. Dafür bekommen die Versuchspersonen Pads unter die Achsel geklebt, die sich mit Schweiß vollsaugen. Vorher sind in ihrem Blut jene Gene des Immunsystems bestimmt worden, die auch für die Verträglichkeit von fremden Organen zuständig sind.

Jeder weiß es: Lebensstil, Ernährung, Rauchen, Hormone, Sex beeinflussen den individuellen Körpergeruch. Doch es gibt eine Geruchs-Grundfrequenz, die immer da ist. Es existieren auch Duftmuster, die typische für Männer und Frauen sind.

Elisabeth Oberzaucher, Ludwig Boltzmann Institut für Stadt-Ethologie:
„Was wir zeigen konnten ist, dass wir durchaus erschnüffeln können, wie die genetische Ausstattung ist, und zwar dahin gehend, dass wenn die Immungene sehr ähnlich sind zwischen zwei Personen, schaffen wir es eigentlich nicht, die auseinander zu halten. Wenn die allerdings unterschiedlich wind, was die Immungene betrifft, können wir zwei Personen sehr gut auseinanderhalten.“

Die Schnüffler sollen aus drei Schweißproben jene herausfiltern, die von einer anderen Person stammt. Es zeigt sich: je unterschiedlicher das Immunsystem ist, desto unterschiedlicher auch der Geruch. Gegengeschlechtliche nahe Verwandte werden als unangenehm riechend wahrgenommen. Gegensätze ziehen sich an. Denn dann kommen unterschiedliche Gene zusammen, gut für das Abwehrsystem der Nachkommen. Doch auch gleich und gleich gesellt sich gern, beim Menschen und auch im Tierreich.

Dustin Penn, Konrad-Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung:
„Ich glaube nicht, dass die Gene bei der Partner Wahl eine solche einfache Rolle spielen, wie es oft angenommen wird. Jemand hat Gen A oder B, und das zieht automatisch die Aufmerksamkeit auf sich. Sogar die Forschung an Mäusen und anderen Tierarten zeigt, dass es viel komplizierter ist.“

Das zeigt dieses Experiment: Ein Mäuseweibchen bekommt Geruchsmarken von einem Bruder und einem fremden Mäusemännchen serviert. Die Annahme: Die Mäusedame wählt immer den fremden Mäuserich, um Inzucht zu vermeiden. Aber siehe da: Das Weibchen geht genauso oft zur Duftprobe seines Bruders. Und hat überhaupt eine extrem feine Nase.

Dustin Penn, Konrad-Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung:
„Eines was wir herausgefunden haben ist, dass Mäuse sogar ein Individuum erkennen können, dass experimentell mit einem Krankheitserreger infiziert wurde, nicht einmal mit einem richtigen Virus, das sich vermehrt, sondern auch nur nach einer Impfung, die eine Immunantwort stimuliert. Selbst das ändert den Körpergeruch so, dass eine weibliche Maus davon angezogen wird.“

Mit den tiefgekühlten Schweißproben wollen die Wissenschafter jetzt künstliche Nasen entwickeln, die Krankheiten erschnuppern können, die den Körpergeruch verändern. In Zukunft könnte das persönliche Schweißduftprofil vielleicht auch zur Identifizierung von Menschen dienen, ähnlich einem ganz individuellen Fingerabdruck.