Rettungsaktion für burgenländische Salzlacken

Völlig ausgetrocknete, rissige Erde. Zur Freude dieser Wissenschafter. Das Besondere: das ist der stark sodahältige Boden einer Salzlacke. Dass hier kein Wasser steht, stört sie nicht im geringsten. Im Gegenteil, das gehört zum Zyklus einer intakten Salzlacke.

Die Wissenschafter haben im Winter erstmals mehrere hundert Kilo Soda am Rand einer ausgewählten Lacke aufgetragen. Ihr Ziel: die bedrohliche Entsalzung dieser Lacke sollte damit gestoppt werden. Das sonst natürlich vorkommende Soda dichtet den Boden ab und hält das Wasser in der Lacke. Trocknet die Lacke aus, ist es aber kein Grund zur Sorge. Denn ausreichend Soda und etwas Grundwasser sorgen beim nächsten Regen für eine volle Wanne.

Ist die Salzlacke jedoch verlandet, also infolge Sodamangels abgestorben, wächst Wiese oder Schilf beginnt zu wuchern. Typisch für eine Salzlacke hingegen sind Pflanzen, die dem Salz standhalten können.

Dr. Ingo Korner, Vegetationsökologe, Arge Vegetationsökologie Landschaftsplanung, Wien: „Hmm, leicht salzig, leicht bitter. Diese Pflanze, die Salzkresse ist spezialisiert auf Salzstandorte am Lackenrand und sie geht mit dem Faktor, dass das Salz für die Pflanze eigentlich giftig ist, so um, dass sie einen Teil des Salzes in die Zellen einlagert und daher rührt auch der salzige Geschmack.“

Noch vor 80 Jahren hat der Seewinkel im Burgenland ganz anders ausgesehen: eine karge Steppenlandschaft mit tausenden Tieren, die auf die so genannte Hutweide getrieben wurden. Das Grundwasser lag nicht allzu tief und konnte mit dem Ziehbrunnen heraufgeholt werden. Die rund 100 Salzlacken waren damals noch intakt und eine unvergleichliche Landschaft.

Josef Fleischhacker, Herdenbesitzer Illmitz: „Ich bin Jahrgang 32, und nach dem Krieg war der Krautingsee eine reine Wasserfläche, spiegelblond das Wasser, da war kein Schilf und nix da. Da haben wir als Kinder immer gebadet. Da sind die Herden da gewesen, da ist immer alles abgeweidet worden und deswegen war in den Lacken kein Schilf. Ja, und heute: Man hat die Viehwirtschaft aufgegeben und dann ist um die Lacken immer mehr Schilf gewachsen und jetzt sind die Lacken total verschilft, was eigentlich sehr schade ist.“

Ganze vier Herden gibt es heute im Seewinkel, eine davon – sie gehört Herrn Fleischhacker weidet den Krautingsee ab. Es gibt kaum Bauern, die sich eine derart mühsame Landwirtschaft leisten. Und es gibt noch weniger Leute, die die Kühe hüten wollen.

Um die Landwirtschaft zu fördern, wird seit Jahrzehnten entwässert. Dieser Kanal gehört zu einem verästelten Entwässerungssystem, das das salzige Grundwasser unwiederbringlich ableitet. Damit senkte sich der Grundwasserspiegel im ganzen Seewinkel dramatisch. Nicht nur die Lacken auch der Neusiedlersee verlor damit Wasser und Salz.
Die steppenartige Hutweide ist jetzt nur mehr Nostalgie.

UnivProf. Dr. Regina Krachler, Inst. für Anorganische Chemie, Univ. Wien: „Es ist so, dass das Soda ein natürlicher Bodenschatz im Seewinkel ist und auch früher dort gewonnen wurde, aber das Sodavorkommen ist daran gebunden, dass der Grundwasserstand sehr hoch ist. Heute wird das Grundwasser künstlich abgesenkt für die Landwirtschaft und dadurch ist das Ssodavorkommen verschwunden und die Lacken leiden alle mehr oder weniger an Sodamangel und können nicht mehr ihrer natürlichen Funktion voll erfüllen.“

In Modellversuchen haben die Forscher entdeckt, wie die Biologie einer intakten Lacke funktioniert. Es ist aber nicht nur der Sodamangel, der die Lacke zum Sterben bringt. Auch die unterschiedliche Chemie der Wasserquellen spielt eine Rolle.

Während sich Regen und Lackenwasser gut vertragen, führt das Grundwasser zu chemischen Reaktionen. Es entstehen Kalkwolken und in der Folge Schlamm. Zuviel Grundwasser schadet also.

Denn das Grundwasser darf die Lacken von unten nur berühren, es muss gerade genug Feuchtigkeit da sein, um die Durchsalzung und Dichtung des Bodens zu gewährleisten. Alles andere führt unweigerlich zu Verlandung. Sogar die künstliche Bewässerung.

Bakterien in der Lacke helfen zusätzlich, den Boden dicht zu halten, weil sie den PH-Wert erhöhen. Sie bauen organisches Material in der Salzlacke ab, damit wird das Zusedimentieren verhindert.

Ein paar hundert Meter weiter – der Neusiedlersee. Er ist ebenso leicht salzig und funktioniert nach dem Prinzip der Salzlacken. Auch um seine Erhaltung ringen Wissenschafter und Tourismus. Aber nur wenn verhindert wird, dass salzhältiges Wasser einfach abgeleitet wird, kann man dem Steppensee helfen, nicht zu verschilfen und den Wasserstand zu halten.