Bevor wir diese Frage beantworten, ein Gedankenexperiment: Plastik ist allgegenwärtig. Aber hätte das so kommen müssen?

Jona Ines Fritz, Biotechnologin, BOKU Wien: "Wenn wir uns jetzt vorstellen, Erdöl wäre voriges Jahr erstmals entdeckt worden. Es hätte am Anfang keine Chance, und man würde dagegen wettern. Wir wollen dieses stinkende, giftige Produkt doch gar nicht verarbeiten!"

Deshalb beschäftigt sich Ines Fritz seit Jahrzehnten mit sogenannten Bio-Kunststoffen. Aus natürlichen, nachwachsenden Stoffen hergestellt und biologisch abbaubar. Sie untersucht, wie schnell die neuen Materialien wieder zu Erde werden und weiß, warum sie den Markt noch nicht erobert haben.

Jona Ines Fritz, Biotechnologin, BOKU Wien: "Wenn eine Technologie, ein Material neu entwickelt wird, sind die Produktkosten am Schluss vergleichsweise hoch. So ist es auch mit biologisch abbaubaren Werkstoffen. Viel Technologie wurde gegenüber normalen Kunststoffen neu entwickelt. Deshalb ist das Preis-Niveau dieser Werkstoffe deutlich höher.“

In dieser Reaktorkette an der TU Graz wird Biokunststoff hergestellt. Zucker und Stärke werden durch Mikroorganismen zu Bioplastik umgewandelt. Am Anfang der Kette steht ein ungiftiges Naturprodukt - am Ende ein Kunststoff, der ebenfalls ungiftig und kompostierbar ist.

Gerhart Braunegg, Biotechnologe, TU Graz: "Wir kriegen damit Kunststoffe heraus, die zum Teil verbesserte Eigenschaften haben. Nach dem Gebrauch dieser Kunststoffe sind alle Produkte kompostierbar. Die werden in sechs bis acht Wochen in Kohlendioxid und Wasser zerlegt. Was dann durch die Pflanzen wiederaufgenommen werden kann.“

Eine Ideallösung: umweltneutral und nicht gesundheitsschädlich. Solche Produkte waren weltweit schon am Markt wurden aber von der Industrie aus Kostengründen wieder eliminiert. Und alle diese Produkte könnten schon bald in umwelt- und gesundheitsfreundlicher Verpackung im Handel sein.

Doch der Blick in heimische Supermärkte lässt davon noch nichts erahnen. Abertausende Produkte, in Plastikverpackung, Kunststoffflaschen, gerade mal Obst und Gemüse werden ab und zu in verrottbaren "Bioplastikverpackungen" angeboten.

Bettina Reichl, Forschungsleiterin, Verpackungszentrum Graz: "Also der Endverbraucher, der Konsument, würde sich das wünschen. Es gibt viele Umfragen. Aber es will niemand die Mehrkosten bezahlen, die derzeit bei Naturverpackungen noch da sind. Aber wenn man sieht, was die Entsorgung von Kunststoffverpackungen kostet.“

Auch Algen können als Plastikersatz dienen. 30 Arten wurden von Grazer Forschern untersucht. Ergebnis ist eine ideale Alternative für Schaumstoff. Man nehme: getrocknete Algen - zermahle sie - schäume sie mit reiner Luft - und schon hat man einen schaumstoffähnlichen Stoff, der noch dazu nicht entzündlich ist - ein idealer Verpackungs- und Dämmstoff.

Bettina Reichl, Forschungsleiterin, Verpackungszentrum Graz: "Algen sind ein sehr schnell nachwachsender Rohstoff. Sie stehen auch in keiner Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Sie sind weltweit in den Meeren verfügbar. Die Aufschäumung erfolgt mit Luft und nicht mit Aufschäumgasen, die Ozonschädigende Wirkung haben oder zum Treibhauseffekt beitragen. Und nach dem Gebrauch ist der Stoff kompostierbar.“

Bakterien, Zucker, Stärke haben die Grazer Forscher schon genutzt, um Plastik herzustellen. Nun haben sie bewiesen, dass auch Abfallprodukte wie Molke oder Zuckerrübenschnitzel geeignet sind.

Was haben die Fasern von Hanf oder Sisal mit dem Plastik der Zukunft zu tun?

Gerhart Braunegg, Biotechnologe, TU Graz: „Man kann den Kunststoff direkt einsetzen. Oder in Form von Compounds. Sie haben Polyester, in den sich natürliche Fasern einbauen lassen. Damit wird die Festigkeit verstärkt."

Ein Verfahren, das von Automobilkonzernen schon eingesetzt wird. Zwar werden Pflanzenfasern, wie hier von Sisal noch mit Kunststoffen wie Polyester oder Polypropylen verschweißt. Doch bald könnten Armaturen oder Innenverkleidungen rein biologischen Ursprungs sein.

Gerhart Braunegg, Biotechnologe, TU Graz: "Die Eigenschaften dieser Kunststoffe ähneln dem des Polypropylen sehr. Es ist von großen Firmen angedacht, diesen Markt zu 30 bis 40 Prozent durch Bio-Kunststoffe zu ersetzen.“

Noch aber quellen die Regale über vor Plastik - und auch die Förderbänder der Entsorgungsunternehmen.