Andi Herzog, Ballermann

Ist er der Schwiegersohn oder doch die Zehe der Nation? Teamchef-Assistent Andi Herzog über Toni Polster, Umkleidekabinen, Toni Polster, Jesolo, Peppi Hickersberger, sportliche Herausforderungen, Toni Polster, Olli Kahn. Und: Toni Polster! Interview: Dominik Sinnreich.

APA/Guenter R. Artinger

wie bitte?: Ist David Beckham der neue Andi Herzog?

Andi Herzog: Ich glaub' dass er in Amerika für mehr Furore sorgen kann. Er hat einen größeren Namen, aber in das Finale der Western Conference muss er erstmal kommen mit seinem Team. Ich glaub', ich hab' Glück gehabt, dass ich damals in einer viel besseren Mannschaft spielen hab' können.

Was ist noch schnell ihr Job?

Ich bin Assistent des Nationaltrainers und Teammanager beim Österreichischen Fußball Bund (ÖFB). Und hab da eine riesige Herausforderung mit der Euro 2008 vor mir.

Was würden Sie nie für Geld tun?

Tanzen.

Und welche Tänze können Sie?

Na maximal den Vogerltanz. Aber das ist ewig her. Man sagt ja immer, die guten Fußballer können nicht tanzen. Und: Ich find, das stimmt zu 100 Prozent. Naja, jetzt kann man sich ausrechnen, was der Polster und der Konsel für Fußballer waren.

Wie viele Lottosechser braucht man, um Sie zu bezahlen?

Das kommt d'rauf an, wofür. Vielleicht reicht ein Fünfer oder ein Vierer. Wenn mir was Spass macht, bin ich auch ohne Geld wo dabei, ganz klar.

Wonach riecht es, wenn Sie kochen?

Wenn ich koche? Wenn ich koche, maximal nach Ham and Eggs. Oder nach verbranntem Speck. Aber Ham and Eggs hat große Klasse.

Ist der Hund der beste Freund des Menschen?

I' find schon. Wir haben zwei Hunde, letztes Jahr hab ich Phasen gehabt, wo es mir nicht so gut gegangen ist. Und da hab ich das bei den Hunden bemerkt: Die wissen, wenn es einem Menschen schlecht geht, udn dann stehen sie dir zur Seite.

Wie schlimm war Ihr letzter Kater?

Ich hatte eigentlich noch nie einen richtigen. Weil ich sehr wenig trinke, aber zurück zu den Hunden: Ich hab auch einen Kater, der ist taub, frisst alles was herumsteht, möchte zehn Sekunden gestreichelt werden...und dann beißt er dich. Also: Eine richtige Katze, die nur will, was sie will. Jetzt hab' ich aber gerade keine Kratzer, wie ich sehe.

Dürfen Profi-Kicker übergewichtig sein?

Eigentlich nicht. Sie sollten schon top austrainiert sein. Zum Glück bin ich kein Profi mehr...jetzt würd' ich glaub ich nimmer durchgehen...

Bei welcher Partei waren Sie mit Anfang 20?

Bei welcher Partei? Da war ich gerade in Deutschland, und nur auf's Fußballspielen konzentriert.

Haben Sie Angst vor Oliver Kahn?

Hatte ich nie. Ich hatte eine kleine Auseinandersetzung mit ihm, aber Angst hat man vor anderen Sachen. Nicht vor einem gegnerischen Torhüter. Man hat Respekt vor einem sehr guten Torhüter, aber vor'm eigenen Torhüter...auch wenn er noch so erfolgreich war, und hin und wieder einen kleinen Aussetzer gehabt hat. Angst hat man nicht.

Spüren Sie manchmal Nachts noch seine Hand im Nacken?

Na, hab ich nie gespürt. Einmal eine Konfrontation, die nicht erfreulich war. Kann sich ja auch jeder vorstellen, dass das nicht erfreulich ist, wenn du vor 6.000 Zuschauern gewürgt wirst. Aber das gehört anscheinend alles zu einem Profileben dazu.

Was denken Sie über den Spitznamen Alpenmaradona?

Das war eine Auszeichnung für mich. Man hat im Laufe des Lebens viele Spitznamen, aber bei mir war der Alpenmaradona aufgrund meiner technischen Fähigkeiten schon ein Ansporn und eine große Ehre diesen Spitznamen bekommen zu haben.

Muss der ideale Trainer ein Vater für die Spieler sein?

Zum Teil schon. Ich hatte Otto Rehagel (aktueller Trainer des griechischen Nationalteams, Anm.), wir waren immer seine Jungs. Und: Du musst als Spieler wissen, dass er jederzeit für dich da ist, als Trainer musst du auch ehrlich zu deinen Spielern sein, aber hin und wieder ist es im Profisport auch knallhart. Und man muss den richtigen Ton anschlagen, der auch härter sein kann. Aber im Endeffekt muss alles wieder vernünftig ablaufen, weil: Man muss ja jeden Tag miteinander umgehen. Und à la longue hat man nur eine Chance, wenn man mit den Spielern vernünftig umgeht. Ich hab mir das als Spieler gewünscht, ich hoffe dass ich das als Trainer später auch mal genauso umsetzen kann.

Ist Pepi Hickersberger so eine Vaterfigur?

Ja. Er war ja als ich noch jung war jahrelang mein Trainer beim Nationalteam. Jetzt ist er mein Vorgesetzter, ich glaub' dass er ähnlich wie Otto Rehagel ein sehr ruhiger und überlegter Trainer ist, mit dem man sehr wenig Schwierigkeiten haben kann. Und wenn du mit ihm welche hast, dann bist du selber schuld.

Welche Frage hängt Ihnen schon zum Hals raus?

Das ist zwar lang vorbei, aber die Frage nach meiner Zehe, nach der Operation. "Zehe der Nation" usw.

Welches Hobby aus Teenie-Zeiten hat bis heute überlebt?

Hauptsächlich Sport. Eishockey, Tenns. Und das schönste was ich machen konnte, war, mein Hobby Fußball zum Beruf zu machen.

Lachen Sie lieber über sich selbst oder über andere?

Beides. Wenn man über andere lachen kann, muss man auch über sich selbst lachen knnen. Wichtig ist, dass man immer ein lustiger Typ bleibt. Das erleichtert sehr viel.

Wann waren Sie das letzte mal mutig?

(überlegt lange) Ich bin eigentlich immer mutig, wenn ich in ein Flugzeug steig'. Weil ich nicht so gern flieg. Ich hatte früher nie Flugangst, aber bei Werder Bremen sind wir immer mit einer kleinen 30sitzigen Maschine geflogen, und im Bremen geht immer der Wind. Seitdem hab ich ein bisserl Flugangst, aber das legt sich schon wieder.

Wann haben Sie mit dem Doping aufgehört?

Doping? Wenn Schokolade Doping ist, dope ich heute noch.

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Jetzt wollt ich schon sagen: Wenn der Toni Poster singt. Aber das ist ja unfair. Er wird ja immer besser beim Singen. Im Fußball ist er immer schlechter geworden, und beim Singen wird er immer besser.

Lieber altreich oder neureich?

Lieber jung und reich.

Nehmen sie gerne Herausforderungen an?

Eigentlich schon. Man muss sich stellen. Wenn du im Leben was erreichen willst, musst du über'n Schatten springen. Und ein bisserl mutig sein, auch mal Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen. Davor scheue ich mich auch in Zukunft nicht.

Und der Vorwurf, sie wären konfliktscheu? Ein Muttersöhnchen?

Das war früher, ja. Weil ich guten Kontakt zu meinen Eltern habe. Früher, mit 19, 20, ist mir das immer nachgesagt worden. Aber: Ich war in der deutschen Bundesliga, habe mich in Amerika durchgesetzt. Also am Anfang hat mich das getroffen, aber später interessiert es dich nicht mehr, was die Leute sagen. Das ist alles mit Selbstvertrauen verbunden, ich hab' zum Glück das Selbstvertrauen, dass ich sag': Ich hör mir das alles mal an, aber im Endeffekt weiß ich schon selber, was für mich am Besten ist. Da kann man, glaub' ich, von den Amerikanern auch noch sehr viel lernen.

Sind Sie jemals vor einer Herausforderung davon gelaufen?

Da müsste ich überlegen. Im Fußball eigentlich nicht. Die Herausforderung wäre vielleicht gewesen, dass ich bei Bayern München noch ein zweites Jahr anhänge, und mich dort durchsetze. Da waren aber schon zwei, drei Signale, wo ich wusste: Entweder es geht beim nächsten Verein wieder bergauf, oder es geht bei den Bayern noch weiter runter. Weil ich das Standing nicht hatte. Da bin ich vielleicht, sagen wir nicht davongelaufen, aber da wollte ich nicht mehr bei Bayern bleiben und bin wieder zurück zu Werder Bremen.

Welche Umkleidekabine war die schönste Ihrer Karriere?

Jetzt wollt ich schon einen Blödsinn sagen...das hör ich dann wieder monatelang irgendwo. Das hab ich mir noch verkniffen. Die schönste war wahrscheinlich die im Stade de France bei der Weltmeisterschaft 1998. Aber nachdem der Toni Polster ausgewechselt wurde, hat's dann nimmer so schön ausgeschaut. Er hat ein paar Sachen vor Ärger zertrümmert, nachdem wir gegen Italien 2:1 verloren haben.

Welches Foto von Ihnen wäre besser nie geschossen worden?

Da hat's viele gegeben, hauptsächlich im Fußball, wo du dir gedacht hast: "Na bumm, wie schau I da aus". Aber mit der Zeit wird's dir egal, es hilft ja eh nix.

Haben Sie jemals in einen Swimmingpool oder ins Freibad gepinkelt?

Das sind Fragen. Also: Swimmingpool nicht. Freibad nicht. Adria, Jesolo......Vielleicht! Die Leute denken jetzt sicher ich bin ein Schweindl, aber als kleines Kind ist das sicher vorgekommen.

Wie funktioniert das mit dem Drall beim Freistoß?

Es gibt KÜnstler. Jeder muss durch viel Übung selber sein Handwerk lernen. Ich glaub', entscheidend ist, wenn man den Ball getroffen hat, wie man mit dem Fuß weiter schwingt. Es gibt leider Fußballer, die werden's nie lernen, und andere, die können's gut. Und die kriegen hin und wieder ein bisserl ein Geld dafür bezahlt.

Herr Herzog, danke für das Interview!

Bitte!