Luttenberger-Klug, Girlie-Formation

Luttenberger-Klug ist nicht der Name einer Rechtsanwaltskanzlei, sondern der neue Export-Schlager der heimischen Popmusik-Szene. Warum Bücher für Michelle Luttenberger und Chrissi Klug tabu sind, was die beiden gegen Pickel tun und wie sie mit Morddrohungen umgehen. Interview: Ole Weinreich.

APA/Herbert Pfarrhofer

wie bitte?: Was bedeutet für euch Seelenverwandtschaft?

Chrissi Klug: Wenn man merkt, dass man einfach mit einer Person zusammen gehört. Mein Freund und ich sind seelenverwandt, denn da merkt man einfach diese Verbundenheit.
Michelle Luttenberger: Wenn man immer das gleiche denkt, den gleichen Geschmack hat. Das sind die Dinge die entscheiden.

Wollt Ihr einmal Kinder haben?

Michelle: Ja, aber erst irgendwann in der Zukunft. Jetzt hat einmal die Musik Vorrang.
Chrissi: Das sehe ich auch so.

Singt man gerne als Österreicher vor tausend Deutschen?

Chrissi: Das wird ja eh nur in Österreich ausgestrahlt, oder? Nein, Spaß beiseite: Es ist schon eine Ehre wenn man akzeptiert wird. Normalerweise sind österreichische Acts ja in Deutschland nicht so involviert. Das die Leute unsere Musik trotz unseres Akzentes mögen, ist toll. Obwohl wir uns natürlich immer bemühen schön zu sprechen.

Wann seid ihr das letzte Mal so richtig betrunken gewesen?

Michelle: Meine Freude galt immer dem 16.Geburtstag. Da wusste ich: Jetzt kann ich öfter fortgehen, komme in die Clubs und Bars rein. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mit 15 Jahren mehr fort war als mit 17. Meinen letzten Rausch habe im Skiurlaub mit 15 Jahren gehabt. Also seit zweit Jahren, seit wir mehr Musik machen, war keine Zeit mehr dafür.
Chrissi: Mein letzter Rausch war vor einem halben Jahr, beim Zeltfest im Ort (Deutschlandsberg, Anm. Red.). Da waren nur Einheimische, die mich und meinen Freund nicht gekannt haben. Da dachte ich mir: Scheiß drauf. Geben wir uns jetzt die Kanten. Leben wir wieder einmal das normale Teenager-Leben. Weil mit 18 Jahren zu sagen "Ich kann jetzt nie wieder fortgehen, weil ich so wenig Zeit wegen der Musik habe" ist zwar Tatsache, aber deswegen ist es trotzdem nicht angenehem.

Wie viel Pressefotos gibt es von euren Freunden?

Chrissi: Es gab einige Home-Stories über uns. Auch wenn ich mit meinem Freund alleine unterwegs war, hat uns die Presse einige Male abgelichtet. Mehr als 15 Fotos werden es aber nicht sein.

Wie heißt das Buch, das ihr zuletzt gelesen habt?

Chrissi: Ich hasse lesen. Vor allem Bücher. Das freut jetzt wieder den Stern...Wie heißen die zwei nochmal? Die von FM4, die immer so über uns herziehen. Grissemann und Stermann, genau. Die hassen uns ja.
Michelle: Ich lese gerne Zeitung, Magazine, Zeitschriften. Aber ich bin der totale Gegner von irgendwelchen blöden Büchern, die mir in der Schule aufgezwungen werden. Aber dort bin in ich Gott sei Dank nicht mehr. Bücher sind echt tabu.
Chrissi: Also ich hab nur ein Buch gelesen, als wir in Deutschland auf Tour unterwegs waren. Und das weil wir so viel im Auto unterwegs waren und ich meinen IPod schon tot gehört hatte.
Michelle: Das kann ich zum Beispiel nicht. Ich kann nichts tun im Auto außer schlafen, weil mir sonst sofort schlecht wird.

Wie traumatisch ist es als Vorband für Tokio Hotel aufzutreten?

Chrissi: Da muss man schon Morddrohungen wegstecken. Da hat es wirklich geheißen: "Wir schießen euch mit der Pistole von meinem Vater von der Bühne". Wir dachten, das seien Extremisten. Uns wurde dann gesagt, dass die eh alle durchsucht werden. Aber am Ende sind wir dann beim Publikum immer gut angekommen.

Wie viele Lieder kann man über die Liebe singen?

Chrissi: Unendlich viele. Ich denke, dass 90 Prozent aller Lieder ja nur Liebeslieder sind. Über irgendeinen Freund, einen Menschen in den man sich verliebt hat, oder eine Beziehung und ihre Probleme.

Wie hieß eure erste gekaufte CD?

Michelle: Also meine erste CD war von den Spice Girls. Die habe ich geliebt.
Chrissi: Meine erste gekaufte Platte war von den No-Angels, glaube ich.

Findet ihr euch schön?

Michelle: Um es umzudrehen: Schirch finden wir uns nicht. Wir haben gewisse Gene von unseren Eltern geerbt, Gott sei Dank. Ich find mich jetzt nicht zu fett, aber klar: Geschmäcker sind verschieden. Und fast jede Frau hat was an sich auszusetzen. Wir gefallen uns so wie wir sind und wir finden uns auch sexy. Warum sollen wir nicht dazu stehen?

Wovor ekelt Ihr euch?

Chrissi: Schlange, Spinnen, einfach alle Insekten. Und Mäuse.
Michelle: Die Gelsen gehen mir auf die Nerven. Wenn ich die im Sommer im Zimmer habe, stehe ich auf, egal wie müde ich bin, und gehe auf Jagd. Mäuse haben wir heuer auch schon drei gehabt. Da sieht meine Bekleidung dann so aus: Pyjama, die Moonboots an und einen Besen in der Hand.

Braucht man keine Matura?

Chrissi: Es kommt darauf an. Ich denke, man muss nicht mehr unbedingt die Matura haben.
Michelle: Da stimme ich ihr zu. Die Matura ist jetzt nicht mehr die Marke. Sie war das einmal.
Chrissi: Du kannst auch andere Schritte gehen. Ich glaube, dass heutzutage die Kontakte von früheren Praktika mehr bringen, als die Matura. Die hat heutzutage schon jeder.

Worüber könnt Ihr lachen?

Beide: Über unseren Schlagzeuger, den Harry.
Chrissi: Und über einen guten Witz oder wenn wir etwas Dummes in der Presse über uns lesen.

Was hilft am besten gegen Pickel?

Michelle: Da könnte ich jetzt einen Roman darüber erzählen. Ich habe immer schlechte Haut gehabt, und bin deshalb regelmäßig zur Kosmetikerin gegangen. Da habe ich die diversen Anti-Pickel Produkte genommen, und hatte ein Jahr keine Probleme. Da war kein einziger Pickel. Und jetzt fängt es wieder an. Ich bin schon wieder voll dabei.
Chrissi: Ich glaube, dass viel von innen kommt. Etwa wenn du viel Stress hast. Und natürlich wenn du dich schlecht ernährst, fettig isst und zu viel Schokolade zu dir nimmst.

Woran glaubt Ihr?

Chrissi: Schicksal. Und daran, dass man den Menschen findet, für den man bestimmt ist. Dass sich zwei Menschen immer finden müssen.
Michelle: Ich glaube ebenfalls an Schicksal.

Warum redet man mit der Presse über sein erstes Mal?

Chrissi: Wir haben nicht wirklich über unser erstes Mal geredet, eher darum herum. Manche Leute meinen, dass muss man tun, weil das die Medien-Konsumenten interessiere. Aber wir sagen ganz klar: Gewisse Sachen sind unsere Privatsphäre und bleiben auch unsere Privatsphäre.

Was ist euch peinlich?

Beide: Playback-Auftritte. Eindeutig.
Chrissi: Am Anfang, als wir noch kein Budget hatten, um unsere Band zu bezahlen, haben wir zwar live gesungen aber die Musik kam vom Band. Das machen wir jetzt nicht mehr. Schließlich sind wir Musikerinnen, und keine Popidole.

Seid Ihr besser als Christina Stürmer?

Chrissi: Wir sind bestimmt nicht besser als Christina Stürmer, aber wir sind anders. Es hat jeder seine Fans und die Leute die unsere Musik hören, tun das weil sie unsere Musik gut finden. Ob sie jetzt besser oder schlechter ist, als die von Christina Stürmer, kann nur Geschmacksache sein.

Was wollt Ihr werden, wenn Ihr Erwachsen seid?

Chrissi: Naja, Musiker halt. Solange die Stimme und die Fans das zulassen. Und wenn es irgendwann nicht mehr geht, hoffen wir, dass wir dann genug Geld verdient haben. Ich möchte dann auf jeden Fall andere junge Künstler fördern oder ein Haus bauen, in dem dann Waisenkinder aufgenommen werden. So etwas in der Art.