Manfred Deix, Edelfeder

Er prägt das Bild der Österreicher. Ob Politiker, Priester oder ganz normale Bürger - Manfred Deix zeichnet zynisch von Alltagskonflikten und versteckten Vorlieben. Warum er eigentlich gar nicht so viele Zumpferln malt, wieso er keinen Hehl aus seiner Liebe zu den Beach Boys macht und wieviel Geld er für seine 42 Katzen ausgibt. Interview: Lisa-Marie Gotsche.

APA/Roland Schlager

wie bitte?: Wie heißen Ihre Katzen?

Manfred Deix: Wir haben 42 Katzen. Das jetzt abzufragen wäre zu mühsam. Ich beginne jetzt mit der Belegschaft meines Arbeitszimmers: Pipihendi, Zuckerl, Burli, Zuckerbärli, und dann Schweindi. Das sind diejenigen, die mir jetzt einfallen. Aber jede einzelne Katze hat einen Namen, das ist klar. Welcher Kindsvater hat namenlose Kinder? Ich nicht. Ich bin ein charaktervoller Vater. Ich kenne alle meine Kinder per Namen. Außer die Neuzugänge. Die sind vier Tage alt. Vier Tage alte Katzenbabys haben noch keine Eigenschaften entwickelt, sind noch blind, kennen sich hinten und vorn in der Welt nicht aus, haben noch keinen Beruf. Im Laufe der Zeit entwickelt sich das und dann kriegen sie Namen.

Wieviel Geld geben Sie im Monat für Katzenfutter aus?

Oh mein Gott! Wenn ich den Betrag nennen würde, würde man mich wohl bombardieren. Da würden viele Österreicher sagen: "Du Schwein, gib das Geld für arme Kinder aus." Es ist sehr viel.

Wieviel Zeit wenden Sie auf, um das Katzenkisterl zu reinigen?

Ich habe Gott sei Dank Personal, das sich darum kümmert. In meinem Atelierbereich putze ich die Häufchen selbst weg, vor allem wenn niemand da ist. Die Katzen sind sehr schlimm, sehr antiautoritär erzogen. Der Aufwand für die Katzen beträgt für meine Frau und mich täglich 18 Stunden. Zwischendurch schlafe ich und mache nichts, dann bin ich wieder Kellner, Mundschenk, alles in einer Person. Und Arzt bin ich auch – ich hege und pflege sie, weil ich mir alle Eigenschaften eines Tierarztes im Laufe von 35 Jahren angeignet habe. Ich weiß wann eine Katze krank ist, ich putze ihnen die Ohren, ich sorge dafür, dass der Schnupfen aufhört.

Ist der Hund der beste Freund des Menschen?

Auf alle Fälle. Ich habe auch Hund gehabt. Vor einem Jahr sind meine zwei Hunde gestorben, nachdem ich sie 15 Jahre gehabt habe. Es waren Labradors, zwei schwarze dicke Hunde – entzückend – die sich mit den Katzen bestens vertragen haben. Das war eine verschworene Liebeseinheit. Eines Tages hat eine Katze Babys bekommen, da haben sich die Hunde um die Katzenbabys gekümmert. Und die große schwarze Labradorhündin hat den Katzenbabys ihre Brust angeboten um sie zu säugen. Das war perfekte Harmonie. Ich bin verliebt in alle Tiere, bis auf Mücken, Gelsen und Hornissen. Ich tue ihnen aber nichts, denn sie stechen mich auch nicht. Sie merken, dass ich ein Mann mit Good Vibrations bin.

Mögen Sie auch Kinder?

Kinder mag ich sehr gerne. Ich führe meinen Haushalt mit hundert Kindern, kann über diese hundert Kinder verfügen, und bekomme auch die Liebe meiner Hundert Kinder zurück. Eigene Kinder hab ich nicht, das hab ich verabsäumt. Sagen wir so, ich habe es verhindert.

Welche Menschen haben Sie am öftesten gezeichnet?

Das geht quer durch. Leute, die mich ärgern hab ich eher dargestellt. Also meine Opfer, Leute an denen ich etwas zum Lachen entdecke. Und lustige Menschen, deren Optik ich etwas abgewinnen kann. Ich bin so was wie ein Rachezeichner. Das war mal der Einstieg bei mir. Ich hab als Jugendlicher sehr viele unangenehme Erfahrungen mit den älteren Österreichern gemacht. Mit der Generation über mir, mit den 40, 50-jährigen. Ich hatte lange Haare, war Mitglied dieser Popgeneration. Damals ist man in Österreich sehr schlecht behandelt worden. Die Älteren haben gesagt: „Schneid dir die Hoar ob“,und „du stinkst“. Damals habe ich ihnen Rache geschworen. Und jetzt lebe ich seit langer Zeit unter anderem davon, dass ich diese Arschlöcher von damals immer wieder ins Bild bringe und mich an ihnen langzeit-räche. Ein Langzeiträcher bin ich. Und es tut gut, sich die immer noch vorhandenen Bedrohungen dieser Leute von der Seele zu zeichnen. Ich hab wirklich darunter gelitten.

An welche Personen denken Sie da genau?

Da gibt es mehrere. Es waren immer die Mächtigen, die mir nicht gefallen haben. Parteibonzen, und solche Leute, die das Land, oder das Schicksal Österreichs mitbestimmt haben. Und für meine Begriffe sehr unangenehm waren. Die hab ich zeichnerisch zur Verantwortung gezogen. Und ich hatte die Lacher auf meiner Seite. All die Jahre hindurch. Und ich mache das ja schon seit 35 Jahren.

Gibt es Leute, die Sie aus Respekt nicht zeichnen?

Das gibt es, auf jeden Fall. Die Anständigen kommen bei mir nicht vor. Ich bin ja nicht einer, der ein Bild über anständige Menschen macht. Ich stürze mich ja auf die negativen Typen, um diese ein bisschen zu reduzieren. Aber natürlich gibt’s Respektpersonen, die ich nie darstellen würde.

Wen zum Beispiel?

Zum Beispiel meine geliebten Beach Boys. Die liebe ich abgöttisch.

Gibt es jemanden, den Sie aus Angst noch nie gezeichnet haben?

Es gibt eine Figur in Österreich, die ist unangreifbar, unantastbar. Ich sag keine Namen, nur so viel: Der Mann ist unglaublich mächtig, beherrscht das Land. Wenn ich den zeichne, bin ich arbeitslos. Auf ewig. Dann kann ich auswandern. Dann kann ich Kaufhauskarikaturist werden.

Stichwort Karikaturenstreit: Ist Mohammed für Sie tabu?

Ich habe gemerkt, dass er tabu zu sein hat. Kaum hat es diese Geschichte gegeben, hat irgendeine große Zeitung ein Interview abgedruckt, in dem ich sehr frisch von der Leber weg darüber geredet habe, das es mir auf die Nerven geht, dass man das nicht mehr zeichnen darf. Knapp danach bekam ich eine bedrohliche E-mail, und das hab ich der Polizei gemeldet. Es hieß: "Pass auf, wenn du so was noch mal sagst über uns, bist du gefährdet. Auch in deiner nächsten Umgebung gibt es Sympathisanten von uns, radikalisierte Moslems." Das war eine Drohung, dass ich die Goschen halten soll. Ich muss sagen, da habe ich Angst verspürt. Und ich war enttäuscht. Ich hab mich immer über Minderheitenhasser lustig gemacht, über Fremdenfeindlichkeit. Das war mein Hauptthema seit ich zeichne. Diejenigen die ich beschützt habe, bedrohen mich nun. Da hört sich bei mir der Spass auf. Und überhaupt: Was interessiert mich der Mohammed? Es gibt in Österreich und im deutschsprachigen Raum tausende Themen, die mich bewegen. Da muss ich ja nicht die Kopftuchthematik hernehmen. Das ist mir zu langweilig. Ich behandle nur Themen, die ich zeichnerisch genieße. Und bei denen ich auch den Menschen Genuß bereite.

Wann nehmen Sie sich ein Blatt vor den Mund?

Eigentlich nie. Außer wenn ich bedroht werde, wie zum Beispiel von fundamentalistischen Islamisten. Dann bin ich sehr still. Mein Leben ist mir näher als der Tod, ganz sicher. Man weiß ja nicht: Drehen die durch, sprengen die mich in die Luft?

Glauben Sie an Gott?

Ich würde hoffen, dass es einen gibt. Aber einen guten Eindruck von ihm habe ich nicht. Der Typ muss ein Sadist sein, ein bösartiger Typ. Sonst würde er die Dinge nicht zulassen, die auf der Welt passieren. Vielleicht steht er aber auch drauf. Man weiss es nicht.

Sind Sie mittlerweile schon Vegetarier geworden?

Seit dreißig Jahren nehme ich mir das vor, aber ich habe es noch nicht geschafft. Weil ich in dieser Esskultur aufgewachsen bin. Ich bin 1949 geboren, und in den frühen 50er Jahren war Fleisch und Wurst eine Delikatesse. Das Land war ausgeblutet und arm, und wenn meine Mutter mit mir einmal in der Woche zum Fleischhauer gegangen ist, weil es Fleisch oder Wurst gegeben hat, dann war das für mich etwas Besonderes. Ich bin mit großen Augen im Geschäft gestanden und habe mir die Würste angeschaut. Ich habe geglaubt, das ist das Paradies. Dann hat die dicke Fleischhauerin meiner Mutter die Ware gegeben und mir als Geschenk ein Rad Wurst in den Mund gesteckt. Das war so was wie eine Hostie für mich. Und ich habe mit sechs Jahren geglaubt, dass ich Gott geschluckt habe. Meine Jugenderinnerungen werden einfach immer wieder wach. Nach wie vor.

Wollten Sie schon mal auswandern?

Das hab ich mir eine Zeit lang jeden Tag überlegt. Aber hier werde ich verwöhnt. Und ich gebe zu, ich bin ein bequemer Mann – wenn’s mir wo gut geht, neige ich dazu, dort zu bleiben. Ich krieg die höchsten Honorare, ich werde hofiert, Fernsehteams umschwirren mich und die große Welt lockt mich eigentlich wenig, weil ich hier Experte bin. Ich bin in dem Land Experte, deswegen sind meine Bilder authentisch. Mir geht es blendend hier. Ich hab keine großen Ansprüche, brauche keine Schlösser, keine Flugzeuge und auch keine Yachten.

Lachen Sie über ihre eigenen Karikaturen?

Ich bin wahrscheinlich weltweit der Mensch, der am meisten über seine eigenen Bilder lacht. Vor allem wenn mir etwas einfällt, wenn die Idee kommt. Vergangene Nacht hab ich mich schiefgelacht, weil mir etwas sehr gutes eingefallen ist. Ich bin auch sehr selbstverliebt, schätze mich selber als meinen besten Freund, also ich liebe mich schon. Das muss man auch, ansonsten könnte man zusperren. Ich bin selbst die beste Prüfinstanz für meine Arbeit. Wenn ich über ein Bild lache, dann lacht das ganze Land darüber. Das weiß ich. Wenn ich mäßig lache und merke, das ist voll daneben gegangen, dann ist die Reaktion im Land auch relativ flau.

Was finden Sie gar nicht lustig?

Gar nicht lustig find ich zum Beispiel Dinge, die sehr eng oder grenzgängerisch sind. Nehmen wir zum Beispiel Guantanamo. Jeder andere Zeichner der Welt hat sich daran versucht und ist daran gescheitert. Guantanamo ist ein KZ der Neuzeit. Hitler hätte davon noch etwas lernen können. Wie schlimm die Häftlinge dort auch immer sind - so geht man mit Menschen nicht um. Die haben dort neueste Verhörtechniken und Foltermethoden, also New-Wave. Die wissen genau, wie man Leute zur Sau macht, ohne sie aufzuschlitzen. Das sind Themen, die ich mir nie vornehmen würde, weil ich daran scheitern würde. Das ist mir zu schwer,zu fürchterlich.
Ich nehme mir Themen vor, bei denen zumindest ein bißchen Lachen möglich ist.

Wann stehen Sie denn in der Früh auf?

Ich hab verschobene Lebenszeiten. Ich stehe um drei Uhr Nachmittags auf, um zwei Uhr früh oder um neun Uhr. Also wie es sich ergibt. Jeder andere Mensch hat einen Lebensryhtmus, den ich nie gehabt habe. Mein Prinzip ist es, dass es kein Prinzip gibt. Ich habe einen neuen Biorythmus aufgestellt, nämlich einen den es gar nicht gibt. Ich kann jederzeit schlafen. In der Regel ist es so, dass ich um acht oder neun Uhr früh schlafen gehe, ins Bett komme zu meiner Geliebten und sie sehr nett behandle. Ich bringe ihr die Zeitung und das Frühstück, und dann schlafe ich bis drei Uhr Nachmittags. Die Barbara Karlich Show ist mein Frühstücksfernsehen. Es kann aber auch anders kommen.

Warum rasieren Sie sich ihren Bart eigentlich nicht ab

Weil es zu umständlich ist. Es ist einfach fad, und außerdem habe ich den Bart seit 1967. Rasieren ist eine unglaublich umständliche Geschichte. Das ist jeden Tag das Pflichtprogramm – ich seh nicht ein, warum ich da ein brummendes Gerät an meinen Körper ranlassen muss. Ich werde nicht schöner dadurch und auch nicht hässlicher. Das es unmodern ist, weiß ich.
Dasselbe gilt für meine Frisur. Sie ist das allerletzte. Ich schneide mir meine Haare seit dem Jahr 1968 selber. Das heißt, ich bin seit 40 Jahren mein eigener Friseur. Friseure waren meine Todfeinde. Die haben bei mir Kopf-Holocaust betrieben, haben ihn in den 60er Jahren vernichtet. Die haben mir damals Hitler-Frisuren gemacht! Und irgendwann habe ich Stopp gesagt.

Wer war denn in ihrem Leben immer ein Held für Sie?

Seit frühester Jugend Muhammed Ali. Er hat in den 60er Jahren was ganz neues gemacht. Er war Schwarzer und ist angefeindet worden. Er hat sein Schwarzsein so machtvoll verteidigt und er war so "goschert". – Das hat mir so an ihm imponiert. Er hat seine Gegner niedergeschlagen und ist mit erhobener Hand über ihnen gestanden. Er war ein Rächer. Ich hab auch künstlerische Helden gehabt. Die Kraftmänner waren ja sonst nie meine Helden. Wilhelm Busch war mein Hero, und Carl Barks, der Donald-Duck-Zeichner. Körperlich betonte Menschen haben mich nie interessiert, weil ich selbst schon als Kind künstlerisch angehaucht war. Ich war zwar sportlich, habe Muskeln gehabt und war fit, aber das war nicht meine Welt. Der Fußball hat mich kaltgelassen. Kunst hat mich immer interessiert. Ich hab mir mit 12 Jahren Klavier und Schlagzeug spielen beigebracht. Also die musischen Dinge waren mir viel näher als körperliche Aktivitäten.

Hätten Sie gerne Muskeln wie Arnold Schwarzenegger?

Nein, solche wie er hätte ich nicht gerne. Aber die Hälfte oder nur ein Zehntel würde mir genügen. Das hilft immer.

Zeichnen Sie denn Menschen auch schön?

Schöne Menschen? Mit denen habe ich ein Problem, weil schöne Menschen durch ihre Schönheit sehr verwöhnt sind, und nicht den Tiefgang haben. Der ist mir aber sehr wichtig. Joseph Toller hat damals, zur Zeit der Münchner Räterepublik in den 20er Jahren, gesagt: Reichtum verdirbt den Charakter, Armut auch. Da hat er recht. Und ich sage: Schönheit verdirbt den Charakter, genauso wie Hässlichkeit. Wenn einer hässlich ist, ist er aggressiv und schlecht. Wenn jemand irrsinnig fesch ist, wird er oberflächlich und banal. Ein Mittelmass ist eigentlich anstrebenswert. Die Leute sind, je schöner oder je hässlicher sie werden, zum Scheitern verurteilt. Von denen kann man sich nichts Gutes erwarten. Ist eine sehr simple Sicht der Dinge aber ich glaube, dass ich Recht habe.

Verstehen Sie, warum so viele Frauen auf George Clooney abfahren?

Das kann ich mir irgendwie vorstellen, weil der so normal ausschaut. So haben früher die Provinzheinis ausgesehen. Die Leute sind überfüttert mit skurrilen, bizarren Typen, wie etwa Marilyn Manson. Und jetzt atmen die Frauen endlich wieder auf und sehen einen wie George Clooney. Der sieht aus wie der Buchhalter aus der Nachbarschaft. Ich glaub es gibt eine Renaissance der Normalität.

Wären Sie gerne ihre Frau?

Auf alle Fälle. Ich wäre die begeisterte Frau von mir. Weil ich wüsste, dass ich keine Sekunde Ruhe im sexuellen Bereich hätte. Ich würde dauernd verfolgt werden, hätte als Frau von mir keine ruhige Minute. Und das würde mir gut gefallen, weil ich als Frau ja auch so reagieren würde. Ich hätte Freude an diesen Dingen.

Wo ist Sex am Schönsten?

Meinen sie jetzt die Körperteile oder die Locations? Sex ist völlig unabhängig davon, ob er im Wald oder in der Küche stattfindet. Diese Dummheiten interessieren mich überhaupt nicht. Sex ist schön, wenn er passiert. Wo? Das ist ganz egal.

Warum malen Sie so viele Zumpferln?

Das ist ein Vorwurf, der mir allmählich auf die Nerven geht. Ich male pro Jahr hundert Bilder, und da gibt es einen Zumpferlanteil von etwa sieben Prozent. 93 Bilder sind zumpferlfrei. Sieben Bilder sind bezumpft. Es ist eine Ungerechtigkeit die mir widerfährt. Ich werde den europäischen Gerichtshof einschalten. Es ödet mich an.

Wie groß würden Sie das Zumpferl von Arnold Schwarzenegger zeichnen?

Ich habe mir darüber natürlich Gedanken gemacht, im Zuge meiner Recherchen. Es gibt immer verräterische Elemente am Körper: Extremitäten, Finger, Hände, und Nasen. Daran kann man schon die Penisgröße festmachen. Ich vermute, aufgrund seiner Körpergröße, dass er ein kräftiges Gerät hat. Also das lässt sich sicher abmessen. Es würde anatomisch nicht stimmen, wenn er so ein Vogerl hätte. Also das kann nicht sein.

Verändert sich Humor mit dem Älterwerden?

Bei mir habe ich das bisher noch nicht feststellen können. Ich bin auf dem Level eines 14-jährigen geblieben. Ich bin 14 Jahre alt, also fällt dieses Gespräch noch unter Jugendschutz.

Wenn Sie heute 14 oder 20 Jahre alt wären, wie würden Sie dann leben?

Ich würde mich beneiden, um das Leben, dass ich jetzt mit 58 führe. Um das Leben, dass ich lebe. Von dem her, habe ich alles richtig gemacht. Ich heiße eigentlich April – denn der April macht was er will. Niemand hindert mich an meinem Leben, an meiner Arbeit, ich habe alle Freiheiten. Besser hätte ich es nicht erwischen können.

Wie alt möchten Sie werden?

Wenn ich mir die Entwicklung der Menschheit anschaue, glaube ich, dass 80 eine Grenze wäre. Da wäre dann Schluss. Die Menschheit entwickelt sich dermassen schlecht, dass ich glaube, da nicht mehr dabei sein zu wollen. Aber 70 würde auch genügen.

Was ist das schlimmste an Politikern?

Politiker sind nur Schachfiguren, die zu tun haben, was ihnen Konzerne anschaffen. Mehr weiß ich nicht.

Welcher Politiker hat die Welt nachhaltig verändert?

Wichtig war sicherlich Ronald Reagan. Dieser Ungustl hat durch seine Aufrüstungsposition den Kommunismus weggefegt. Aber das hat er nicht getan, weil er so intelligent war, sondern weil die Konzerne im Hintergrund es so wollten. Er war ein mittelmäßiger Schauspieler, der im Dienste der Konzerne seine Rolle gut gespielt hat.

Welche Zeichnungen haben Sie vor Gericht gebracht?

Ich glaube, ich bin sechs oder sieben Mal vor Gericht gestanden, weil ich Politiker beleidigt habe. Das ich verurteilt worden bin, hat es schon lange nicht mehr gegeben, weil ich zu prominent geworden bin. Jeder Politiker überlegt es sich vorher gut, ober er mich klagen will. Es schadet nur derer Popularität, nicht meiner.

Muss man Angst haben, von Ihnen gezeichnet zu werden?

Nein, überhaupt nicht. Meine Zeichnungen sind sehr harmlos. Ich hab die Leute nie vernichtet, sie fast immer fotogetreu gemalt. Also ohne Beleidigung. Die Inhalte, die ich ihnen angehängt hab, waren schon auch schmerzhaft, aber das muss so sein. Meine Bilder sind charmant und liebenswürdig und verharmlosen die Situationen. Ich bin so was wie ein karikierender Hundertwasser. Ich mache die Leute lieber und hübscher, als sie sind.

Haben Sie auch manchmal das Bedürftnis, jemanden niederzuzeichnen?

Ja, das hatte ich früher, wie ich jünger war. Den Druck hab ich jetzt nicht mehr. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass das Auflehnen gegen bestimmte Strukturen oder Gemeinheiten sinnlos ist. Man erreicht nichts damit. Alle berühmten Satiriker der Weltgeschichte haben nicht mehr zustande gebracht, als zu Spotten. Die Welt verändern können wir nicht, dazu sind wir zu unwichtig. Wir können nur Lachen und Spotten. Mehr ist es nicht. Das muss man kapieren. Sonst hat man den falschen Beruf.

Was war Ihre erste Zeichnung?

Das weiß ich nicht mehr. Ich habe so viele Zeichnungen gemacht. Keine Ahnung.

Was ist Ihre Lieblingsspeise?

Hab ich eigentlich keine. Vielleicht Fischstäbchen, Eierschwammerln. Keine Ahnung.

Was haben sie im Handschuhfach?

Ich bin kein Autofahrer. Deswegen weiss ich auch nicht, was im Handschuhfach drinnen ist. Ein Airbag vermutlich. Ich kenn das alles nicht, bin immer nur Beifahrer.

Was war Ihre größte Jugendsünde?

Meine Jugend war eine einzige Jugendsünde. Was ich gemacht hab war dumm. Aber es gibt nichts bestimmtes, was ich hervorheben könnte.

Was sind Ihre größten Süchte?

Meine Liebessucht, meine Zuneigungssucht und meine Katzensucht. Und natürlich die Zigarettensucht. Ich rauche am Tag 120 Zigaretten und das kann nicht gut gehen. Das wird mich umbringen, fürchte ich.

Und Sie finden sich damit ab?

Ich versuche es jeden Tag zu stoppen. Ansonsten gibt’s mich in drei Jahren nicht mehr, dann sterbe ich. Oder ich sitze bald mit so einem Rucksack da und habe diese Schläuche in der Nase. Das brauche ich nicht.