Kraftplätze – wissenschaftlich geprüft

Teufelsfelsen, Hexenschlucht, besonders das Waldviertel ist reich an „Kraftplätzen" - geheimnisvolle Orte, an denen besondere Energien zu spüren sein sollen.

In jeder Kultur dieser Welt gibt es Plätze, die von Druiden, Schamanen oder Priestern für Rituale oder zur Berechnung von Jahreszeiten und Sternenkonstellationen benutzt wurden.
Jedem Ort soll eine eigene Kraft innewohnen - die allerdings mit naturwissenschaftlichen Messgeräten nicht nachweisbar ist.

Wünschelrutengeher oder Pendler behaupten, die postulierten „Energie-Kraftgitter", Wasseradern oder „Strahlungspunkte" der Erde nachweisen zu können.

Studien die nach streng wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt werden, sollen Klarheit bringen. Die Universität für Bodenkultur und das Joanneum Research Weiz starten ein ungewöhnliches Projekt: Ein weltraumerprobtes medizinisches Gerät - der Heartman - und 15 Versuchsteilnehmer sollen zeigen, ob der Aufenthalt an verschiedenen Orten messbare körperliche und seelische Auswirkungen auf den Menschen hat.

Erwin Frohmann, Inst. F. Landschaftsarchitektur BOKU Wien
„Bezüglich der Messung solcher unsichtbarer Kräfte der Landschaft oder Lebensfelder der Landschaft ist es naturwissenschaftlich klassisch nicht verifizierbar, aber der Mensch ist als Indikator so sensibel, dass wir also gedacht haben, es wäre eine Möglichkeit mittels Heartman auszuprobieren und so gesehen hier forschend tätig zu werden und zu schauen, ob quasi der Mensch in seiner Sensibilität auf diese feinen unsichtbaren Qualitäten des Ortes oder der Landschaft reagiert."
Insgesamt dreimal jeweils zehn Minuten hielten sich die Versuchsteilnehmer mit geschlossenen Augen an drei Orten auf, spürten und erfühlten den Platz - bei gleicher Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Tageszeit. Ein offener, lichter Hainplatz, ein steiniger Ort und ein Platz am Wasser wurden untersucht.

Herzfrequenzvariabilität und vegetative Reaktionen wurden gemessen. Ein standardisierter Test gab Aufschluss über den Gemütszustand.

Alexander Avian, Joanneum Research Weiz: „Die einzelnen Plätze haben sehr unterschiedlich gewirkt. Es ist so, dass der Wasserplatz aktivierend gewirkt hat - der Hainplatz eher beruhigend. Der Steinplatz ist von der Wirkung her eher in der Mitte gelegen. Der Unterschied in der Wirkung ist in der mittleren Herzfrequenz mit 5 Schlägen pro Minute gelegen. 5 Herzschläge klingt nach nicht viel, aber wenn man sich jetzt vorstellt, eine Ruheherzfrequenz von 60 - dann macht das einen großen Unterschied ob man 65 oder 55 Herzschläge hat - das heißt dieser Wert von 5 ist für den Körper schon relativ viel.“

Auch die Messung von Sympathikus und Parasympathikus bewies, der Wasserplatz aktivierte die Teilnehmer. Die Antworten gaben Aufschluss darüber, dass die Aktivierung als positiv und nicht stressig empfunden wurde.

„Eichen sollst du weichen, Buchen suchen" - das gilt zu Gewitterzeiten, denn die Vorliebe der Eiche für Wasserplätze lässt sie Blitze anziehen. Ob und wie Eichen- oder Buchenplätze auf den Menschen wirken, klärte der zweite Versuch.

Wiederum wurden die Versuche dreimal zu möglichst denselben Bedingungen wiederholt.

Alexander Avian: „Das Interessante ist, es sind Plätze, wo man den Unterschied, wenn man sich bei Bäumen nicht auskennt, gar nicht wahr nimmt - man würde keine Unterschiede vermuten. Trotzdem Herzfrequenz unterschiedlich - d.h. die Baumarten haben sich unterschiedlich auf den Körper ausgewirkt - die buche war aktivierend, bei der Eiche eher neutral. Der Eichenplatz ist nicht besser oder schlechter als der Buchenplatz - die Frage ist, was brauche ich in dieser Situation gerade. Das heißt, wenn ich eher aktivierter sein will, werde ich eher zur Buche gehen, wenn ich eher beruhigt sein will, ist die Eiche der vorzuziehende Platz."

Die Studien der österreichischen Forscher sind ein erster Schritt, Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur zu beweisen. Und mittelalterlich anmutende Auffassungen von guten und schlechten Orten in ein naturwissenschaftliches Licht zu rücken.

Erwin Frohmann: „Wir können uns das vorstellen, wie wenn ich zwei Steine in einen See werfe, entstehen quasi Wellenbewegungen die sich überlagern und ähnlich funktioniert dies in der Raumwahrnehmung, dass der landschaftsraum ein Schwingungsfeld erzeugt, und der Mensch auch als schwingendes Phänomen mit seinem Schwingungsfeld in Interaktion mit dem Ort tritt. Und über diese Interaktion kommt es dann zu bestimmten Aktivierungs- oder beruhigungszustand - zu einer Anregung oder einer bestimmten Erfahrung eines emotionalen Befindens oder einer körperlichen Reaktion."

Erdstrahlen, Gitterpunkte, Magnetfelder konnten nicht nachgewiesen werden - aber die Resultate beweisen naturwissenschaftlich abgesichert: Bestimmte Orte und sogar bestimmte Pflanzen treten nachweislich in Wechselwirkung mit dem Menschen.

In Zukunft sollen touristische Führer auf solche Plätze und ihre "innere Qualität" hinweisen, und ihre heilende, therapeutische Wirkung genutzt werden. Die Erkenntnisse sollen auch in die Planung von Städten, Erholungsparks oder Kurzentren einfließen.