Gang-Art: Die Kunst des Spazierengehens

Wanderungen mit künstlerischer Ausbeute
Wie wir die Welt wahrnehmen, so gestalten wir sie auch.

Nach dem Motto des Schweizer Erfinders der Promenadologie (Spaziergangswissenschaften) Lucius Burckhardt machen sich immer mehr Künstler, Musiker und Literaten wortwörtlich auf den Weg und verlassen die Galerie, die Konzertbühne oder das Podium.

(c) ORF

In einer Zeit, in der sich die Menschen dank modernster Transporttechniken immer schneller fortbewegen können, wird das Gehen als Medium, das Wahrnehmen der Landschaft und das Empfinden der eigenen physischen Präsenz immer wichtiger.

Im fortgeschrittenen Internetzeitalter entdecken junge Menschen wieder die Lust an der Wirklichkeit. Der Bewegung im virtuellen Raum setzt der Spaziergang das Live-Erlebnis entgegen.

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Kunst, die aus Erfahrung besteht, sind die Werke des "Walking Artist" Hamish Fulton. Der 68-jährige Brite, der in den 1960er-Jahren in New York seinen ersten Walk veranstaltete, lud im Vorjahr beim Kärntner nock.art-Festival Menschen zu einer Geh-Performance. Das Publikum und zufällige Passanten wurden Teil des Kunstwerks.

(c) Oliver Hangl

Ein System, das auch der Wiener Künstler Oliver Hangl in seiner Arbeit verfolgt. Ausgehend von den "Guerilla Walks", die sich zwischen Stadterforschung und Happening vollziehen und den Teilnehmern eine neue Perspektive auf die Umgebung ermöglichen, lädt er nun Musiker und Literaten ein, Konzerte und Lesungen im Gehen zu geben. Das Publikum geht mit und kann mit dem individuellen Blick auf die vorbeiziehende Stadt sein eigenes Kino im Kopf produzieren.

Hubert Ebenberger/Esther Strauß, 11/09/14–18/09/14: Unbekümmerte Expedition zur Entdeckung der Wünsche, Performative Collage, 2014  (c) Hubert Ebenberger/Esther Strauß

Mit Publikum unterwegs waren auch viele Künstler der Ausstellung "Hans im Glück" im Kunstraum Niederösterreich in Wien. Wie der Namensgeber der Schau, vertrauten sie sich sieben Tage lang dem Weg an. Der Grimm'sche Hans beginnt seine Wanderung mit einem Klumpen Gold und hat am Ende nichts, außer einem beruhigenden Gefühl der Besitzlosigkeit.
Was die Künstler von ihren Wanderungen durch Wien und Niederösterreich mitbringen und welche Werke sie daraus produzieren werden, soll eine Überraschung sein, auch für die Kuratorinnen.

TV-Beitrag: Nicola Eller

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