JOSIP BROZ, GENANNT TITO

(c) ORF

Wie entstand der Mythos eines kommunistischen Staatschefs als beinahe die ganze Welt ihm bei seiner Beerdigung die letzte Ehre erwies?

Die Tito-Stalgie

Josef Broz Tito ist unmittelbar nach dem Zerfall Jugoslawiens bei allen Nachfolgestaaten wieder stark in Mode gekommen, jeder dieser neuen Staaten hat Titos Erbe für sich reklamiert.

Josip Broz, genannt Tito (c) ORF

Fans feiern Tito's Geburtstag.

Symbol jugoslawischer Eigenständigkeit

Von manchen als schlimmster aller Diktatoren verunglimpft, von manchen für seine politische Eigenständigkeit über den Zeitraum eines halben Jahrhunderts bewundert, verkörpert er wiederum für andere das Symbol für den jugoslawischen Sozialismus.

Josip Broz, genannt Tito (c) ORF

Junger Tito-Fan.

Mythos zwischen Hass und Bewunderung

Überall werden Restaurants eröffnet, die seinen Namen tragen. Von seinem Mythos lebt ein sprießender Souvenirhandel – selbst Unterwäsche mit seinem Antlitz wird feilgeboten. Gleichzeitig werden die Folterpraktiken dokumentiert, unter denen seine politischen Gegner in dem Lager auf der Insel Goli Otok leiden mussten, ein Lager, das traurige Berühmtheit erlangt hat. Von Bewunderung bis zu blankem Hass reichen heute die Reaktionen auf Tito.

Josip Broz, genannt Tito (c) ORF

Junge Tito-Fans

Verbreitete "Jugo-Nostalgie"

In ganz Ex-Jugoslawien blüht heute eine "Jugo-Nostalgie", sogar ein "Privatkonsulat der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien" wurde im unabhängigen Montenegro eröffnet. Zu seinem Geburtstag lässt man Tito hoch leben. Die Partisanen-Veteranen defilieren, Schauspieler lesen seine Reden und stellen seine berühmtesten öffentlichen Auftritte nach.

Paradoxer Umgang mit der Vergangenheit

Paradoxerweise kann man gleichzeitig beobachten, wie Serben und Kroaten Titos Ansehen systematisch zerstören. Seine Statuen werden gestürzt, nach ihm benannte Straßen umgetauft. Als ob man selbst seinen Namen aus den Geschichtsbüchern tilgen wollte, obwohl er mehr als ein halbes Jahrhundert lang an der Macht war.

Josip Broz, genannt Tito (c) ORF

Kameramann Marek Jicha bei den Dreharbeiten bei Tito's Grab.

Zeugen einer Epoche

Der Dokumentarfilm von Regisseurin Mira Erdevicki erzählt die Geschichten von Männern und Frauen, die Tito gekannt haben, die ihn verachtet oder geliebt haben: Politiker, Künstler, Arbeiter, Bauern, Pioniere und Dissidenten – alle Zeugen einer Epoche die von dem Slogan geprägt war "Wir alle sind Tito".

Ihnen stellt der Film die Frage, was Tito hinterlassen hat und warum heute sein Phantom wieder aufersteht.

Mit zahlreichen Archivausschnitten versucht der Film die Widersprüche verständlich zu machen, die jene neuen Staaten prägen, die nach seinem Verschwinden aus dem blutigen Kampf hervorgegangen sind.

Regie: Mira Erdevicki
Produktion: Zeta Productions
Dokumentarfilm - FIN/F 2007