Die Beste im März 2017: Anna Kim

Anna Kim ist als Zweijährige aus Südkorea nach Europa gekommen. In ihrem neuen Roman schildert sie, wie es zur Spaltung ihres Mutterlandes gekommen ist.

Anna Kim (c) ORF

In ihrem 2012 erschienenen Grönland-Roman "Anatomie einer Nacht" hat sich die in Wien lebende österreichisch-südkoreanische Autorin Anna Kim einer lebensfeindlichen Umgebung gewidmet, in der menschliches Verhalten von Extremen bestimmt ist. Darum geht es auch in ihrem neuen Buch, "Die große Heimkehr", das gleichzeitig ein faszinierendes Panorama der koreanischen Zeitgeschichte ist.

Für ihren zweiten im Suhrkamp Verlag erschienenen Roman, der heute in den Buchhandel kommt, wählt Anna Kim als erzählerisches Vehikel die Reise einer jungen Frau Namens Hanna, die sich in Südkorea auf die Spuren ihrer Herkunft begibt. Als Übersetzerin kommt sie in das Haus des 78-jährigen Yunho Kang, dem sie einen Brief aus dem Englischen übersetzen soll.

"Wimmelbild" aus politischen Lügen

Der Brief bringt die Nachricht vom Tod einer Frau, die er vor vielen Jahren, Ende der 1950er Jahre, gekannt hatte. Und so entspinnt sich eine Erzählung, die die Geschichte der Teilung Koreas von innen heraus erzählt und die junge Zuhörerin, die in Deutschland aufgewachsen ist und sich die Frage nach der Bedeutung von „Heimat“ stellt, in ihren Bann zieht.

Mit zahlreichen Rückblenden und Nebensträngen gelingt Anna Kim ein breites Panorama der koreanischen Zeitgeschichte vor und nach der Teilung. Eine erste hymnische Kritik ist bereits in der "Welt" erschienen. Das Buch sei ein "Wimmelbild" aus politischen Lügen mit Sinn für Exotik und auch die großartige Studie einer Freundschaft.

Text: orf.at

(c) ORF

Buchinfo

Anna Kim: Die große Heimkehr

Erschienen: 16.01.2017
Gebunden, 558 Seiten
Auch als eBook erhältlich

Suhrkamp Verlag