Der Beste im Jänner 2016: György Dragoman

Als einen mit "schnellen Schritts zum Weltformat aufsteigenden Visionär der ungarischen Literatur", bezeichnet Paul Jandl in der "WELT" den in Rumänien geborenen und in Ungarn lebenden Autor György Dragomán.

(c) Anna T. Szabó

Mit seinem düsteren Erfolgsroman „Der weiße König“ hat er sich in die Riege der großen Schriftsteller Europas geschrieben. In Rumänien als Angehöriger der ungarischen Minderheit geboren und aufgewachsen, emigriert seine Familie 1988 nach Ungarn.

Sein jüngster Roman "Der Scheiterhaufen" führt ins Rumänien der Nachwendezeit. Darin nimmt er seine Herkunftswelt vor dem Hintergrund des Regimewechsels nach dem Sturz des Diktators Ceausescu ins Visier. Bei Dragomán sind es die Kinder, die mit ihrem unbestechlichen Sinn für Gerechtigkeit das Netz aus Lügen, Gemeinheiten und Brutalitäten zerreißen. Diesmal heißt die Protagonistin Emma und ist eine 13-jährige Waise. Sie versucht ihrer Familiengeschichte, die schwer auf ihr lastet, auf die Spur zu kommen.

Mangelwirtschaft, nicht überwundene sadistische Autoritäten, gescheiterte kollektive Utopien, soziale, politische und gesellschaftliche Realitäten im postkommunistischen Rumänien werden durch Emmas Innensicht gefiltert und in ein düsteres Märchen verwandelt. Die reduzierte, einfache Sprache steht in spannungsvollem Kontrast zur doppelbödig wahrgenommenen Realität.

(c) Suhrkamp

György Dragoman: "Scheiterhaufen"

Suhrkamp Verlag
Erschienen: 06.10.2015
Gebunden, 494 Seiten