Die besten 10 im März 2018

(c) Hanser

1. Arno Geiger (63 Punkte)

"Unter der Drachenwand", Hanser

Spätestens seit seinem Roman "Es geht uns gut" – für den Arno Geiger 2005 den deutschen Buchpreis erhalten hat – ist der Vorarlberger Schriftsteller einem breiten Publikum bekannt. Drei Jahre nach Erscheinen seines letzten Romans "Selbstporträt mit Flusspferd" meldet sich Arno Geiger jetzt mit dem Roman "Unter der Drachenwand" zurück. Anders als seine letzten Werke ist er nicht in der Gegenwart angesiedelt, sondern erzählt vom Jahr 1944. Veit Kolbe, ein in Russland verwundeter Soldat, macht Urlaub am Mondsee und fragt sich, wann das Leben neu anfängt, der Krieg vorbei ist und ob es so etwas wie Frieden überhaupt gibt - und er lernt zwei junge Frauen kennen: Margot und Margarete.

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(c) Wagenbach

2. Milena Michiko Flašar (35 Punkte)

"Herr Katō spielt Familie", Klaus Wagenbach

Der zuletzt erschienene Roman "Ich nannte ihn Krawatte" der jungen österreichischen Autorin Milena Michiko Flašar beeindruckend auf Grund seiner unaufdringlichen, poetischen Intensität. Das Buch wurde mehrfach ausgezeichnet und landete auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2012. Jetzt erscheint ihr neues Buch. In "Herr Katō spielt Familie" erzählt Flašar von einem späten Neuanfang, unerfüllten Sehnsüchten und unerwarteten Glücksmomenten. Ein frisch pensionierter, älterer Herr trifft auf eine junge Frau und lässt sich auf ihren Vorschlag ein, für ihre Agentur "Happy family" zu arbeiten. Fortan wird er als Großvater, als Exmann oder als Vorgesetzter engagiert und begegnet außergewöhnlichen Menschen und Lebensgeschichten.

(c) dtv

3. Iwan Turgenjew (28 Punkte)

"Väter und Söhne", dtv

1862 erschien Iwan Turgenjews Romans "Väter und Söhne" erstmals im zaristischen Russland und gilt heute als Musterbeispiel realistischen Erzählens jener Zeit. Nun ist das Buch in neuer Übersetzung von Ganna-Maria Braungardt erschienen. Schauplatz ist die russische Provinz zur Zeit der Abschaffung der Leibeigenschaft der Bauern. Ein Medizinstudent namens Basarow kehrt aus Petersburg heim, zu seinem Vater aufs Land. Basarow ist ein überzeugter Nihilist, ein radikaler Anhänger der Aufklärung und der Wissenschaft, der sich in seiner Freizeit mit dem Sezieren von Kröten und Käfern beschäftigt. Als er auf die junge Witwe Odinzowa trifft, verliebt er sich hoffnungslos in die Unerreichbare, und geht schließlich an dieser Liebe zugrunde. "Väter und Söhne" ist ein "unsterblicher Generationenroman“ über die "Psychologie des Werteverfalls" des "unborniertesten Chronisten seiner Epoche". (Standard)

(c) Hanser

4. Norbert Gstrein (27 Punkte) NEU

"Die kommenden Jahre", Hanser
Der Österreicher Norbert Gstrein gehört zu den hochpolitischen Gegenwartsautoren im deutschsprachigen Raum. Thema seines neuen Romans "Die kommenden Jahre" ist die Begeisterungswelle rund um die sogenannte Willkommenskultur im Zuge der Ankunft der Flüchtlinge im Jahre 2015. Gstrein stellt unter anderem die Frage, ob moralisches Handeln nicht sogar als Luxus einer westlichen Gesellschaft angesehen werden kann. Mittels ungewöhnlicher Erzählperspektive verarbeitet er in der Geschichte einer syrischen Flüchtlingsfamilie, die im Haus eines deutschen Paares untergebracht wird, Aspekte wie Überforderung der Integrationsfähigkeit und Rassismus zu bedeutender Literatur.

(c) Suhrkamp

5. Clemens J. Setz (25 Punkte) NEU

"Bot", Suhrkamp
Clemens Setz ist ein virtuoser Sprachkünstler, der seit seinem Debütroman "Söhne und Planeten" vor über zehn Jahren mit zahlreichen renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet wurde und Publikum, wie Kritiker gleichermaßen begeistert. Jetzt erscheint sein neuestes Werk - "Bot. Gespräch ohne Autor" so der Titel. Darin gibt der gebürtige Grazer in Form eines Gesprächs Einblick in seine literarische Arbeit, oder besser gesagt: ein Bot, ein Computerprogramm, das Aufgaben automatisiert ausführt, steht hier Rede und Antwort. Fragen an den Schriftsteller Clemens Setz finden ihre Antworten selbst: per Volltextsuche in seinen Notizbüchern.

(c) Suhrkamp

6. Esther Kinsky (21 Punkte) NEU

"Hain - Geländeroman", Suhrkamp
"Hain. Geländeroman" heißt das neue Buch der Berliner Schriftstellerin Esther Kinsky. Gerade erst erschienen, wurde es schon zwei Mal ausgezeichnet: Der Roman ist eines der fünf nominierten Bücher in der Kategorie Belletristik beim Preis der Leipziger Buchmesse und Esther Kinsky hat damit den Düsseldorfer Literaturpreis gewonnen. Die Ich-Erzählerin unternimmt drei Reisen, die alle nach Italien führen. Doch nicht an die bekannten Orte, sondern in abseitige Landstriche und Gegenden. Zwischen Geländeerkundungen im Gebirge und in der Ebene führt die dritte Reise die Erzählerin zurück in die Kindheit: Wie bruchstückhafte Filmsequenzen tauchen die Erinnerungen an zahlreiche Fahrten durch das Italien der Siebzigerjahre auf, dominiert von der Figur des Vaters.

(c) Droschl

7. Thomas Stangl (16 Punkte) NEU

"Fremde Verwandtschaften", Droschl
Der gebürtige Wiener Thomas Stangl hat bereits mit seinem Debütroman "Der einzige Ort" Anfang 2000 für Furore gesorgt. Seither zählt er zu den relevantesten deutschsprachigen Autoren seiner Generation. Vor kurzem ist sein neuer Roman erschienen: "Fremde Verwandtschaften". Darin dreht sich alles um einen Architekten - Ehemann und Familienvater - der zu einer Fachkonferenz nach Westafrika aufbricht. Auf seiner Reise erlebt er eine grundlegende Verunsicherung seine bisherige Denk- und Lebensweise betreffend. Er wird sich zunehmend fremd und verliert all seine Sicherheiten, in denen er es sich bequem gemacht hat. Wie häufig bei Stangl, dreht sich viel um die Frage, was vermeintliche Sicherheiten und tradierte Zwänge mit den Menschen anrichten.

(c) Frankfurter Verlagsanstalt

8. ex aequo: Mareike Fallwickl (14 Punkte) NEU

"Dunkelgrün, fast schwarz", Frankfurter Verlagsanstalt
Mareike Fallwickl ist Texterin und Lektorin, betreibt ihren eigenen Literaturblog und schreibt wöchentliche Kolumnen für eine Salzburger Zeitung. Mit "Dunkelgrün, fast schwarz" legt sie jetzt ihren Debütroman vor und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Seit ihrer Kindheit kennen sich Raffael, Moritz und Johanna, irgendwann verlieren sie sich jedoch aus den Augen, um sechzehn Jahre später wieder aufeinander zu treffen. Eindringlich erzählt Fallwickl von Liebe und Verrat und bringt die vielen Facetten einer Freundschaft zum Leuchten.

(c) Schöffling & Co.

8. ex aequo: Margit Schreiner (14 Punkte) NEU

"Kein Platz mehr", Schöffling & Co.
Margit Schreiner gehört zu den arriviertesten Autorinnen unseres Landes: Mit Büchern wie "Haus, Frauen, Sex", "Buch der Enttäuschungen" oder "Haus, Friedens, Bruch" hat sie sich in die Mitte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geschrieben: gesellschaftspolitisch, emanzipatorisch, humorvoll und widerspenstig gegen die Konventionen der Zeit. Soeben ist ihr neuer Roman erschienen mit dem Titel "Kein Platz mehr". Schreiner erzählt darin von einer Autorin, die aufräumt mit sich und der Welt: sie will sich von den Dingen, die sie angesammelt hat im Laufe des Lebens frei machen - auch, um wieder frei denken zu können. Das Buch wird zunehmend zu einer Abrechnung mit einer Welt, die den Menschen aufs Funktionieren und Effizient-Sein-Müssen reduziert.

(c) Rowohlt

10. ex aequo: Fernando Aramburu (12 Punkte) NEU

"Patria", Rowohlt
Nach gut 50 Jahren und Hunderten Opfern hat die Separatistenorganisation ETA 2011 das Morden für ein unabhängiges Baskenland eingestellt. Jetzt ist ein großes Epos des spanischen Schriftstellers Fernando Aramburu erschienen, das den gesamten Konflikt anhand von zwei Familien erzählt. "Patria" lautet der Titel des Romans, der in Spanien seit Monaten die Bestsellerlisten anführt und die Frage aufwirft, was Vaterland und Heimat letztendlich bedeuten. Fernando Aramburu gibt den Opfern auf beiden Seiten des blutigen Partisanenkriegs eine Stimme und beschreibt eindringlich, wie Terrorismus den inneren Kern einer Gemeinschaft angreift und wie lange es dauert, bis die Menschen wieder zueinander finden.

(c) Zsolnay

10. ex aequo: Maxim Kantor (12 Punkte) NEU

"Rotes Licht", Zsolnay
Maxim Kantor gehört zu den international renommiertesten Künstlern Russlands. Spätestens seit 1997, als er bei der Biennale in Venedig den russischen Pavillon gestaltet hat, ist er auch einem breiten Publikum bekannt. Bereits damals war er auch als Autor erfolgreich und als Autor legt er jetzt seinen neuen Roman vor. "Rotes Licht" ist ein 700 Seiten dickes Porträt Russlands, angekündigt als "Roman eines gottverlassenen Jahrhunderts". Am Beispiel von drei Generationen zeichnet Maxim Kantor das exzessive Panorama einer aus den Fugen geratenen Zeit: von der russischen Revolution bis zum Ende der UdSSR, vom Aufstieg Hitlers bis zu Putins Krieg auf der Krim.