Die besten 10 im Mai 2015

(c) Hanser

1. Péter Esterházy (33 Punkte)

"Die Mantel-und-Degen-Version", Hanser

Die Handlung von Péter Esterházys neuem Roman "Die Mantel-und-Degen-Version" entspinnt sich zwischen Pressburg und Konstantinopel, im 17. Jahrhundert, zur Zeit als Ungarn, eingekeilt zwischen den Großmächten der Türken und der Habsburger, seine Stellung behaupten muss. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Pál Nyáry, ein ungarischer Doppelspion, der die Geschicke seines Landes verhandeln soll. Geheimagenten, Herzöge, Verfolgungsjagden und die leichtsinnige Liebe zu einer schönen Frau - Esterházy nimmt seine Leserschaft mit auf eine Zeitreise, nicht ohne Abschweifungen in die Gegenwart mittels der für ihn so typischen Fußnoten.

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(c)  dtv

2. John Williams (29 Punkte)

"Butcher`s Crossing", Deutscher Taschenbuch Verlag

Nach dem großen Erfolg der Wiederentdeckung von John Williams Campus-Roman "Stoner", liegt nun ein weiteres Buch des 1994 verstorbenen US-amerikanischen Autors in deutscher Übersetzung vor: "Butcher's Crossing". Wie in "Stoner" erzählt Williams auch diesmal vom Scheitern, doch wechselt er in eine völlig andere Szenerie. Will Andrews, ein junger Havard-Student, schließt sich im Jahr 1873 dem Jäger Miller an, der Jagd auf eine Büffelherde in den Rocky Mountains machen will. Klar und präzise schildert Williams das Abenteuer in der Wildnis, das zum Vernichtungsfeldzug gegen die letzten Büffel Amerikas wird. Nach ihrer Rückkehr in die Zivilisation finden sie eine veränderte Welt vor. Der Markt für Büffelfelle ist zusammengebrochen und Andrews muss die Vergeblichkeit seines Vorhabens erkennen, er selbst geworden zu sein.

(c)  Suhrkamp

3. Valerie Fritsch (20 Punkte)

"Winters Garten", Suhrkamp

"Valerie Fritsch schreibt den Soundtrack zu Leben und Tod" titelte der Kurier zum Erscheinen ihres neuen Buchs "Winters Garten". In vielen Kritiken wurde die junge Grazer Autorin mit großem Lob bedacht und gilt mittlerweile als eine der Nachwuchshoffnungen der österreichischen Literatur. In ihrem zweiten Roman schreibt Fritsch nichts Geringeres als den Weltuntergang herbei, und meistert dabei die Balance, bildgewaltig von Liebe, Vergänglichkeit und dem großen Geheimnis menschlicher Existenz zu erzählen, ohne dabei in die Übertreibung abzudriften. Anhand einer Familie, die der Apokalypse ins Selbstversorger-Paradies entfliehen will, erzählt Fritsch von einer Gesellschaft, die vor der Auflösung steht. An einer Stelle heißt es dazu: "Es ist traurig, wenn der Tod das größere Spektakel ist als das Leben."

(c) Hanser

4. A.L. Kennedy (17 Punkte) NEU

"Der letzte Schrei", Hanser

Sie zählt zu den renommiertesten Schriftstellerinnen Großbritanniens – und zu den produktivsten: A.L. Kennedy. "Der letzte Schrei" heißt ihr neues Buch, bestehend aus zwölf Geschichten. Darin erzählt die gebürtige Schottin von Paaren, die sich nichts mehr zu sagen haben, die einander verachten, betrügen und verlassen. Mit einer Mischung aus Komik, Sarkasmus und gnadenlos entlarvendem Blick beschreibt Kennedy jene Momente im Leben, in denen Liebe in Besessenheit und Zärtlichkeit in Hass umschlagen. Viel Hoffnung auf Glück gesteht sie ihren Figuren nicht zu und dennoch gibt es Passagen, in denen die Sehnsucht nach Liebe nicht utopisch erscheint.

(c) Jung und Jung

5. Olga Flor (15 Punkte) NEU

"Ich in Gelb", Jung und Jung

In ihrem vielschichtigen Blogger-Roman "Ich in Gelb" verknüpft Olga Flor Kurztexte, Kommentare, Links und Bilder aus der Welt der Mode und erzählt über Freuden und Zwänge der Selbstdarstellung. Den gesamten, sehr heterogen gestrickten Text durchzieht eine Grundfrage: was macht der Umstand mit uns allen, dass wir uns zunehmend gleichzeitig in unterschiedlichen Realitäten aufhalten können? "Ich in Gelb" entführt uns in ein virtuelles Wunderland zwischen Mode und Körperdesign und erzählt von der Modebloggerin Alice, die sich mit ihren unverblümten Polemiken in der Szene schnell einen Namen macht. Wer ist heute gemeint, wenn von 'Ich' die Rede ist? Ein Buch, das schaudern macht, weil es an die offenen Wunden unserer virtuell durchdrungenen Wirklichkeit führt.

(c) Haymon

6. Gustav Ernst (13 Punkte) NEU

"Zur unmöglichen Aussicht", Haymon

Unterhaltsam und humorvoll zugleich zeigt Gustav Ernst, wie reich an Missverständnissen der Dialog zwischen Mann und Frau sein kann und wie alltäglich die Entfremdung. In seinem neuen Roman "Zur unmöglichen Aussicht" erzählt der österreichische Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor von Kagraner, der gern ins Kaffeehaus geht und dort täglich seinen Mokka genießt. Redselig wie er nun einmal ist, findet er schnell einen geduldigen Zuhörer, dem er Episoden aus seinem skurrilen Ehealltag schildern kann. Knapp und lakonisch beschreibt Gustav Ernst die Konversation der beiden und beweist abermals, dass er ein Meister des tiefgründigen Dialogs ist.

(c) Hanser

7. ex aequo: Emily Dickinson (12 Punkte) NEU

"Sämtliche Gedichte. Zweisprachig", Hanser

Rund 1800 Gedichte hat sie verfasst und dennoch schrieb sie am Ende ihres Lebens: "Was war, blieb unerzählt." Emily Dickinson zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Dichterinnen des 19. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten veröffentlichte sie gerade einmal zehn Gedichte und auch diese publizierte sie anonym. Ihr lyrisches Werk kam zu früh für ihre engstirnige, puritanische Umgebung in den USA. Denn ihre Gedichte sind mutig, frei und radikal im Nachdenken über die Grundfragen unserer Existenz.
Nach langen Jahren des Vergessens sind japanische, italienische und französische Dickinson-Gesamtausgaben erschienen. Über tausend ihrer Gedichte sind ins Chinesische übersetzt worden und auch im deutschen Sprachraum erscheint nun im Carl Hanser Verlag erstmals die deutsche Gesamtausgabe von Emily Dickinsons, in einer Übersetzung von Gunhild Kübler.

(c) Kiepenheuer & Witsch

7. ex aequo: Klaus Modick (12 Punkte) NEU

"Konzert ohne Dichter", Kiepenheuer & Witsch

Das Thema Künstlerfreundschaften greift Klaus Modick immer wieder in seinen Büchern auf, wie zum Beispiel in seinem Roman über Lion Feuchtwanger und Bertolt Brecht. Auch in seinem neuen Buch "Konzert ohne Dichter" erzählt Modick die Geschichte einer schwierigen Freundschaft, diesmal zwischen dem Dichter Rainer Maria Rilke und dem Maler Heinrich Vogeler. Schauplatz ist die niedersächsische Gemeinde und Künstlerkolonie Worpswede zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hier treffen Vogeler und Rilke zusammen, zelebrieren ihre Freundschaft und später auch ihre Auseinandersetzungen. Um welchen Preis darf Kunst entstehen und woraus resultiert ihre Relevanz? Unterhaltsam und klug erzählt Klaus Modick über eine ungewöhnliche Freundschaft, beschreibt was Vogeler und Rilke zueinander führte und später trennte, welchen Anteil die Frauen daran hatten, die Kunst, das Geld und die Macht der Mäzene.

(c) Folio

7. ex aequo: Drago Jančar (12 Punkte)

"Der Galeerensträfling", Folio

Es ist eine rastlose Odyssee durch das 17. Jahrhundert, von der der slowenische Autor Drago Jančar in seinem Roman "Der Galeerensträfling" erzählt. Hexen, Ketzer, Sekten und Stifter treiben ihr Unwesen. Der Protagonist Johann Otto aus deutschen Landen entflieht der Inquisition und landet an der istrischen Küste auf einer Galeere, wo er zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Jančar, der selbst im Jugoslawien Titos wegen "feindlicher Propaganda" und "publizistischen Ungehorsams" eingesperrt war, spiegelt an der historischen Lebenswelt Terror und Schrecken der jüngeren Zeit. 1978 im Original erschienen, folgt nun eine Neuauflage des Romans, der sich vor allem als "Verteidigung des Individuums mit allen Mitteln großer Erzählkunst" auszeichnet. (Ö1)

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(c) Milena

7. ex aequo: Karl Tschuppik (12 Punkte) NEU

"Ein Sohn aus gutem Hause", Milena

"Ein graziles Haus auf einem soliden Fundament, ein diskreter, eleganter und vigoröser Stil; ein Mitteleuropäer mit kosmopolitischem Horizont und europäischem Gewissen" - so schrieb Joseph Roth 1937 über Karl Tschuppik und seinen erschienenen Roman "Ein Sohn aus gutem Hause". Darin erzählt Tschuppik die Geschichte der Wiener Familie Adorno vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der damals hochrenommierte Journalist und Autor Karl Tschuppik, dessen Werke der Nazi-Bücherverbrennung zum Opfer fielen, ist heute nahezu vergessen. Das will der Milena Verlag mit einer Neuerscheinung des Romans ändern.

(c) Rowohlt

7. ex aequo: Siri Hustvedt (12 Punkte) NEU

"Die gleißende Welt", Rowohlt

"Schonungslos frisch" bezeichnet die "New York Times" Siri Hustvedts neuen Roman "Die gleißende Welt" und die "Washington Post" lobt ihn sogar als ihren "bislang besten". Die US-Bestsellerautorin erzählt darin die fiktive Geschichte von Harriet Burden, die mit ihren Multimedia-Installationen postum die Aufmerksamkeit einer Kunsthistorikerin erregt. Diese erstellt anhand von Tagebucheintragungen, wissenschaftlichen Erörterungen sowie Gesprächsprotokollen mit Freunden, Kollegen und Familienmitgliedern, eine vielschichtige Porträt-Collage dieser Ausnahmekünstlerin.
Wie die meisten von Siri Hustvedts Romanen, erzählt auch "Die gleißende Welt" vom Weiblich-Sein in all seinen Facetten, thematisiert das Verhältnis von Kunst und Realität, Mann und Frau und beweist einmal mehr, dass Hustvedt längst aus dem Schatten ihres berühmten Mannes, Paul Auster, herausgetreten ist.