Die besten 10 im April 2015

(c) Suhrkamp

1. Valerie Fritsch (24 Punkte) NEU

"Winters Garten", Suhrkamp

"Valerie Fritsch schreibt den Soundtrack zu Leben und Tod" titelte der Kurier zum Erscheinen ihres neuen Buchs "Winters Garten". In vielen Kritiken wurde die junge Grazer Autorin mit großem Lob bedacht und gilt mittlerweile als eine der Nachwuchshoffnungen der österreichischen Literatur. In ihrem zweiten Roman schreibt Fritsch nichts Geringeres als den Weltuntergang herbei, und meistert dabei die Balance, bildgewaltig von Liebe, Vergänglichkeit und dem großen Geheimnis menschlicher Existenz zu erzählen, ohne dabei in die Übertreibung abzudriften. Anhand einer Familie, die der Apokalypse ins Selbstversorger-Paradies entfliehen will, erzählt Fritsch von einer Gesellschaft, die vor der Auflösung steht. An einer Stelle heißt es dazu: "Es ist traurig, wenn der Tod das größere Spektakel ist als das Leben."

(c) Hanser

2. Arno Geiger (23 Punkte)

"Selbstporträt mit Flusspferd", Hanser

Es taucht unvermutet auf und ist ebenso plötzlich wieder verschwunden. Um ein in Wien gestrandetes Zwergflusspferd muss sich Julian, ein Student der Veterinärmedizin, einen Sommer lang kümmern. Es soll Ordnung und einen geregelten Ablauf in sein Leben bringen. Denn Julians Beziehung ist soeben in die Brüche gegangen und er erfährt zum ersten Mal, welch ein Chaos eine Trennung hinterlässt. "Selbstporträt mit Flusspferd" erzählt von der Suche nach einem Platz in der Welt, den Schwierigkeiten des Erwachsenwerden und dem Unwohlsein in der eigenen Haut. Als "große Herzensangelegenheit" bezeichnet Geiger seinen Roman über die Nöte der "Generation Y".

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(c) Hanser

3. Péter Esterházy (22 Punkte) NEU

"Die Mantel-und-Degen-Version", Hanser

Die Handlung von Péter Esterházys neuem Roman "Die Mantel-und-Degen-Version" entspinnt sich zwischen Pressburg und Konstantinopel, im 17. Jahrhundert, zur Zeit als Ungarn, eingekeilt zwischen den Großmächten der Türken und der Habsburger, seine Stellung behaupten muss. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Pál Nyáry, ein ungarischer Doppelspion, der die Geschicke seines Landes verhandeln soll. Geheimagenten, Herzöge, Verfolgungsjagden und die leichtsinnige Liebe zu einer schönen Frau - Esterházy nimmt seine Leserschaft mit auf eine Zeitreise, nicht ohne Abschweifungen in die Gegenwart mittels der für ihn so typischen Fußnoten.

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(c) S. Fischer

4. Stefano D`Arrigo (21 Punkte) NEU

"Horcynus Orca", S. Fischer

Bis vor kurzem galt das Opus Magnum der italienischen Literatur des 20. Jahrhunderts als unübersetzbar. Nun liegt "Horcynus Orca" auf deutsch vor. Auf 1257 Seiten erzählt Stefano D'Arrigo von nur fünf Tagen im Oktober 1943. Der Matrose der italienischen Kriegsmarine Ndrja flieht vor den Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs, und will zurück in seine sizilianische Heimat. Die Heimkehr über die Straße von Messina gestaltet sich als moderne Odyssee, die vertraute Welt ist in den Verwüstungen des Krieges untergegangen. D'Arrigo adaptiert eine Vielzahl an antiken Mythen für seine phantastische Reise durch Traum, Raum und Zeit und erschafft dafür eine poetische Kunstsprache. "Horcynus Orca" wird zu einem der drei bedeutendsten Meeres-Romane der Weltliteratur gezählt.

(c) Residenz

5. Marie von Ebner-Eschenbach (19 Punkte) NEU

"Aus Franzensbad/ Das Gemeindekind", Residenz

Die Grande Dame der österreichischen Literatur des 19. Jahrhunderts, Marie von Ebner-Eschenbach, hat ein Werk von erstaunlicher Aktualität hinterlassen. Im ersten Teil der auf vier Bände ausgelegten Leseausgabe finden sich ihre fiktiven satirischen Reisebriefe "Aus Franzensbad" von 1858 gemeinsam mit der 1887 erfolgreich publizierte Dorfgeschichte "Das Gemeindekind". Ihr scharfer Blick auf soziale Lebensrealitäten, ihre klar formulierte Gesellschaftskritik und ihr psychologisches Einfühlungsvermögen machen Marie von Ebner-Eschenbach zur großen Erzählerin des österreichischen Spätrealismus. "Es gäbe keine soziale Frage", hat sie einmal geschrieben, "wenn die Reichen von jeher Menschenfreunde gewesen wären."

(c) Zsolnay

6. Friedrich Achleitner (16 Punkte) NEU

"wortgesindel", Paul Zsolnay

Zum 85. Geburtstag des Literaten und Architekturkritikers Friedrich Achleitner erscheint ein neuer Prosaband, der ein weiteres Mal die wahre Leidenschaft seines Autors kenntlich macht: das Spiel mit der Sprache. An die hundert Miniaturen, Dialoge, Aphorismen und Gedichte im Buch zeugen davon. Alltagsbeobachtungen in der U-Bahn, absurde Begebenheiten im Restaurant und diverse Grußbotschaften an seine Freunde und Kollegen der legendären Wiener Gruppe sind in "wortgesindel" versammelt. Achleitner zeigt damit, dass er kunstvoll "den Lauten und Nebenbedeutungen der Wörter nachgeht, und gerade dadurch Bedenkenwertes zutage fördert." (Wiener Zeitung)

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(c) DTV

7. John Williams (15 Punkte) NEU

"Butcher`s Crossing", Deutscher Taschenbuch Verlag

Nach dem großen Erfolg der Wiederentdeckung von John Williams Campus-Roman "Stoner", liegt nun ein weiteres Buch des 1994 verstorbenen US-amerikanischen Autors in deutscher Übersetzung vor: "Butcher's Crossing". Wie in "Stoner" erzählt Williams auch diesmal vom Scheitern, doch wechselt er in eine völlig andere Szenerie. Will Andrews, ein junger Havard-Student, schließt sich im Jahr 1873 dem Jäger Miller an, der Jagd auf eine Büffelherde in den Rocky Mountains machen will. Klar und präzise schildert Williams das Abenteuer in der Wildnis, das zum Vernichtungsfeldzug gegen die letzten Büffel Amerikas wird. Nach ihrer Rückkehr in die Zivilisation finden sie eine veränderte Welt vor. Der Markt für Büffelfelle ist zusammengebrochen und Andrews muss die Vergeblichkeit seines Vorhabens erkennen, er selbst geworden zu sein.

(c) Dörlemann

8. Lydia Tschukowskaja (11 Punkte) NEU

"Untertauchen", Dörlemann

Ein Klassiker der russischen Samisdat-Literatur erfährt in der Übersetzung von Swetlana Geier nun eine deutschsprachige Neuauflage: "Untertauchen" durfte 1949 in der Sowjetunion nicht erscheinen, und fand erst 23 Jahre später einen New Yorker Verlag. Die Dichterin und Literaturkritikerin Lydia Tschukowskaja erzählt darin vom Schicksal einer fiktiven Übersetzerin, das ihrem eigenen in vielem gleicht. Zur Zeit des stalinistischen Terrors wird der Mann der Ich-Erzählerin verschleppt und verschwindet ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt in ein Lager. In einem Erholungsheim für Schriftsteller trifft sie auf einen Heimkehrer, hofft durch ihn die Wahrheit über ihren Mann in Erfahrung zu bringen, und wird bitter enttäuscht. Tschukowskaja entwirft ein "abgrundtief dunkles Portrait" des totalitären Terrors im 20. Jahrhunderts, das dennoch durch seine "radikale Humanität" besticht. (kulturradio rbb)

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(c) Zsolnay

9. ex aequo: Miklós Bánffy (10 Punkte) NEU

"In Stücke gerissen", Paul Zsolnay Verlag

"In Stücke gerissen" ist der dritte Teil einer Trilogie, die die untergegangene Welt der Monarchie aus ungarischer Perspektive wieder auferstehen lässt. Im Zeitraum von 1935 bis 1940 im Original erschienen, dann lange in Vergessenheit geraten, wurden alle drei Bände nun auf Deutsch herausgegeben. Der ungarische Autor Miklós Bánffy, Sohn von Großgrundbesitzern in Siebenbürgen, hat sich mit seinen komplex komponierten Romanen einen Namen als "Tolstoi Transsilvaniens" gemacht. Vor dem Hintergrund der großen Umwälzungen im k.u.k. Reich am Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt Bánffy von rauschenden Festen der höheren Gesellschaft, großen Debatten im ungarischen Parlament und einer großen unerfüllten Liebe.

(c) Folio

9. ex aequo: Drago Jančar (10 Punkte) NEU

"Der Galeerensträfling", Folio

Es ist eine rastlose Odyssee durch das 17. Jahrhundert, von der der slowenische Autor Drago Jančar in seinem Roman "Der Galeerensträfling" erzählt. Hexen, Ketzer, Sekten und Stifter treiben ihr Unwesen. Der Protagonist Johann Otto aus deutschen Landen entflieht der Inquisition und landet an der istrischen Küste auf einer Galeere, wo er zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Jančar, der selbst im Jugoslawien Titos wegen "feindlicher Propaganda" und "publizistischen Ungehorsams" eingesperrt war, spiegelt an der historischen Lebenswelt Terror und Schrecken der jüngeren Zeit. 1978 im Original erschienen, folgt nun eine Neuauflage des Romans, der sich vor allem als "Verteidigung des Individuums mit allen Mitteln großer Erzählkunst" auszeichnet. (Ö1)

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(c) Jung und Jung

9. ex aequo: Erwin Einzinger (10 Punkte) NEU

"Ein kirgisischer Western", Jung und Jung

Ein Western, der entgegen den Erwartungen in den Osten führt, das verspricht man sich vom neuen Roman von Erwin Einzinger. Doch vom Western-Genre bleibt kaum etwas übrig. Ein Aussteiger aus einer ostdeutschen Kleinstadt macht sich auf, um zu Fuß über Polen, die Ukraine, Russland bis nach Kirgisistan zu gelangen. Der Weg wird zur literarischen Bühne für eine Vielzahl an Figuren, Anekdoten, historischen Betrachtungen und Eindrücken, die der Lyriker und Romancier Einzinger mit ungeheurer Fabulierlust voll Wortspielen und kleinen Manierismen, erzählt. Den Fokus legt er dabei auf das Abseitige, Alltägliche und scheinbar Unbedeutende.

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