Die besten 10 im März 2015

(c) Hanser

1. Arno Geiger (27 Punkte) NEU

"Selbstporträt mit Flusspferd", Hanser

Es taucht unvermutet auf und ist ebenso plötzlich wieder verschwunden. Um ein in Wien gestrandetes Zwergflusspferd muss sich Julian, ein Student der Veterinärmedizin, einen Sommer lang kümmern. Es soll Ordnung und einen geregelten Ablauf in sein Leben bringen. Denn Julians Beziehung ist soeben in die Brüche gegangen und er erfährt zum ersten Mal, welch ein Chaos eine Trennung hinterlässt. "Selbstporträt mit Flusspferd" erzählt von der Suche nach einem Platz in der Welt, den Schwierigkeiten des Erwachsenwerden und dem Unwohlsein in der eigenen Haut. Als "große Herzensangelegenheit" bezeichnet Geiger seinen Roman über die Nöte der "Generation Y".

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(c) Droschl Verlag

2. ex aequo: Iris Hanika (15 Punkte) NEU

"Wie der Müll geordnet wird", Droschl

"Wie der Müll geordnet wird" spielt auf den sozialistischen Klassiker „Wie der Stahl gehärtet wurde“ von Nikolai Ostrowski an. Wo dieser aber noch die Frage stellt, wie man ein sinnvolles Leben führen kann, haben sich die Protagonisten in Hanikas Roman im heillosen Durcheinander einer existenziellen Sinnlosigkeit eingerichtet. Der Roman spielt im kapitalistischen Heute – in Berlin unmittelbar nach dem Mauerfall.
Gewohnt scharfsinnig und mit großer Fabulierkunst schreibt Hanika über Sinn und Sinnlosigkeit des Lebens, über Sehnsüchte, Resignation und Aufbruch.

(c) DuMont

2. ex aequo: Michel Houellebecq (15 Punkte)

"Unterwerfung", DuMont

Michel Houellebecqs jüngster Roman sorgte durch seinen unfreiwilligen Bezug auf aktuelle Ereignisse für heftige politische Debatten: der Erscheinungstag der französischen Originalausgabe von "Unterwerfung" fiel just auf den Tag der islamistischen Attentate auf die Pariser Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo".
In seiner Dystopie macht Houellebecq das Schreckensszenario von Pegida und diversen populistischen Rechtsparteien wahr: Im Frankreich der nahen Zukunft kommt mit Hilfe der Konservativen und der Sozialdemokraten ein muslimischer Präsident an die Macht. Der Aufstieg des gemeinsamen Feinds, des Front National, soll damit verhindert werden. Das säkulare Frankreich wird unter dem Halbmond Stück für Stück abgeschafft. Viele Kritiker sind sich einig: mit diesem literarischen Denkexperiment hält der Autor weniger dem Islam, als dem dekadenten Westen und seiner in moralischer Hinsicht zerrütteten Verfasstheit einen Spiegel vor.

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(c) Diogenes

4. ex aequo: Ian McEwan (14 Punkte)

"Kindeswohl", Diogenes

Mit seinem neuen Roman „Kindeswohl“ begibt sich der britische Bestsellerautor Ian McEwan in das Spannungsfeld zwischen Religion und weltlichem Recht, familiärer Verpflichtung und individueller Selbstbestimmung, mitten hinein in ein brisantes moralisches Dilemma. Im Mittelpunkt des Geschehen steht eine Londonder Familienrichterin, deren Mann ihr zu Beginn der Geschichte den Wunsch nach einer außerehelichen Affäre offenbart. Gleichzeitig verlangt ihr der juristische Beruf eine dringende Entscheidung ab: ein 17jähriger Leukämiepatient verweigert auf Geheiß seiner Eltern, Zeugen Jehovas, eine überlebensnotwendige Bluttransfusion. Das Spital drängt auf einen richterlichen Bescheid im Eilverfahren.
"Ian McEwan ist ein Meister analytischer Klarheit in der Problementfaltung seiner Romane" (BR). Er wirft nicht nur komplexe Fragen des Mensch-Seins auf, sondern seine spannungsgeladene Geschichte ist auch in eine diffizile Momentaufnahme der britischen Gesellschaft.

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(c) Droschl Verlag

4. ex aequo: Gertraud Klemm (14 Punkte) NEU

"Aberland", Droschl

"Aberland" ist ein bitterböses Porträt zweier Frauengenerationen, das eindringlich vor Augen führt, dass Feminismus für Elisabeth und Franziska mehr eine Worthülse, als gelebte Realität ist. Mutter und Tochter könnten verschiedener nicht sein und dennoch verbindet sie mehr als ihnen lieb ist: beide sind sie an ihren Träumen und feministischen Vorstellungen gescheitert, beiden ist diese Tatsache schmerzlich bewusst und dennoch sind sie unfähig etwas daran zu ändern.
Scharfsinnig und mit viel Ironie schildert Klemm eine gesellschaftliche Situation, in der mit viel "ja – aber" die wichtigen Entscheidungen verschoben und verhindert werden. Mit einem Auszug aus ihrem neuen Roman hat Gertraud Klemm letztes Jahr beim Bachmannwettbewerb in Klagenfurt den Publikumspreis gewonnen.

(c) Kiepenheuer & Witsch

6. ex aequo: Julian Barnes (12 Punkte) NEU

"Lebensstufen", Kiepenheuer & Witsch

"Jede Liebesgeschichte ist eine potenzielle Leidensgeschichte. Wenn nicht gleich, dann später. Wenn nicht für den einen, dann für den anderen. Manchmal auch für beide", so Julian Barnes in seinem neuen Buch "Lebensstufen". Gewidmet hat er den Prosaband seiner Frau Pat Kavanagh, mit der er fast 30 Jahre verheiratet war, und die 2008 an den Folgen eines Gehirntumors verstorben ist. Empfindsam und leise schreibt Barnes über den Verlust eines geliebten Menschen und über die Wut, die man empfindet, dass sich die Welt trotz allem weiter dreht. "Lebensstufen" besteht aus insgesamt drei Erzählungen, die fein miteinander verwoben sind, und über Liebe und Trauer, über das Ballonfahren und die Fotografie erzählen - ein Buch über die menschliche Existenz, auf der Erde, in der Luft und jenseits dieser Welt.

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(c) dtv

6. ex aequo: Lizzie Doron (12 Punkte) NEU

"Who the Fuck is Kafka", dtv

Können eine Israelin und ein Palästinenser Freunde sein? Diese Frage stellt die israelische Bestseller-Autorin Lizzie Doron in ihrem neuen Roman "Who the fuck is Kafka". Zum ersten Mal erscheint ein Roman von ihr nicht zuerst in Israel, sondern in deutscher Übersetzung. Dabei ist Doron eine der erfolgreichsten israelischen Schriftstellerinnen und eine der wichtigsten Stimmen der "Zweiten Generation". Doch die Zeit für Geschichten über israelisch-palästinensische Freundschaften scheint noch nicht reif.
Lizzie Doron trifft Nadim Abu Hanis, einen Palästinenser aus Ost-Jerusalem, auf einer Friedenskonferenz in Rom. Sie will über ihn und sein Leben als Palästinenser schreiben. Er will über sie, die Israelin, die Tochter europäischer Einwanderer und der Überlebenden der Konzentrationslager, einen Film drehen. Der Roman beschreibt die Entwicklung dieses Unternehmens, das auf wahren Fakten beruht, und den Prozess einer Freundschaft, die beinahe unmöglich scheint. In "Who the fuck ist Kafka" schildert Lizzie Doron intim und persönlich die ganze Tragik des schier endlosen Nahostkonflikts.


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(c) Zsolnay

8. Alfred Polgar (9 Punkte) NEU

"Marlene", Zsolnay

Lange bevor Marlene Dietrich ein Weltstar wurde, zählte Alfred Polgar schon zu ihren Bewunderern. Ehe er vor den Nazis flüchten musste, schrieb er ein Buch über die Dietrich, das jetzt – mehr als 75 Jahre nach seiner Entstehung – zum ersten Mal erscheint.
Polgar, einer der bekanntesten Autoren der Wiener Moderne und Theaterkritiker der Zeitschriften "Weltbühne" und "Tage-Buch", geriet als Jude nach der Machtergreifung der Nazis in große finanzielle und mentale Nöte. In dieser Zeit entstand das Projekt eines Essays über Marlene Dietrich für den Wiener Verlag von Wilhelm Frick. Entstanden ist keine Biografie im eigentlichen Sinne, sondern eine Annäherung an die berühmte Zeitgenossin Dietrich, die ihre Eigenschaften und Eigenheiten, ihre Ausstrahlung und ihren Sexappeal zu fassen sucht.

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(c) S. Fischer

9. Thomas Brussig (8 Punkte) NEU

"Das gibts in keinem Russenfilm", S. Fischer

Mit Romanen wie "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" und "Helden wie wir" ist Thomas Brussig bekannt geworden. Sein großes Thema ist die DDR. Und genau darum geht es auch in seinem neuen Buch "Das gibts in keinem Russenfilm". Was wäre geschehen, wenn die Berliner Mauer 1989 nicht gefallen wäre und die DDR noch immer existieren würde? Brussig wagt ein interessantes Gedankenexperiment und legt mit seinem neuen Roman eine Zeitreise der besonderen Art vor. Er erzählt die schillernde Biographie des berühmten Schriftstellers Thomas Brussig und schreibt nebenbei unsere jüngste Vergangenheit um. Gelungen ist ihm damit eine ebenso rasante wie packende Sozialsatire über fünfzig Jahre Leben in der DDR.