DIE BESTEN 10 IM AUGUST 2012

(c) S. Fischer Verlag

1. Gerhard Roth (38 Punkte)

"Portraits", S. Fischer

Bruno Kreisky, Thomas Bernhard, Elias Canetti, Max Frisch und viele andere mehr – sie alle hat der österreichische Schriftsteller Gerhard Roth in den vergangenen Jahrzehnten getroffen und für Zeitungen und andere Publikationen porträtiert. Es sind behutsame Momentaufnahmen, die Einblicke in das Privatleben, den Charakter und auch das Werk der Künstler, Literaten und Politiker geben.

(c) Droschl

2. Elfriede Gerstl (21 Punkte)

"Mittellange Minis", Droschl

Im Juni wäre die vor drei Jahren verstorbene Wiener Schriftstellerin Elfriede Gerstl 80 Jahre alt geworden. Der Droschl-Verlag startet nun mit "Mittellange Minis" (1962- 1977) eine Gesamtausgabe des Werkes der Dichterin, die mit hintergründigem Wortwitz Unbequemes und Alltägliches auf den Punkt brachte.

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(c) Schöffling & Co

3. Ror Wolf (17 Punkte)

"Die Vorzüge der Dunkelheit", Schöffling

Der 80jährige deutsche Autor beschreibt hier in 29 Kapiteln eine albtraumhafte, kafkaeske Szenerie: Moder und Verwesung, apokalyptische Visionen und surrealistische Motive ergeben ein ebenso beklemmendes wie barock-ausuferndes Bild einer verrückten Welt.

(c) Schöffling

4. Juli Zeh (14 Punkte) NEU

"Nullzeit", Schöffling

Drei Deutsche auf einer Kanareninsel, eine Frau, zwei Männer - ein Kammerspiel mit klaustrophobischer Sogwirkung. Die 38-jährige Autorin Juli Zeh erzählt in "Nullzeit" die alte Geschichte von Liebesleid und Eifersucht. Ein Paar in Beziehungskrise trifft auf Sven, den Tauchlehrer, "einen gescheiterten Juristen, geflohen in den ewigen Kindergarten", wie der Aussteiger im Roman beschrieben wird. "Nullzeit" ist mehr packender Psychothriller denn Beziehungsdrama.

(c) Rowohlt

5. Paul Auster (13 Punkte) NEU

"Sunset Park", Rowohlt

In einem der heruntergekommensten Teile Brooklyns, in "Sunset Park", spielt Paul Austers gleichnamiger neuer Roman. Es ist Spätherbst 2008, kurz nach der Lehman-Brothers-Pleite und der Immobilienkrise. Desillusionierung, Perspektivenlosigkeit und soziale Spannungen dominieren. Auster erzählt die Geschichte von Menschen, die zwangsevakuiert werden und ihre gesamte Existenz verlieren - und er erzählt damit letztlich auch von einem Land, das langsam zu verschwinden droht. Noch nie hat sich Paul Auster so politisch gelesen.

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(c) S. Fischer Verlag

6. ex aequo: Virginia Woolf (12 Punkte) NEU

"Augenblicke des Daseins", S. Fischer

Es ist die Unbestimmbarkeit gegen die Virginia Woolf in ihren fünf autobiographischen Texten anschreibt. Sätze wie "Obwohl es ein guter Tag war, war das Gute eingebettet in eine Art unbestimmte Watte", bestimmen den Tonfall ihres biographischen Schreibens. "Augenblicke des Daseins" enthalten Woolfs berührende Tagebuchaufzeichnungen, zahlreiche Briefe sowie hinreißende Skizzen. Die Texte waren nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sind in einem Zeitraum von 33 Jahren entstanden und blieben zu ihren Lebzeiten unveröffentlicht.

(c) Zsolnay

6. ex aequo: Lilian Faschinger (12 Punkte) NEU

"Die Unzertrennlichen", Zsolnay

Der plötzliche Tod des ewigen Hippies Caspar Fux lässt Sissi, Caspars Tochter, in ihre steirische Heimatgemeinde zurückkehren. Die zeitweilige Rückkehr an den Ort ihrer Kindheit entwickelt sich für die Erzählerin zur Suche nach den Spuren der dort lebenden Freundin Regina, die während ihres Urlaubs auf Procida im Golf von Neapel unter nie geklärten Umständen verschwand. "Mit schonungslosem und bitterbösem Blick schaut Lilian Faschinger auf das Landleben, das in ihren Büchern - dezent überspitzt - vor stumpfsinnigen, denunziatorischen, rechtsradikalen, trunksüchtigen und gewalttätigen Menschen strotzt." - schreibt Sebastian Fasthuber in der Wochenzeitung "Der Falter".

(c) Rowohlt

6. ex aequo: William Faulkner (12 Punkte) NEU

"Als ich im Sterben lag", Rowohlt

William Faulkners "Als ich im Sterben lag" ist ein schmales literarisches Meisterwerk aus dem Jahr 1930, das jetzt bei Rowohlt von Maria Carlsson in Neuübersetzung vorliegt. Die groteske Handlung ist schnell erzählt: Ein Farmer und seine fünf Kinder transportieren die Leiche von Addie, der Ehefrau und Mutter der Kinder, auf einem Maultierkarren in eine vierzig Meilen entfernte Kleinstadt. Berühmt wurde die grell, komische und verrückte Odyssee wegen ihrer multiperspektivischen Erzählweise.

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(c) Metroverlag

9. ex aequo: Anton Kuh (8 Punkte) NEU

"Jetzt können wir schlafen gehen", Metroverlag

"Jetzt können wir schlafen gehen" versammelt zum Teil unveröffentlichte Texte des scharfzüngigen Intellektuellen und zynischen Kritikers Anton Kuh. Als der Journalist Kuh in den zwanziger Jahren von Berlin nach Wien kam, verglich er in seinen Essays und Artikeln oft sehr bissig die beiden Metropolen miteinander: beide Städte und ihre Bewohner werden scharfsichtig skizziert und bekommen ihr Fett weg. "Brillant hinterfragt der von den Nazis 1933 als "Kulturbolschewist" ins Exil gezwungene Klischees, beschreibt zweierlei Wien und geht der Frage nach, was Jesus in Berlin täte. Genial." - meint Gregor Auenhammer in der Zeitung "Der Standard".

(c) S. Fischer Verlag

9. ex aequo: Raymond Carver (8 Punkte)

"Beginners. Uncut – Die Originalfassung", S. Fischer

Raymond Carver ist vielleicht der berühmteste Autor amerikanischer Short Stories im zwanzigsten Jahrhundert. Seine wortkargen Dialoge, die Lakonie der Aussparung, die minimalistischen Details prägten eine ganze Generation von Autoren. Sein posthum erschienenes Buch "Beginners. Uncut" zeigt den 1988 in Washington verstorbenen Autor in einem anderen Licht. "Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden" ist ein Erzählband mit 17 Kurzgeschichten und ist 1981 erschienen. Schon damals war Carver mit den Kürzungen des Lektors äußerst unzufrieden. Jetzt entstand dank der Witwe die Langversion unter dem Titel "Beginners. Uncut." "Der echte, unlektorierte Carver ist umwerfend - weniger cool, dafür viel lebendiger, dramatischer, widersprüchlicher als der Kultautor, den wir bisher kannten" - so die Literaturkritikerin Iris Radisch.

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