DIE BESTEN 10 IM JULI

(c) Hanser

1. Iwan Gontscharow (33 Punkte)

"Oblomow", Hanser

1858 ist der große Klassiker der russischen Literatur "Oblomow" von Iwan Gontscharow erstmals erschienen, nun liegt das Buch in einer Neuübersetzung auf, die den Witz, die Originalität sowie die tragische Tiefe von Oblomows Schicksal besonders hervorhebt. Gontscharows Meisterwerk ist heute zeitgemäßer denn je. Oblomow ist ein lethargischer Mensch. Alles an ihm ist Langsamkeit und Zögerlichkeit. Er kann es sich erlauben, denn er ist einer, der mit dem goldenen Löffel im Mund zur Welt kam. Der junge Adelige ist Sohn von Beruf und versinkt auf seinem russischen Landgut in Träumerei, Schlaf und grenzenloser Faulheit. Er pflegt lieber seine Tagträume, als Ordnung in seinem Leben zu schaffen - ein Loblied auf den Müßiggang mit bitterem Beigeschmack.

(c) Haymon

2. Bettina Balàka: (23 Punkte)

"Kassiopeia", Haymon

Ein junger, von Geldnöten geplagter Erfolgsautor und eine zehn Jahre ältere Frau aus reichem Haus, die nach Venedig fährt, um ihm zu begegnen – das ist der Ausgangspunkt des hintergründig-amüsanten Romans der Salzburger Autorin Bettina Balàka. Raffiniert und lustvoll spielt sie mit gängigen Venedig-Klischees und beschreibt ironisch bis ernsthaft männliche wie weibliche Obsessionen und Hoffnungen, Verführbarkeit und Verführung, Nöte und Wonnen.

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(c) S. Fischer

3. Gerhard Roth (21 Punkte)

"Portraits", S. Fischer

Bruno Kreisky, Thomas Bernhard, Elias Canetti, Max Frisch und viele andere mehr – sie alle hat der österreichische Schriftsteller Gerhard Roth in den vergangenen Jahrzehnten getroffen und für Zeitungen und andere Publikationen porträtiert. Es sind behutsame Momentaufnahmen, die Einblicke in das Privatleben, den Charakter und auch das Werk der Künstler, Literaten und Politiker geben.

(c) Droschl

4. Elfriede Gerstl (17 Punkte) NEU

"Mittellange Minis", Droschl

Im Juni wäre die vor drei Jahren verstorbene Wiener Schriftstellerin Elfriede Gerstl 80 Jahre alt geworden. Der Droschl-Verlag startet nun mit "Mittellange Minis" (1962- 1977) eine Gesamtausgabe des Werkes der Dichterin, die mit hintergründigem Wortwitz Unbequemes und Alltägliches auf den Punkt brachte.

(c) Braumüller

5. Miklós Vajda (16 Punkte)

"Mutterbild in amerikanischem Rahmen", Braumüller

Im Alter von 78 Jahren hat der ungarische Übersetzer und Literaturkritiker mit diesem gefeierten Roman als Schriftsteller debütiert. Vajda beschreibt hier nicht nur das Verhältnis zu seiner Mutter und ihren Lebensweg. Er blickt zugleich zurück auf die Geschichte Ungarns in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und beschreibt eindrucksvoll den Einfluss, den die Judenverfolgung, die Befreiung und der Kommunismus auf ihn und seine Familie hatten.

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(c) Suhrkamp

6. David van Reybrouck (15 Punkte)

"Kongo – Eine Geschichte", Suhrkamp

"Ein Jahrhundertbuch" jubelte das Wochenmagazin "Der Spiegel" und meinte damit das preisgekrönte Sachbuch "Kongo - eine Geschichte" von David van Reybrouck. Der Belgier ist 1971 in Brügge geboren, sein Vater hat als Ingenieur im Kongo gearbeitet und im Sohn die Sehnsucht nach dem fernen Land geweckt. Der Archäologe, Dramaturg, Philosoph und Schriftsteller lässt in seinem Buch mehr als 400 Personen zu Wort kommen, darunter Kindersoldaten, Missionare, Popstars und Politiker. Ein gewaltiges Werk über ein Land, das so reich an Problemen ist wie der Boden an Rohstoffen. Trotzdem reduziert sich Reybrouck nicht auf die Gräueltaten und geht sparsam mit Schuldzuweisungen um.

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(c) Residenz

7. ex aequo: Gerhard Roth (13 Punkte) NEU

"Im Irrgarten der Bilder", Residenz

Seit den 70er Jahren besucht Gerhard Roth immer wieder das Haus der Künstler in Gugging. Seine Fotos und Texte geben ein beeindruckendes Zeugnis von der Kreativität und der Persönlichkeit der dort arbeitenden und lebenden Menschen.

(c) Schöffling

7. ex aequo: Sherwood Anderson (13 Punkte)

"Winesburg, Ohio", Schöffling

Mit diesen neu übersetzten Kurzgeschichten über eine fiktive Kleinstadt, die von seinem eigenen Heimatort inspiriert wurden, wird der große amerikanische Dichter Sherwood Anderson (1876–1912) für die deutschsprachigen Leser wiederentdeckt. Geschrieben sind sie aus der Perspektive eines jungen Lokalreporters, der den Menschen, die sich "im Schatten der Mauer des Lebens" bewegen, begegnet. Voll Feingefühl schildert Anderson die Figuren und macht zugleich Stimmungen und Orte auf besondere Weise plastisch.

(c) Galiani Berlin

9. ex aequo: Irena Brezná (10 Punkte) NEU

"Die undankbare Fremde", Galiani Berlin

1968 verließ Irena Brezná die Tschechoslowakei und emigrierte in die Schweiz. Wie sie in dem auf Ordnung und Sauberkeit bedachtem Land zurecht kam, das so ganz anders als ihre Heimat ist, schildert sie schonungslos und ironisch. "Sie zeigt auf, dass es nur ein Miteinander geben kann, wenn beide Seiten aus ihrer Deckung herauskommen. So eine Einwanderin kann man sich nur wünschen", so "Die Zeit".

(c) S. Fischer

9. ex aequo: Felicitas Hoppe (10 Punkte)

"Hoppe", S. Fischer

Spielerisch, phantasievoll und selbstironisch ist diese Biographie, die eigentlich keine ist. Hoppe fabuliert über ein erfundenes Leben, über Eishockey und Interpreten der klassischen Musik mit ansteckender Freude. "Ein grandios unterhaltsamer Schwindel und zugleich eine radikal romantische Selbstbehauptung in einer virtuosen Prosa, die mit allen postmodernen Wassern gewaschen ist und dabei die schmerzliche Schönheit alter Sehnsuchtweisen erklingen lässt", so "Der Spiegel".

(c) Schöffling

9. ex aequo: Ror Wolf (10 Punkte) NEU

"Die Vorzüge der Dunkelheit", Schöffling

Der 80jährige deutsche Autor beschreibt hier in 29 Kapiteln eine albtraumhafte, kafkaeske Szenerie: Moder und Verwesung, apokalyptische Visionen und surrealistische Motive ergeben ein ebenso beklemmendes wie barock-ausuferndes Bild einer ver-rückten Welt.

(c) Die Andere Bibliothek

Der persönliche Tipp von Norbert Mayer

Raymond Roussel: "Locus Solus", Die Andere Bibliothek

Dieser 1913/14 in "Le Gaulois du dimanche" erschienene Roman ist fantastisch, innovativ, magnetisierend, er spielt in einem großen, mit Wunderwerken ausgestatteten Park bei Paris. Roussel (1877 – 1933) war zu Lebzeiten verkannt. Mit seiner "écriture automatique" hat er die Surrealisten stark beeinflusst und auch den "nouveau roman" der Fünfzigerjahre. Beim Verfassen von "Locus Solus", als die Moderne explodierte, befand sich der Autor auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Seine Texte zeichnen sich durch Musikalität, Assoziationskraft, Wortwitz und Eleganz aus. Dieses Werk ist im Mai als 329. Band der Anderen Bibliothek erschienen. Stefan Zweifel hat die Druckfassung von 1914 durch Episoden aus der Urfassung ergänzt, die er ins Deutsche übertrug. (Sie sind im Französischen noch gar nicht erschienen.) Zudem wurde die 44 Jahre alte Übersetzung Cajetan Freunds revidiert. Das Buch ist klug kommentiert, mit einer Chronologie, Bibliografie und alten Fotografien versehen. Beim Lesen von Roussel lernt man, Roussel zu lesen. Dann wird ein Irrgarten zum "Logicus Solus".