Lang lebe Europa

Künstler rufen die Republik Europa aus
"Stell dir vor, Europa geht unter und keinen interessiert's."

(c) ORF/The European Balcony Project

In Anlehnung an das berühmt-berüchtigte Zitat "Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin", das fälschlicherweise dem deutschen Revoluzzer-Dichter Bert Brecht zugeschrieben wird sorgen die renommierte deutsche Politologin & Autorin Ulrike Guérot und der österreichische Schriftsteller Robert Menasse mit ihrem eindringlichen, wie provokanten Slogan für jede Menge Aufmerksamkeit!

Um nichts weniger als den Zustand Europas geht es den beiden Initiatoren in ihrem großangelegten "European Balcony Project". Denn 100 Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs steckt das Abendland mächtig in der Krise. Ob Brexit oder Katalonien, Verschuldung oder Flüchtlingsfragen, Rechtsruck oder Rassismus – für Robert Menasse, Ulrike Guérot und für den Dritten im Bunde, den Schweizer Regisseur Milo Rau ist es Zeit zu handeln.

"Wollen wir die Zukunft gestalten oder sie erleiden?" fragt sich das "Trio Infernale" und rief am 10. November um exakt 16.00 quer durch die alte Welt die "Republik Europa" aus. An mindestens 120 Orten zwischen Wien und Weimar, Berlin und Budapest, zwischen Lissabon und Ljubljana proklamierten Künstler und Kulturschaffende zeitgleich das Manifest.

(c) ORF/The European Balcony Project

So erklang vom Balkon des Wiener Burgtheaters die Europa-Hymne und Publikumsliebling Peter Simonischek verlas das Europa-Manifest, während der deutsche Schauspielstar Corinna Kirchhoff auf der Berliner Spreebrücke den Text verteilte. Die grenzüberschreitende Aktion basiert eigentlich auf einem ziemlich verrückten Einfall.

Denn Ende 2017 war für Guérot und Menasse die Zeit reif, um eine intensive Debatte über die EU anzustoßen. Grundgedanke dabei war, dass Europa zwar eine gemeinsame Währung, einen gemeinsamen Markt, aber keine gemeinsame Demokratie habe. Ihrer Idee liegt ein Konzept des Gemeinwohls zugrunde, in dem der politische Gleichheitsgrundsatz für alle europäischen Bürger/innen jenseits der nationalen Herkunft gilt.

Mit ihrem "European Balcony Project" plädieren sie für ein dezentrales, bürgernahes, soziales und demokratisches Europa.

Der Schriftsteller Robert Menasse ist live zu Gast im Studio.


TV-Beitrag: Julia Fellerer

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