Altes Lied - neue Töne

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Was geschieht, wenn eine Kärntner Slowenin SängerInnen aus Zimbabwe bittet, mit ihr das "Mölltal-Lied" neu zu interpretieren? Das gewagte Klangexperiment von Lisa Stern führt ins Innerste von Kärnten: zu Tabus, "Stammesfehden", Vorurteilen und zu einem Aufbruch in eine neue Zukunft.

Sängerinnen von Iyasa aus Zimbabwe (c) ORF/Metafilm

Eric Spitzer-Marlyn, Lisa Stern und Sängerinnen von Iyasa aus Zimbabwe

Filmemacher Michael Brauner und Christian Schüller begleiten den Kärntner-slowenisch-afrikanischen Chor bei der Einstudierung der "Kärntner Hymne" und bei Konzerten. Die Reaktionen sind heftig, zwischen spontaner Zustimmung und klarer Ablehnung bleibt kaum ein Spalt. Das musikalische Roadmovie schürft jedoch tiefer und landet mitten in ungelösten Konflikten und Sprachlosigkeit, die hier tief verwurzelt sind.

Sängerinnen von Iyasa aus Zimbabwe (c) ORF-Metafilm

Sängerinnen von Iyasa aus Zimbabwe

Sie sind allgegenwärtig: in der Familie von Lisa Stern, beim traditionellen Männergesangsverein in Velden oder auf dem Peršhmanhof in Bad Eisenkappel, wo eine slowenische Familie Partisanen im Zweiten Weltkrieg versteckt hatte und dies mit dem Leben bezahlen musste. Woher kommen die Ressentiments dem anderen gegenüber, eint doch alle hier von jeher dieselbe Landschaft, ähnliche Sorgen und Glücksmomente?

Das Eigene vom Fremden trennen zu lernen, das wurde im Grenzland Kärnten von Generation zu Generation gegeben. Der uralte, schwelende Konflikt zwischen Kärntnern, die deutsch sprechen und Kärntnern mit slowenischer Identität, sammelt sich in Lisa Sterns Familie wie unter einem Brennglas. Ihr Vater ist Slowene, ihre Mutter stammt aus einer deutschsprachigen Familie.

Eric Spitzer-Marlyn und Lisa Stern (c) ORF/Metafilm

Eric Spitzer-Marlyn und Lisa Stern

Das "Mölltal-Lied", eines jener Kärntner Lieder, die im slowenischen Volkslied münden, durfte bei den slowenischen Großeltern nicht gesungen werden. Lisas Mutter Sophie hat von ihren Eltern über die "Windischen" wenig Gutes gehört. "Es blieb mir nichts übrig, ich musste mich damit auseinandersetzen, wer ich bin", resümiert die Sängerin Lisa Stern. Ihre Suche führte sie weit fort, nach Lateinamerika oder Afrika und schließlich zur Gruppe Iyasa, mit der sie jetzt ein Lied einstudiert hat, in dem vom "besseren Tod" im Mölltal die Rede ist, das in dieser Interpretation aber vor Lebendigkeit nur so strotzt.

Männergesangsverein Velden (c) ORF/Metafilm

Männergesangsverein Velden.

Chor-Kollege Innocent Nkululeko Dube aus Zimbabwe wundert sich, dass manche Europäer heute immer noch von alten Stammeskriegen belastet sind: "Als ich verstand, worum es beim Mölltal-Lied eigentlich geht, wurde mir klar: Es handelt sich um gleichen ethnischen Konflikte. Das gibt es nicht nur bei den Kärntnern, sondern auch in Afrika. Da gab es aber auch viele Mischehen zwischen den Stämmen, eine Art Versöhnung. So erlebe ich es auch auf der Bühne, wenn wir das Mölltal-Lied spielen. Es bringt Menschen zusammen: mit verschiedener Geschichte, mit unterschiedlichem Glauben, aus verschiedenen Kulturen. Das ist in gewisser Weise eine Lösung – weltweit.""

Und tatsächlich, wenn am Ende des Films Kärntner Traditionalisten ob eines Mölltal-Liedes mit ganz neuen Tönen entfesselt in Begeisterung ausbrechen, scheint ein aufgeschlossenes und somit zukunftsfähiges Kärnten "auf der Sunaseitn" ganz nah.

Regie: Michael Brauner und Christian Schüller