Unter Beschuss

Das Heeresgeschichtliche Museum
Vom 30-jährigen Krieg bis zu Prinz Eugen, von Maria Theresia bis zum Attentat in Sarajewo, vom 1. Weltkrieg bis zur ersten Republik und der Diktatur spannt sich der historische Bogen zu Österreichs Militärgeschichte.

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Das Heeresgeschichtliche Museum ist das letzte Museum in Bundesverwaltung, untersteht es doch direkt dem Verteidigungsministerium und ist nicht wie andere Bundes-Museen in die Vollrechtsfähigkeit entlassen.

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Ziel des Hauses ist es, Geschichte anhand von originalen und authentischen Objekten zu vermitteln, nach Ursachen, Dynamiken und Folgen von Krieg und Gewalt im historischen Kontext zu fragen.

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Doch seit vergangenem Herbst kracht es gehörig im Gebälk des Arsenals, einem Militärkomplex aus dem Jahr 1848. Es hagelte Kritik. Im Fokus der Museums-Shop und die inhaltliche Ausrichtung der Ausstellung "Republik und Diktatur"

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Objekte seien nicht kontextualisiert, es werde zu wenig erklärt. Die Verbrechen der Wehrmacht, die Teil der NS-Vernichtungsmaschinerie war, würden nicht ausreichend thematisiert werden.

Historiker kritisieren, der Holocaust sei nur ein Nebenthema und NS-Propagandagemälde seien gänzlich ohne kritische Einbettung ausgestellt. Auch ein rechtes Netzwerk im Museum wollen Kritiker entdeckt haben.

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Das Verteidigungsministerium lässt zur Zeit die Anwürfe von externen Kommission. Ein Zwischenbericht soll im März fertig sein.

"HGMneudenken" heißt eine zivilgesellschaftliche Initiative, die sich aufgrund der jüngsten Ereignisse formiert hat. Rund 30 Historiker, Kulturwissenschaftler und Politologen hinterfragen den Einfluss diverser Lobbys, wie Militärs, Monarchisten und politiknahen Vereinen und fordern ein Zurechtrücken des verzerrten Geschichtsbildes.

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Ein Rechnungshofbericht zum HGM, der für das Frühjahr avisiert ist, soll dem Vernehmen nach auch wirtschaftlich ein desaströses Bild zeichnen. Der Direktorenposten, heißt es, werde ebenfalls im Frühjahr neu ausgeschrieben.

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Christian Ortner, der seit 2005 das Museum leitet, war bis dato auf Tauchstation. Er wird im ORF-Interview erstmals Stellung nehmen. Die Politik ist gefordert und eine jahrzehntealte Debatte um eine notwendige Neuaufstellung des Militärmuseums wieder voll entfacht. Ein Lokal-Augenschein.

Soll das Heeresgeschichtliche Museum mit dem Haus der Geschichte, dessen Zukunft noch immer ungewiss ist, fusioniert werden? Wie soll Geschichte im 21. Jahrhundert vermittelt werden? Wie geht man zeitgemäß mit Erinnerungskultur um? Und wie sieht der internationale Vergleich aus?

Dazu ist die Politologin Ljiljana Radonić von der Akademie der Wissenschaften live zu Gast im Studio.

TV-Beitrag: Marie-Thérèse Mürling & Harald Wilde

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