Die Rückkehr der Biedermanns

Ein gesellschaftspolitischer Backlash
Eine konservative Wertewende vollzieht sich quer durch Europa.

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Frei nach dem Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch scheinen die Brandstifter ausgedient zu haben und die neuen Biedermänner und Biederfrauen feiern sichtlich Hochkonjunktur.

Das Bild einer idyllischen Kleinfamilie und patriarchale Rollenbilder zementieren sich langsam, aber sicher.

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Ein Phänomen, das sich nicht nur in Österreich an konkreten Maßnahmen der türkis-blauen Regierung festmachen lässt, wie die Wiener Philosophin Lisz Hirn in ihrem neuen Buch "Geht's noch" analysiert. Sei es die ganz gewöhnliche Mutterrolle, die Frauen wieder ans Herz gelegt wird, oder Maßnahmen, die den Familienvater als Ernährer stärken sollen.

Abtreibungsgegner fordern in einer Petition das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen und erhalten Unterstützung von hochrangigen Politikern der Regierungsparteien. 

Eine Entwicklung, die auch in Polen oder Ungarn stattfindet. Kritiker erkennen einen gefährlichen konservativen Rückschlag, denn es scheint wieder chic zu sein, sich in Abhängigkeiten zu begeben.

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Dieser Schwenk zu alten Werten meint die Philosophin Hirn hat mit Unsicherheit in der Gesellschaft zu tun. "Progressive, liberale Modelle brauchen viel länger, um Maßnahmen umzusetzen, die sich auch tatsächlich breit verwirklichen lassen", schreibt die Autorin in ihrem Buch. Ihre kontroversielle These: die Emanzipation ist bis dato noch gar nicht gelungen, allein Frauen, die schon privilegiert waren haben davon profitiert.

Künstler und Kulturschaffende analysieren im kulturMontag den Trend rund um das gegenwärtige Geschlechterverhältnis und vergleichen ihn mit dem Kulturphänomen des Biedermeier im 19. Jahrhundert. In der damaligen Zeit gab es einen Rückzug des Bürgertums in die scheinbare Sicherheit des Heimes, um den politischen Restriktionen, gesellschaftlichen Turbulenzen und den Umwälzungen der Industrialisierung zu entgehen. Woher rührt die konservative Wende des 21. Jahrhunderts und welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat sie?

TV-Beitrag: Sandra Krieger & Alina Sklenicka

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