VON DER MACHT DES VERDÄCHTIGENS - EGINALD SCHLATTNER UND DAS SECURITATE-TRAUMA

(c) ORF

Zwanzig Jahre nach der Revolution in Rumänien ein herausfordernder Film: Die Erinnerungen des Schriftstellers und Gefängnispfarrers Eginald Schlattner sind ein markanter Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte des Landes und Zeugnis einer radikalen, persönlichen Selbsterforschung.

Walter Wehmeyer (li.) und Eginald Schlattner (re.) im Archiv der Securitate-Akten (c) ORF-Walter Wehmeier-Tudor Mircea

Walter Wehmeyer (li.) und Eginald Schlattner (re.) im Archiv der Securitate-Akten ("Nationaler Rat für das Studium der Securitate-Akten" CNSAS).

Kinderjahre in schweren Zeiten

Eginald Schlattner, erfuhr in exemplarischer Weise die Schrecken der rumänischen Diktatur. Als Angehöriger der deutschen Minderheit erlebte Eginald Schlattner schon als Zehnjähriger die Hinwendung vieler Siebenbürger Sachsen zum Nationalsozialismus.

Kronstadt, Tribunal für politische Prozesse, Stalindenkmal (Postkarte aus den 60er Jahren) (c) ORF-Walter Wehmeier-Tudor Mircea

Kronstadt, Tribunal für politische Prozesse, Stalindenkmal (Postkarte aus den 60er Jahren)

Verhängnisvolle Studentenjahre

Ende der 50er Jahre wird Schlattner als Student vom rumänischen Geheimdienst, der Securitate festgenommen. Die Schergen quälen ihn mit Schlafentzug und Schlägen. Nach Monaten schwerer Verhöre entscheidet er sich, damals vom Kommunismus überzeugt, Informationen über mehrere regimekritische Autoren preiszugeben.

Pfarrhof Eginald Schlattners in Rothberg, Siebenbürgen (c) ORF-Walter Wehmeier-Tudor Mircea

Pfarrhof Eginald Schlattners in Rothberg, Siebenbürgen.

Erinnerungen eines umstrittenen Schriftstellers

In seinem kontrovers diskutierten Roman "Rote Handschuhe" rekapituliert Schlattner die zwei Jahre seiner Haft. Das Buch offenbart minutiös den Psychoterror des Geheimdienstes.

Der evangelische Pfarrer Eginald Schlattner zu Besuch bei einem christlich-orthodoxen Begräbnis in Rothberg (c) ORF - Walter Wehmeier

Der evangelische Pfarrer Eginald Schlattner zu Besuch bei einem christlich-orthodoxen Begräbnis in Rothberg.

Zwei Jahrzehnte nach Ceaucescu

Bis heute wird die damalige Preisgabe der Namen von Schlattners Freunden von manchen immer noch als feiger Verrat empfunden. Ob zu Recht ist eine der Grundfragen dieses Dokumentarfilms. Die psychischen Wunden von damals sind jedenfalls immer noch nicht verheilt. Die filmischen Erinnerungen des umstrittenen Schriftstellers sind in diesem Zusammenhang als Zeugnis einer radikalen Selbsterforschung zu sehen.

Gefangenenlager für politische Gefangene, Donaudelta (c) ORF-Walter Wehmeier-Tudor Mircea

Gefangenenlager für politische Gefangene, Donaudelta

Beeindruckende Spurensuche

Der eindringliche Dokumentarfilm von Regisseur Walter Wehmeyer lässt den in Siebenbürgen lebenden Autor und mehrere seiner Schicksalsgenossen, die Folter und Demütigungen des rumänischen Regimes als politisch Inhaftierte überlebten, ausführlich zu Wort kommen. Die Recherchen führten Regisseur Wehmeyer auch zu ehemaligen Securitate-Offizieren, in ein ehemaliges Straflager und in die Behörde zur Aufarbeitung der Securitate-Akten.

Dokumentarfilm - A 2008
Koproduktion: Walter Wehmeyer Filmproduktion / 3-Sat / ORF