EIN HALBES LEBEN

(c) ORF

Der Film ist für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Der Film erzählt die Geschichte zweier Männer, die auf entsetzliche Art ein halbes Leben lang miteinander verbunden sind, ohne einander jemals begegnet zu sein.

Opfervater auf Täterjagd

Matthias Habich ("Das Urteil", "Silberhochzeit") als Vater eines ermordeten Vergewaltigungsopfers kann sich mit dem Tod seiner Tochter nicht abfinden – und noch weniger mit der Tatsache, dass der Täter trotz massiver Spuren nie ermittelt wurde.

Wolfgang Böck - Matthias Habich (c) ORF/Allegro-Film/Petro Domenigg

Wolfgang Böck, Matthias Habich

Ein halbes Leben lang gibt Peter Grabowski die Hoffnung nicht auf und sucht, fahndet und recherchiert – zum Großteil auf eigene Faust.

Hoffen und Bangen eines Täters

Ein halbes Leben lang lebt jedoch auch der Mörder Ulrich Lenz, mittlerweile Familienvater – dargestellt von Josef Hader –, immer mit der Angst im Nacken, überführt zu werden.

Anna Yntema, Josef Hader (c) ORF/Allegro-Film/Petro Domenigg

Anna Yntema, Hosef Hader

Gut zwanzig Jahre nach dem Mord, als sich die DNA-Analyse in der Gerichtsmedizin durchzusetzen beginnt, scheint das Hoffen und Bangen für beide Seiten beendet zu sein.

Die Ambivalenz der menschlichen Seele

Als Grundlage für "Ein halbes Leben" diente ein ähnlich gelagerter Fall im Deutschland der 80er Jahre: Dort wurde der Täter mit Hilfe der neuen Analysetechniken tatsächlich nach etwa 20 Jahren verhaftet und verurteilt.

Die Herausforderung bei seinem jüngsten Projekt liegt für Drehbuchautor und Regisseur Nikolaus Leytner darin: "... den Figuren und ihren Konflikten ohne Parteinahme gerecht zu werden. Im Verhandeln der Problematik nicht zu argumentieren, sondern zu zeigen. Genauigkeit statt Polemik."

Josef Hader (c) ORF/Allegro-Film/Petro Domenigg

Josef Hader

"Der Film zeigt, wer hier aller unter die Räder kommt, und zwar nicht nur das Opfer, sondern auch die Angehörigen des Opfers, das Kind des Täters oder der Täter selbst als Mensch", erklärt Hauptdarsteller Josef Hader.

Dass er als Täter zum Teil auch einen durchaus sympathischen Eindruck hinterlässt, sieht er nicht als Problem: "Über die Tätergeschichte erfährt man auch etwas über den Menschen an sich. Unsere Gesellschaft grenzt solche Menschen aus ihrer Spezies aus. Damit macht man sich's angenehm, denn wenn die nicht zur eigenen Gattung gehören, geht's einem selbst besser", so Hader.

Zuschauer gefordert, mitzudenken

Deshalb habe der Film auch mehrere Ebenen: "Aber es ist mir nicht darum gegangen alle Stränge zum Schluss zu verknüpfen, sondern einiges offen zu lassen. Die Idee war, durch die Gegenüberstellung der beiden Männergeschichten eine dritte Geschichte entstehen zu lassen. Hier ist der Zuschauer gefordert, mitzudenken und in seinem Kopf vorhandene Lücken zu schließen", so Leytner.

Nach den TV-Dramen "Die Entscheidung" (zum Thema Organhandel) und "Die Geschworene" (über einen österreichischen Justizskandal), hat Leytner mit "Ein halbes Leben" wieder ein außergewöhnliches und unbequemes Thema einfühlsam und spannend behandelt.

Mit Matthias Habich (Peter Grabowski), Josef Hader (Lenz), Franziska Walser (Marianne Grabowski), Wolfgang Böck (Max Hauer), Ingrid Burkhard (Frau Molnar), Katharina Straßer (Sabine), Ursula Strauss (Beate), Cornelius Obonya (Paul Raich), Franziska Weisz (Dr. Anna Lorenz), Wolfgang S. Zechmayer (Phillip Winter), Anna Yntema (Kiki 5 Jahre), Kristina Yntema (Kiki 7 Jahre) u.a.

Drehbuch und Regie: Nikolaus Leytner
Koproduktion ZDF/ORF/Allegro Film
Fernsehfilm, AUT/DEU 2008