BALKAN BLUES - DIE WIENER TSCHUSCHENKAPELLE AUF BALKANTOUR

(c) ORF

Sie war schon fast überall, die "Wiener Tschuschenkapelle" – von Marokko bis Zimbabwe, von Kanada bis Brasilien, von Belgien bis Italien. Aber voriges Jahr tourte sie erstmals durch jene Länder, aus denen ihre Lieder - und auch die meisten Mitglieder der Band stammen.

Tschuschen-Blues goes Balkan

In Kroatien und Bosnien, in Serbien, Mazedonien und Albanien präsentierten "Obertschusch" Slavko Ninic' und seine vier musikalischen Mitstreiter ihre Interpretation von Balkan-Musik, die durch das Leben in der Wiener "Diaspora" mitgeprägt wurde.

Balkan Blues (c) ORF/Peter Kuthan

Slavko Ninic in Belgrad

Mehr als ein Tour-Tagebuch

Der Film "Balkan Blues" von Wolfgang Beyer dokumentiert diese Reise; er ist aber weit mehr als das Tour-Tagebuch einer bekannten Band, die heuer ihr zwanzigjähriges Bestehen feiert: erzählt wird von Begegnungen mit anderen Kulturen wie jener der Rom in Serbien; von den Wunden des Balkankrieges, die noch lange nicht verheilt sind; und von den Möglichkeiten der Musik, dem Gift des Rassismus und Nationalismus entgegen zu wirken.

Balkan Blues (c) ORF/Peter Kuthan

Besuch bei bei Freunden in Korenica.

Der Blues aus Sarajevo

Höhepunkt der "Sevdah Transversale" – so der Titel der Tour – war zweifellos der Aufenthalt in Bosnien-Herzegowina. Denn Sarajevo ist die Metropole der Sevdah-, oder Sevdalinka-Musik, die man als "Balkan-Blues" bezeichnen könnte; einer musikalischen Tradition, vergleichbar etwa dem Fado oder Rembetiko.

Balkan Blues (c) ORF/Peter Kuthan

Dreharbeiten in Sarajevo

Zu sehen und zu hören sind Größen dieser faszinierend-sentimentalen Lieder, etwa Hanka Paldum und Sejo Pitic', die in einer Art "Sevdah-Session" gemeinsam mit der "Wiener Tschuschenkapelle" aufgetreten sind. Einige von ihnen waren heuer beim "Balkan Fever"- Festival zu Gast in Wien, wo Sevdalinka gerade erst entdeckt wird.

Das Verhältnis von Musik und Politik

Das Verhältnis von Musik und Politik ist auch wesentliches Thema dieses Films. "Balkan Blues" ist ein eindrucksvolles Plädoyer für die friedliche Koexistenz von Kulturen, Ethnien und Religionen.

Regisseur Wolfgang Beyer ist Autor zahlreicher Dokumentarfilme zu musikalischen Themen. In dem - von der Kritik hoch gelobten - Film "Schlurf – Im Swing gegen den Gleichschritt" erzählte er (gemeinsam mit ORF-Filmemacherin Mona Ladurner) von Jazz-begeisterten Jugendlichen, die der Nazi-Diktatur trotzten; in filmischen Porträts von Komponisten wie Viktor Ullmann und Ernst Krenek, die vom Nationalsozialismus verfolgt wurden, stellte er die Frage nach der Wirkung von Kunst in totalitären Gesellschaften.


Dokumentarfilm - A 2009
Co-Produktion: Fischer Film / ORF