Purim-Spil: Joshua Sobols Linz-Stück

Ein archaisches Spektakel an geschichtsträchtigem Ort

An geschichtsträchtiger Stelle ist auch das neue Stück des israelischen Stardramatikers Joshua Sobol verortet: "Purimspil" heißt dieses archaische, karnevalseke und schmerzliche Spiel vom Überleben, das im Rahmen von Linz 09 uraufgeführt wird. Regisseur David Maayan hat es in den Cembran-Keller verlegt, den Hitler einst von KZ-Häftlingen zum Luftschutzstollen ausbauen ließ.

Purimspil (c) Linz09 - Copyright: Nick Mangafas

Purimspil

Am 10. März wird das wohl ausgelassenste Fest des Judentums gefeiert: Purim. Gedacht wird an diesem Tag der Rettung der persischen Juden durch die Königin Ester vor knapp 2500 Jahren. Die Verwandtschaft mit dem christlichen Karneval ist augenscheinlich: Maskierungen und ausschweifende Partys gehören zum guten Ton. Die Narrenfreiheit macht die Auflehnung gegen die Obrigkeit zu einem Teil der Purim-Tradition.

Joshua Sobol (c) ORF - APA-FOTO: GUENTER R. ARTINGER

Die Grauzone

Der israelische Stardramatiker Joshua Sobol (im Bild) bearbeitete und übersetzte den Text für "Purimspiel", dessen Ausgangspunkt dieses rebellische und rauschende Fest ist. An Purim werden die Grenzen zwischen Gegensatzpaaren wie Gut und Böse, Vergangenheit und Zukunft sowie Macht und Ohnmacht durchlässig.

Die Spielstätte des Stücks steht für diese Grauzone. Der Linzer Cembrankeller ist heute ein stylisher Weinkeller und beliebte Party-Location, doch während des 2. Weltkriegs mussten KZ-Häftlinge in Schwerstarbeit die Stollen vorantreiben, um der Linzer Bevölkerung Schutz bei Bombardements bieten zu können.

Diese dunkle Vergangenheit des Schauplatzes schwingt in der Inszenierung von Regisseur David Maayan mit. Nicht nur die Geschichte des Purim-Festes wird erzählt, die Schauspieler entführen das Publikum in ihre künstlerischen Realitäten in den Tiefen des Kellers.

Premiere: 11. März 2009 im Linzer Cembrankeller

TV-Beitrag: Marie-Therese Thill