ROBERT REDFORD

Der inzwischen 81-jährige Oscargewinner ("Ordinary People" - Eine ganz normale Familie - Beste Regie) und Begründer des Sundance Filmfestivals gehört noch lange nicht zum alten Eisen und ist weiterhin in Hollywood sehr beschäftigt - in einer seiner drei Funktionen als Produzent, Regisseur oder Schauspieler. Im August 2018 kündigte er jedoch seinen Rückzug aus dem Schauspielgeschäft an - ob er noch weiter als Regisseur arbeiten will wird man sehen.

Im Bild: Robert Redford als Buschpilot Denys Finch Hatton in "Jenseits von Afrika"(c)ORF/Universal

Traum vom Künstlerleben in Paris

Über ein Baseball-Stipendium besucht der athletische Sunnyboy aus Kalifornien (am 18.8. 1936 in Santa Monica geboren) die University of Colorado, verliert aber bald das Interesse und fliegt nach zwei Jahren wegen Trunkenheit von der Schule. Nach einigen Monaten harter Arbeit auf den Ölfeldern von Kalifornien folgt er seinem Traum, Künstler zu werden und geht nach Paris. Monatelang reist er durch Europa, um das bunte Treiben in Bars und Cafés in Skizzen festzuhalten. Nach seiner Rückkehr in die Staaten inskribiert er an einer renommierten Kunstschule in Brooklyn, nimmt aber nebenbei Schauspielunterricht an der "American Academy of Dramatic Arts".

Im Bild: Paul Newman (Henry Gondorff), Robert Redford (Johnny Hooker)(c)ORF/Universal

Kongeniale Partnerschaft mit Paul Newman

Nach einigen kleinen Erfolgen am Broadway versucht der Newcomer auch im Filmgeschäft Fuß zu fassen. Ironischerweise gelingt ihm der Durchbruch erst mit der Verfilmung des Broadway-Hits "Barfuss im Park" (1967) mit Jane Fonda, mit dem er bereits Anfang der 1960er Jahre große Erfolge am Broadway feierte. In die erste Riege der Hollywood-Liga spielt er sich, Seite an Seite mit Hollywood-Legende Paul Newman, als Revolverheld Sundance Kid in der oscargekrönten Westernkomödie "Zwei Banditen" ("Butch Cassidy and the Sundance Kid", 1969) von Regisseur George Roy Hill. Das Erfolgsgespann trifft erneut in der Gaunerkomödie "Der Clou" (siehe Bild, 1973) aufeinander.

Redford und Streisand

In dem Romantikdrama "So wie wir waren" ("The Way We Were", 1973) darf er seinen Golden-Boy-Charme bei Barbra Streisand ausspielen. Die Diva steuert dabei auch den Oscar-gekrönten Song "The Way We Were" bei. Fast 30 Jahre später treffen die beiden Superstars erneut aufeinander, als Barbra Streisand ihrem einstigen Kollegen den Ehrenoscar im Jahre 2002 überreichte.

Im Bild: Robert Redford mit seinem Ehrenoscar und Präsentatorin Barbra Streisand, am 24. März 2002 bei den Academy Awards in Hollywood. Quelle: APA/AFP PHOTO/Mike NELSON

Als geheimnisvoller Millionär Jay Gatsby buhlt er um die Gunst der Gesellschaftsprinzessin Daisy (Mia Farrow) in der Verfilmung von F. Scott Fitzgeralds "Der große Gatsby" (1974).

Vier Oscars für "Die Unbestechlichen"

Er will sich aber keineswegs auf romantische Liebesrollen festlegen, sondern wendet sich politischen Interessen zu. Die USA hatte sich gerade vom Watergate Skandal von 1972 erholt, als Redford beschließt, das hochbrisante Buch "All the President's Men" zu verfilmen. Er übernimmt dabei die Rolle sowohl des Produzenten als auch des "Washington Post" Reporters Bob Woodward. Als Co-Partner engagiert Redford den Oscar-gekrönten Star von "Die Reifeprüfung", Dustin Hoffman. (Redford wurde die Rolle des College-Absolventen ebenfalls angeboten, doch er lehnte mit der Begründung ab, dessen "Naivität" nicht überzeugend darstellen zu können.) 1976 kommt der Film "Die Unbestechlichen" ("All the President's Men") unter der Regie von Alan Pakula heraus und wird ein überwältigender Erfolg, ausgezeichnet mit vier Oscars.

Unumstrittener Gagen-König der 1970er

Noch im selben Jahr beginnt er die Dreharbeiten für den starbesetzten Kriegsfilm "Die Brücke von Arnheim" (1977). Er sticht dabei Steve McQueen aus, der wegen absurder Gagenforderungen aus dem Rennen fällt. Der britische Altregisseur Richard Attenborough führt Regie in diesem Monumentalepos über die größte Luftfahrtoperation der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Redford bekommt die damals astronomisch anmutende Gage von $2 Millionen Dollar.

Im Bild: Regisseur Robert Redford flankiert von Melanie Griffith und Sonia Braga, bei der Vorführung des Films "Milagro" am 15. Mai 1988 während des Internationalen Filmfestivals von Cannes (c)APA/AFP

Im Bild: Robert Redford (Denys Finch Hatton), Meryl Streep (Karen Blixen)(c)ORF/Universal

Oscar-Erfolg hinter der Kamera

Ab 1980 macht sich das Multitalent auch als Regisseur einen Namen. Sein Regiedebüt "Eine ganz normale Familie"("Ordinary People") beschert ihm den ersten Oscar seiner Karriere. Eine Oscarnominierung für beste Regie erhält er für "Quiz Show" (1994). Abwechselnd tritt er nun vor und hinter die Kamera und beweist nach wie vor, dass er das Zeug zum romantischen Helden hat (mit immer jünger werdenden Filmpartnerinnen): "Jenseits von Afrika" (i. Bild, 1985) mit Meryl Streep (11 Jahre jünger), "Aus nächster Nähe" (1996) mit Michelle Pfeiffer (20 Jahre jünger), und "Der Pferdeflüsterer" (1998) mit Kristin Scott Thomas (22 Jahre Altersunterschied), in dem er auch Regie führt.

Im Jahre 2012 sah man den Star in dem von ihm selbst inszenierten Politdrama "The Company you Keep"(2012) mit Shia LBeouf, das bei den Filmfestspielen von Venedig zwei Preise gewann.

Robert Redford, beim Sundance Film Festival in Park City, Utah, 21. Januar 2016. / APA/AFP / Valerie MACON

Im Spionage-Thriller "Spy Game - Der finale Countdown"(2001) spielt Redford einen alten Haudegen der CIA, der seinem Schützling Brad Pitt das Leben rettet. 2003 war der Schauspieler als Entführungsopfer im Thriller "The Clearing - Anatomie einer Entführung" (2003) an der Seite von Fiesling Willem Dafoe zu sehen. Im Jahr 2007 stand er gemeinsam mit Tom Cruise und Meryl Streep für den (von ihm inszenierten) Politthriller "Von Löwen und Lämmern" vor der Kamera.

Im Jahre 2010 führte Robert Redford Regie bei dem Historiendrama "The Conspirator", das die Ermordung Abraham Lincolns zum Thema hatte. Im prominent besetzten Cast fanden sich u.a. Hochkaräter wie Kevin Kline, James McAvoy, Alexis Bledel, Evan Rachel Wood sowie Oscarnominee Tom Wilkinson.

Förderer des Independent Films
1980 gründet er das Sundance Film Institute in Park City, Utah, das mit dem Sundance Film Festival längst zum Hotspot der Independent Film-Szene geworden ist.
Im Bild: Robert Redford während des Sundance Film Festivals in Park City, Utah am 21.Jänner 2016(c)APA/AFP / Valerie MACON

Survival-Drama "All is Lost"

Für das Seglerdrama "All is Lost"(2013) besteht der damals 77-Jährige als namenloser Skipper mitten im Indischen Ozean mit seinem havarierten Boot den ultimativen Überlebenskampf. Redfords intensive One-Man-Show brachte ihm eine Golden-Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller ein.

Gerade rechtzeitig zu seinem 80. Geburtstag kam am 25. August 2016 die Disney-Produktion "Elliot, der Drache" ("Pete's Dragon" im Original) in die Kinos, in der Redford den fabulierenden Holzschnitzer Mr. Meacham gab, der den Kindern in der Nachbarschaft gerne Geschichten über wilde Drachen erzählt.

Quelle: APA/AFP/Valery Hache

PRIVATES

Redford heiratet 1958 die Konsumentenaktivistin Lola Jean Van Wegenen. Nach vier gemeinsamen Kindern und fast 30 Ehejahren wird das Paar 1985 geschieden. Nach einer kurzen Beziehung mit Schauspielerin Sonia Braga, die er während der Dreharbeiten zu "Der Krieg im Bohnenfeld" kennenlernt, lebt der Star seit dem Jahre 1999 mit der deutschen Künstlerin Sibylle Szaggars (i. Bild re.) zusammen. Zum zehnjährigen Jubiläum ihrer Beziehung führte der inzwischen 73-Jährige Bräutigam seine Sibylle (damals 51) im Juli 2009 vor den Traualtar in einer Zeremonie im kleinsten Kreis in Hamburg.
Im Bild: Robert Redford und seine Ehefrau Sibylle Szaggars bei der "Princess Grace Awards Gala", am 5. September 5, 2015 in Monaco.(c)AFP PHOTO / VALERY HACHE

FILMOGRAFIE (Auswahl)

(Als Schauspieler, wenn nicht anders angegeben)
2018 Unsere Seelen bei Nacht
2015 Truth
2013 All Is Lost
2007 Lions for Lambs (Regie, Schauspieler)
2005 An Unfinished Life
2003 The Clearing (Anatomie einer Entführung)
2001 Spy Game - Der finale Countdown
2001 Die letzte Festung (The Last Castle)
2000 Die Legende von Bagger Vance (The Legend of Bagger Vance) - Regie, Produzent
1998 Zivilprozess (A Civil Action) - Produzent
1998 Der Pferdeflüsterer (The Horse Whisperer) - Schauspieler, Regie, Produzent
1996 Aus nächster Nähe (Up Close and Personal)
1994 Quiz Show (Quiz Show) - Regie, Produzent
1993 Ein unmoralisches Angebot (Indecent Proposal)
1992 Aus der Mitte entspringt ein Fluss (A River Runs Through It) - Regie, Produzent
1992 Sneakers - Die Lautlosen (Sneakers)
1990 Havanna (Havana)
1988 Milagro - Der Krieg im Bohnenfeld (The Milagro Beanfield War) - Regie, Produzent
1986 Staatsanwälte küsst man nicht (Legal Eagles)
1985 Jenseits von Afrika (Out of Africa)
1984 Der Unbeugsame (The Natural)
1980 Eine ganz normale Familie (Ordinary People) - Regie
1980 Brubaker
1979 Der elektrische Reiter (The Electric Horseman)
1977 Die Brücke von Arnheim (A Bridge Too Far)
1976 Die Unbestechlichen (All The President's Men)
1975 Tollkühne Flieger (The Great Waldo Pepper)
1975 Die drei Tage des Condor (Three Days of the Condor)
1974 Der große Gatsby (The Great Gatsby)
1973 So wie wir waren (The Way We Were)
1973 Der Clou (The Sting)
1972 Bill McKay - Der Kandidat (The Candidate)
1969 Zwei Banditen (Butch Cassidy and the Sundance Kid)
1967 Barfuß im Park (Barefoot in the Park)
1966 Ein Mann wird gejagt (The Chase)
1962 Hinter feindlichen Linien (War Hunt)