23:05

Dokumentarfilm

VPS 23:04

AUT 2005

Stereo

16:9

ORF 2 Europe

Länge: 1h 22min

UT

tv.orf.at/dokfilm

dokFilm

Erik(A) - der Mann, der Weltmeisterin wurde

(c) ORF

Regisseur Kurt Mayer rollt in seinem Dokumentarfilm ein faszinierendes Kapitel österreichischer Sportgeschichte auf. 1966 geriet die Skination Österreich in Ekstase, als das 18-jährige Bauernmädchen Erika Schinegger im fernen Chile den Weltmeistertitel in der Abfahrt holte.

(c) ORF/Kurt Mayer Film

Was damals nur Schinegger irgendwie ahnte, erwies sich bald darauf als Tatsache und schockte die Sportwelt:

Erika bei einem Rennen (c) ORF/Kurt Mayer Film

Das Naturtalent aus einem kleinen Dorf in Kärnten war in Wirklichkeit ein junger Mann, dessen Geschlechtsorgane in den Kinder- und Jugendjahren noch nicht eindeutig ausgeprägt waren. Als das Internationale Olympische Komitee Sex-Kontrollen einführte, brach für Schinegger die Welt zusammen.

(c) ORF/Kurt Mayer Film

In einem Akt auch heute noch unglaublich anmutender Courage ließ Schinegger operativ sein Geschlecht "richtig stellen", wie er es nennt, und begann danach im Alter von 20 Jahren neu: als Erik.

Erik fuhr weiterhin Skirennen, ehe er - die ehemalige Weltmeisterin - vom Österreichischen Skiverband unter dem Vorwand, der Medienrummel sei zu groß, kaltgestellt wurde.

Als erfolgreicher Skischulbesitzer und Gastronom spricht Erik Schinegger in "Erik(A) – der Mann, der Weltmeisterin wurde" offen und eloquent von seinen Erlebnissen – zu einer Zeit, als Intersexualität noch weitgehend unbekannt war und Geschlechtsumwandlungen von der Gesellschaft sehr skeptisch beäugt und von der Politik so gut wie gar nicht wahrgenommen wurden.

(c) ORF/Kurt Mayer Film

Karl Schranz, Erik Schinegger

Obwohl heute einigermaßen souverän, merkt man den ehemaligen Skifunktionären, dem damaligen Teamarzt und Journalisten, die im Film zu Wort kommen, ihre damalige Überforderung an. Einige sprechen diese Überforderung auch selbst an und erzählen von den damaligen gesellschaftlichen Umständen.

Erik Schinegger mit Mutter (c) ORF/Kurt Mayer Film

Auch die Frauen in Schineggers Leben berichten über ihre Wahrnehmungen: Schineggers Mutter, seine Ex- und seine Ehefrau sowie seine Tochter sprechen über den Wandel von Erika zu Erik. Jugendfreundinnen erinnern sich an die gemeinsamen Tage der Kindheit und der Pubertät, und es kommt zu höchst emotionalen Begegnungen mit früheren Teamkolleginnen, die Jahrzehnte später immer noch erstaunt sind, dass aus einer Frau ein Mann wurde.

"Erik(A) – der Mann, der Weltmeisterin wurde" zeichnet das vielseitige Bild eines außergewöhnlichen Menschen mit allen Höhen und Tiefen; ein Bild von jemandem, der sein Schicksal auf eine Weise in die Hand genommen hat, die Respekt und Bewunderung abverlangt. Erik Schinegger und seine Geschichte bieten ein frühes Positivbeispiel für den Umgang mit nicht-binären Geschlechtsidentitäten (egal, ob temporär oder bleibend), über die bis heute gesellschaftspolitisch wenig Aufklärung besteht.

(c) ORF/Kurt Mayer Film

Olga Scartezzini-Pall, Erik Schinegger

Regie
Kurt Mayer

DOKUMENTARFILM IN ÖSTERREICH

dok.at, die Interessensgemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm, ist der einzige professionelle Filmverband in Österreich, der sich gezielt für den Dokumentarfilm einsetzt.
Die Gruppe umfasst sowohl Regisseure und Regisseurinnen als auch Produktionsfirmen und versteht sich als film- und medienspezifische Lobby der Dokumentarfilmschaffenden in Österreich.

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