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VPS 20:15

DEU

Stereo

16:9

Länge: 45min

UT

Wiederholung am
19.07.2017, 02:23

tv.ORF.at/universum

Universum

Im Reich der wilden Bienen

Für die meisten Menschen ist die Biene die "Honigbiene". Ihr Volk, bestehend aus einer Königin und einigen zehntausend Arbeiterinnen, produziert Honig und Wachs im Dienste der Menschen. Doch allein in Mitteleuropa kommen über 560 weitere Bienenarten vor. Die meisten davon leben nicht gesellig in Kolonien, sondern einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Die Verhaltens- und Lebensweisen dieser Wildbienen sind so vielfältig wie ihr Aussehen und ihre Lebensräume. Die Universum-Dokumentation zeigt die große Vielfalt der heimischen Wildbienen, dazu spannende Kämpfe und fantastische Bauwerke. Die Welt dieser farbenfrohen Individuen hat all dies und noch viel mehr zu bieten.
Ein Film von Jan Haft
Bearbeitung Doris Hochmayr

ORF/BR/Stefan Gaspari

Im Bild: Wildbiene.

Bienen sind Einzelgänger

Spricht der Mensch von Bienen, ist meist die Honigbiene gemeint. Sie zählt zu den kleinsten Nutztieren der Welt, gilt als fleißig und nützlich. Weit weniger Aufmerksamkeit bleibt für die wilden verwandten der Honigbiene, von denen weltweit rund 20.000 Arten bekannt sind, immerhin etwa 690 davon sind in Österreich heimisch. Viele dieser Arten leben als Einzelgänger, sie liefern keinen Honig, sind aber bei Weitem keine nutzlosen Brummer – denn sie leisten den Großteil der gesamten Bestäubungsarbeit aller Wild- und Kulturpflanzen. Ihr Beitrag zur Landwirtschaft ist damit beträchtlich. Doch die Zahl der Wildbienen schwindet. Ursache ist einmal mehr: der Mensch.

Die neue „Universum“-Dokumentation „Im Reich der wilden Bienen“ von Regisseur Jan Haft (Bearbeitung: Doris Hochmayr) gibt am Dienstag, dem 18. Juli, um 20.15 Uhr in ORF 2 einen umfangreichen Einblick in die wenig bekannten Lebensweisen der heimischen Wildbienen. Der Film verdeutlicht die unschätzbare Rolle der Wildbienen als Erhalter natürlicher Kreisläufe innerhalb ihrer Lebensräume. Sie sind zähe Arbeiter, clevere Kämpfer und kreative Baukünstler. Nahaufnahmen entführen in die Wohnstuben der Sandbienenvölker, in die kunstvoll errichteten Brutzellen der Mauerbienen, beobachten Mohnbienen bei ihren unermüdlichen Arbeitseinsätzen und Wollbienen bei mutigen Kämpfen gegen übermächtige Gegner.

ORF/BR/Stefan Gaspari

Im Bild: Langhornbiene.

Riesen und Zwerge

Die Lebensweisen der sogenannten Wildbienen sind so vielfältig wie ihr Aussehen. Unter ihnen gibt es Zwerge, die gerade einmal drei Millimeter lang sind, ebenso wie Riesen, die vier Zentimeter groß werden können. Einige bilden Staaten mit mehreren Tausend Individuen, andere brüten in losen Kolonien oder bilden kleine Brutgemeinschaften. Die meisten jedoch leben als Einzelgänger. Die Weibchen übernehmen die Fürsorge der Nachkommenschaft. In Erdböden, Hölzern und Halmen konstruieren sie aus unterschiedlichsten Materialien teils komplizierte Bauwerke, um der nächsten Generation, die im Frühjahr darauf schlüpft, den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen. Blattschneiderbienen bauen zum Beispiel Röhren aus präzise zurechtgeschnittenem Blattwerk. Eine heimische Mauerbienenart verwendet Schneckenhäuser als Nistplatz, die in mühsamer Kleinarbeit kunstvoll unter Zweigen und Halmen versteckt werden. Mohn- und Leinbienen tapezieren ihre Brutröhren mit knallbunten Blütenblättern. Doch nicht alle Bienen sind so fleißig. Es gibt auch Arten, die das Arbeiten anderen überlassen und sich sprichwörtlich ins „gemachte Nest“ setzen.

ORF/BR/Nautilusfilm

Im Bild: Lein-Mauerbiene.

Die Fundamente der Lebensmittelproduktion

Auf ihrer Suche nach Nektar und Pollen, der als Proviant für den Nachwuchs in den Brutlöchern deponiert wird, kann eine einzelne Wildbiene bis zu 5.000 Blüten pro Tag anfliegen. Wildbienen haben daher im Naturhaushalt eine Schlüsselrolle inne. Ihre Bestäubungsleistung bei Kulturpflanzen hat für die weltweite Landwirtschaft einen geschätzten Wert von mindestens 200 Milliarden Euro pro Jahr – gratis. Sie sind ein wesentliches Fundament unserer Lebensmittelproduktion. Würden sie fehlen, gäbe es Versorgungsengpässe bei zahlreichen Grundnahrungsmitteln. Ihr tatsächlicher Wert geht allerdings noch weit darüber hinaus. Bienen sichern auch den Fortbestand vieler Wildpflanzen, die Lebensgrundlage unzähliger Tierarten sind. Die Früchte der Natur auf Bäumen und Feldern könnten ohne die Wildbienen nicht in dieser Vielfalt und Menge genutzt werden.

Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzen als Pollenspender spezialisiert. Wird die Pflanze immer seltener, verschwindet auch die Biene. Artenvielfalt und Zahl der Individuen sind heute in hohem Maße bedroht, weil Lebensräume vielfach verloren gegangen sind und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zu erheblichen Bestandsverlusten geführt hat. Wildbienen zu erhalten ist ganz besonders im Interesse des Menschen, soll die Fülle an Obst und Gemüse in den Supermarktregalen weiter zur Verfügung stehen.

ORF/BR/Stefan Gaspari

Im Bild: Honigbiene.

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

Gestaltung

Jan Haft

Bearbeitung

Doris Hochmayr