22:44

VPS 22:45

DEU

Stereo

16:9

Länge: 49min

UT

tv.ORF.at/universum

Universum History

Gladiatoren – Tod in der Arena


Bis zum heutigen Tag ranken sich Mythen und Legenden um sie: die Gladiatoren des Alten Rom. Die Wettkämpfe auf Leben und Tod waren als gigantische Spektakel inszeniert und begeisterten die Massen. Doch die Kämpfe beschränkten sich nicht auf das Kolosseum in Rom.

Gladiatoren 1

Der Gladiatorenfriedhof in York

230 Arenen wurden im gesamten Gebiet des Imperium Romanum bisher gefunden. Die spektakulärste Entdeckung wurde im nordenglischen York gemacht: Dort wurde ein ganzer Gladiatorenfriedhof mit 80 Skeletten freigelegt. Forensische Hightech-Methoden erlauben so einen interessanten Blick auf Herkunft, Ernährung, Lebensweise, aber auch Verletzungen und Todesursache der Kämpfer. Die in HD produzierte „Universum History“-Dokumentation „Gladiatoren – Tod in der Arena“ von Jeremy Turner (deutsche Bearbeitung: Josef Glanz) zeichnet am Freitag, dem 19. Mai, um 22.45 Uhr in ORF 2 die Kämpfe der Gladiatoren nach.

Mit Gladiatorenkämpfen wird für gewöhnlich der Todeskampf im riesigen Kolosseum in Rom assoziiert. Die Rede ist dann von bewaffneten Hünen, die in der sengenden Hitze vor tobenden Massen ihr Blut vergießen und ihr Leben lassen. So weit – so klischeehaft. Tatsächlich aber fanden die spektakulären Schaukämpfe auch in vielen Provinzen des Römischen Reiches statt. Eine Million Gladiatoren – so schätzen Historiker/innen – sind in den Arenen gestorben, manche davon im kühlen Nordosten Englands. Dies beweist ein sensationeller Fund in York. Dort wurde bei Grabungen der weltweit erste Gladiatorenfriedhof entdeckt. Mehr als 80 zum Teil gänzlich erhaltene Skelette der Kämpfer wurden freigelegt, fast alle von jungen Männern. Messungen zeigten, dass die Knochen ca. 2.000 Jahre alt sind und dass vielen wertvolle Grabbeigaben beigelegt waren. Bei der genauen Analyse der insgesamt 16.000 Knochen fiel den Wissenschaftern nicht nur der kräftige Körperbau der Toten auf. Die Knochen wiesen auch viele verheilte oder tödliche Verletzungen auf, verursacht durch stumpfe Objekte oder Klingen. Vor allem das Skelett eines 22-Jährigen erregte die Aufmerksamkeit des britischen Forensikers Michael Wysocki und seiner Kollegen. Sie bemerkten etwa am Schulterblatt seltsame Verletzungen. „Eindeutig Bissspuren von einem Raubtier“, lautet Wysockis Expertise. Weitere Tests lieferten ein erstaunliches Ergebnis: Die Wunde passt exakt zum Eckzahn eines Tigers. „Es ist sehr unwahrscheinlich“, sagt Michael Wysocki, „dass dieser Mann vor 2.000 Jahren in York auf dem Weg vom Pub nach Hause von einem Tiger angegriffen wurde.“

Gladiatoren 2

Ruhm oder Tod

Die Forscher sind sicher: Hier in England haben sie den weltweit ersten Gladiatorenfriedhof aus der Römerzeit gefunden. Der Fundort überrascht dabei nur auf den ersten Blick. Das nordenglische York war nämlich vor rund 2.000 Jahren eine wichtige Garnisonsstadt in der römischen Provinz Britannia, rund 20.000 Menschen lebten hier. Wie in anderen Teilen des Römischen Reiches war auch hier der Besuch eines Gladiatorenkampfes ein beliebter Zeitvertreib. Gleichzeitig aber diente das Spektakel auch der politischen Propaganda. Die Botschaft: Rom hat die Macht über Leben und Tod. Die meist versklavten Kämpfer kamen aus allen Teilen des riesigen Reiches – ebenso wie die wilden Tiere, denen die Kämpfer zum Teil in den Arenen gegenüberstanden. Es gab regen Handel mit Gladiatoren, von denen die besten durchaus so etwas wie Berühmtheit erlangten. „Es ist ein bisschen wie mit Profisportlern heutzutage“, erklärt US-Archäologe Darius Arya. „Sie werden ja auch für viel Geld eingekauft und spielen dann häufig in anderen Ländern.“

Gladiatoren 3

Gemeinsam war den Gladiatoren ihr vorbestimmtes Ende: der Tod in der Arena. Der Film zeichnet in aufwendigen Animationen die Kämpfe nach. In forensischer Kleinarbeit werden mit Hightech-Methoden die Verletzungen und tödlichen Wunden rekonstruiert. Es ist ein spannender Einblick in die Zeit des Römischen Reiches, wo man zur Belustigung und Unterhaltung der Massen das Leben von Millionen Menschen opferte.

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„Gladiatoren – Tod in der Arena“ ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der ORF-TVthek (http://tvthek.ORF.at) abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.