Im Brennpunkt

Das Tschernobyl-Vermächtnis

1986 explodierte der Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl. Rund 50 Menschen starben an den Folgen des Super-GAUs, in Europa sorgte die radioaktive Wolke für Panik. Der Film von Tetyana und Alexander Detig gewährt u.a. mit brisanten Tonbandaufnahmen seltene Einblicke in den innersten Kreis des sowjetischen Krisenmanagements.

Donnerstag, 26.04.2018, 21.55 Uhr
Wh. Fr 02.45 Uhr

Am 26. April 1986 verseuchte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ganze Landstriche. In der näheren Umgebung zum Reaktor werden in der Zeit nach dem Nuklearunfall tausende Menschen abgesiedelt. Waleri Legassow (1936-1988), der Chef, der von Moskau eingesetzten Tschernobyl-Untersuchungskommission, nahm sich zwei Jahre nach der Katastrophe das Leben. Doch unmittelbar davor hat er mehrere Tonbänder mit sensiblen Details zum Umgang mit der Katastrophe aufgenommen.

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Portrait von Waleri Legassow (1936-1988), dem ehemaligen Chef der von Moskau

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Wladimir Legasow leitet die Aufräumkommission in Tschernobyl

Rückblende: Am 26. April 1986 zerreißt eine schwere Explosion das riesige Kraftwerksgebäude des vierten Blocks von Tschernobyl. Die Folgen sind verheerend und bis nach Österreich zu spüren. Wien ist mehr als 1.000 Kilometer vom Unglücksreaktor entfernt, aber auch die Alpenrepublik ist von der ausgetretenen Strahlung bedroht. Informationen aus der Sowjetunion über das wahre Ausmaß der Katastrophe sickern nur langsam durch.

Erst zwei Tage nach dem Super-GAU kann der damalige ORF-Korrespondent in Moskau, Franz Kössler, über den Hergang berichten. Die Nachrichten sind spärlich, Kössler liegt bei seinem ersten TV-Auftritt zu Tschernobyl nur ein kurzes offizielles Kommuniqué vor, das er vorlesen kann. Die ORF-Fernsehbilder der Tage rund um den 1. Mai 1986 bleiben bis heute im kollektiven Gedächtnis: Zollbeamte mit Geigerzählern, Gesundheitsminister Franz Kreuzer (1929-2015) vor den Mikrofonen der Presse, leere Schulhöfe, Salatberge, die entsorgt werden müssen, Sandkisten, die von Baggern geleert werden.

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Das Militär und die Evakuierungsbürokratie

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Eine Luftaufnahme des völlig zerstörten Reaktorblocks 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl.

In der Sowjetunion ist nach der Katastrophe eine Untersuchungskommission mit der Aufarbeitung des Unfalls betraut. Hochrangige Wissenschafter arbeiten mehrere Monate lang an einem umfassenden Bericht. An der Spitze dieser Forschergruppe steht Waleri Legassow, ein renommierter Chemiker, seit Anfang der 1980er Jahre Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Ende August 1986 kommt Legassow nach Wien, bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) stellt er die Untersuchungsergebnisse der Kommission vor. Es geht um die Ursachen, den Hergang und die Folgen der Katastrophe. Die IAEO selbst wird den Bericht später als wahrheitsgetreu würdigen.

Erst das Tonbandvermächtnis Legassows ermöglicht eine Aufklärung der für ihn wahren Schuldigen. „Das Tschernobyl-Vermächtnis“ rückt die Aussagen Lagassows nun erstmals in den Fokus. Daneben zeigt die Dokumentation die Schilderungen von Alexey Breuss, einem Augenzeugen, der 1986 als Ingenieur im Unglücksblock 4 beschäftigt war, und des deutschen Physikers und Bürgerrechtlers Sebastian Pflugbeil.

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Kontrollraum im Atomkraftwerk Tschernobyl

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Aufnahme der „Geisterstadt“ Prypjat in der heutigen Ukraine. Zum Zeitpunkt der Atomkatastrophe lebten in den Stadt knapp 50.000 Menschen, infolge des Reaktorunglücks wurde die Stadt geräumt

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Die filmische Dokumentation der Tschernobyl-Katastrophe

Dokumentation, 2016


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