Erbe Österreich

Sisi, Schratt und Sacher: Wiens glamouröse Frauen

Patrice Fuchs präsentiert in ihrer Dokumentation Frauen, die sich im von Männern dominierten 19. Jahrhundert erfolgreich durchsetzten und mit Schönheit, Charme und Sexappeal Wien zur glanzvollen Society-Metropole machten.

Erbe Österreich: Sisi, Schratt & Sacher: Wiens glamouröse Frauen

Dokumentation, 2017

Dienstag, 27.2.2018, 21.05 Uhr
Wh. 23.25 Uhr, Mi 02.30 und 23.20 Uhr, Sa 01.05 Uhr, Mo 02.05 Uhr

Kaiserin Elisabeth, Katharina Schratt, Anna Sacher, Pauline Metternich und „Erzsi" Elisabeth Petznek, die "rote Erzherzogin“ – Frauen wie sie verliehen Wien den Glanz einer Society-Metropole. Sie wussten sich in Szene zu setzen, genossen Bewunderung und Glitzer. Sie liebten es Einfluss zu haben oder wollten sich aus ihrer miserablen wirtschaftlichen Lage retten - und sie prägten ihre Zeit. Patrice Fuchs zeigt in ihrer Dokumentation, wie wirkmächtig diese Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert gewesen sind und welche zentrale Rolle sie in der damaligen Gesellschaft gespielt haben.

Ihr Aussehen war ihr Kapital

Frauen wurden macht- und mittellos gehalten, aber mit ihrer Erscheinung und Sexappeal brachten es manchen zu Wohlstand und Einfussnahme. Mitte des 19. Jahrhundert katapultierten sich einige Bürgertöchter mit Charme und Charisma in den Adelsstand. Arme Mädchen verkaufen ihre Körper, manche um eben diesen zu nähren, andere um ihn in teure Roben kleiden zu können. Denn nur mit den richtigen Kostümen können sie auf der Bühne und auf Partys glänzen. Um die Jahrhundertwende verkauft sich jede 4. Wienerin.

Sissi, Schratt & Sacher: Wiens glamouröse Frauen

ORF/Familie Rockt Media

Fanny Elßler (1810-1884)

Der Illustrator der Gesellschaft

Hans Makart (1840-1884) ist der Illustrator der Epoche. Er bringt glamouröse Frauen als Ikonen auf die Leinwand, manche nackt. Sie gewinnen durch ihn Status und Bekanntheit.

Wie wohnen die glamourösen Frauen dieser Zeit?

Marmor, Blattgold, dunkle Hölzer, Blumen, Statuetten und gemusterte Tapeten sind das Setting der Liederabende, Salons und geheimen Treffen. Ganz wichtig ist dabei ein Accessoire: Die Palme. Sie bringt Exotik in den Gesellschaftsraum. Wer eine Palme daheim hat, ist modern und, wie man sagt: „von Welt“. Auch Makart liebt die Palme nicht nur in seinen Bildern, auch in seinem Atelier. Die Palme weist auf Vermögen hin und ist erotisch besetzt. Die Palme winkt die Gesellschaft aus dem Alltag und in verträumte, fremde Welten. Die Damen des Hauses gestalten die Wohnzimmer, denn sie sind auch für gesellschaftliche Abende und Nachmittags-Teerunden zuständig. Je stilvoller das Ambiente, desto besser die Nachrede.

Sissi, Schratt & Sacher: Wiens glamouröse Frauen

ORF/Familie Rockt Media

Glamouröse Frauen 1910

Adelige Netzwerke

Beim Nachmittags-Tee der feinen Damen werden Tratsch und Trends ausgetausch. Nicht selten wird von jenen Damen gesprochen, die Makart nackt Model standen. Skandalöses Verhalten wirkt oft anziehend.

Pauline von Metternich (1836-1921) ist die erste Adelige, die Lippenstift verwendet. Außerdem veranstaltet sie, gemeinsam mit einer Adelskollegin, einen Blumenkorso auf der Prater Hauptallee. Als die beiden sich über die Ausformung des Blumenschmucks nicht einig werden, setzen sie ein Duell an. Frauen duellieren sich damals nicht häufig, aber häufiger als bekannt. Und zwar mit nacktem Oberkörper. Denn die Kleidung soll nicht blutig werden bzw. entscheidet der erste Blutstropfen über den Sieg der einen über die andere. Jedoch ist nicht davon auszugehen, dass die Damen tatsächlich ihre Brust herzeigten. Wahrscheinlich ließen sie das weiße Unterhemd an. Denn diese Aufmachung galt damals bereits als"nackt". Frauen waren auch damals nicht durchgehend sittsam und unauffällig.

Das gewisse Etwas

Um 1900 entsteht erstmals eine It-Girl-Kultur. Junge Frauen, die geistreich, selbstbewusst und mutig sind, putzen sich heraus, setzen sich in Szene und werden zum Modevorbild. Auch für die feinen Damen der Gesellschaft. Geheimnisvolle, attraktive und glamouröse Frauen auf Bühnen und Partys schütteln Traditionen und verstaubte Rollenbilder ab.

Durch den Film beeinflusst, werden Entertainerinnen lebhafter in der Mimik und raffinierter in der Darstellung. Die Mode wird weniger kitschig und plump, dafür smarter und sportlicher. Emilie Flöge (1874-1952) wird einen ganz neuen modischen Zeitgeist kreieren. Keine enge Taille und überladener Protz. Alma Mahler (1879-1964) kauft bei ihr ein. Aber nicht die reformkleidinspirierten Teile, sondern konventionellere Kleider. Auf diese lässt sie dann noch Extravaganzen drapieren, um nicht zu „schlicht“ daherzukommen. Flöge macht aber nicht nur Mode sondern baut ein Frauennetzwerk auf. 80 Näherinnen arbeiten für sie. Und ausschließlich weibliche Kunden kaufen bei ihr ein.

Frisuren verändern sich und charakterisieren den neuen Zeitgeist. Glamouröse Frauen leben nicht mehr das Operettenleben von früher, sondern tragen Modeschmuck, sie können wählen gehen und bekommen Lohn statt Kost und Logis.

Sissi, Schratt & Sacher: Wiens glamouröse Frauen

ORF/Familie Rockt Media

Glamouröse Tänzerinnen

Sissi, Schratt & Sacher: Wiens glamouröse Frauen

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Katharina Schratt

Sissi, Schratt & Sacher: Wiens glamouröse Frauen

ORF/Familie Rockt Media

Oberteil von Emilie Flöge

Dokumentation, 2017


Weitere Sendungen dieser Reihe:

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    Dem österreichischen Bundespräsidenten steht im steirischen Mürzsteg ein Jagdhaus zur Verfügung, das als Rahmen für diplomatische Empfänge abseits der großen Hauptstadtbühne dient. Karl Hohenlohe erzählt die Geschichte dieses Hauses und erklärt seine heutige Verwendung.

  • Herrensitze (3/6) Die Rosenburg: Adlerstolz und Adelspracht

    Karl Hohenlohe besucht eine der geschichtsträchtigsten österreichischen Burgen hoch über dem Kamp und gibt Einblicke in die Pracht und Lebensweise der Renaissance.

  • Herrensitze (1/6) Rothschilds Wien

    Ein wichtiger Zweig der Familie Rothschild residierte in Wien. Karl Hohenlohe geht zum Auftakt der ORF-III-Serie „Herrensitze“ ihren zahlreichen Spuren nach.

  • Lebensraum Grinzing

    Grinzing: ein Ort des Weins, der Idylle und des Wiener Schmähs. Als einer der schönsten Stadtteile Wiens beherbergt er etliche Heurige, die eine lange Tradition pflegen. In der ORF III Neuproduktion werden anhand ausgewählter Heurigen und interessanter Persönlichkeiten, Anekdoten zum Vorschein kommen.