Themenmontag

Sucht auf Rezept

Immer mehr Menschen nehmen Tabletten, um besser schlafen zu können oder leistungsfähiger zu sein. Manche Ärzte werben regelrecht für die Einnahme dieser Medikamente. Dass sie süchtig machen können, bestreiten sie.

Themenmontag: Sucht auf Rezept

Dokumentation, 2017

Montag, 26.2.2018, 21.00 Uhr
Wh. Di 00.00, 02.55 und 13.25 Uhr

Schlafmittel, um besser ein- oder durchzuschlafen, Wachmacher, um leistungsfähiger zu sein. Schon nach ein paar Wochen regelmäßiger Einnahme kann eine Abhängigkeit drohen. Immer mehr Menschen nehmen Tabletten, um schlafen zu können oder fitter zu sein. Manche Ärzte werben regelrecht für die Einnahme dieser Medikamente. Dass Schlafmittel abhängig machen, bestreiten sie. Sie behaupten stattdessen, die Tabletten würden die Lebensqualität erhöhen, sodass man einfach nicht mehr auf sie verzichten möchte. Sie empfehlen Patienten sogar Modafinil, ein wachmachendes Psychostimulans, das normalerweise Menschen bekommen, die an Narkolepsie erkrankt sind. Dabei handelt es sich um eine neurologische Störung, die „exzessive Tagesschläfrigkeit“ mit sich bringt. Die Arzneimittel-Agentur der Europäischen Union warnt ausdrücklich davor.

Wolfgang N. (45) hat 30 Kilo abgenommen und langsam wieder angefangen zu arbeiten - erst einmal ehrenamtlich. Fast zehn Jahre ist er tablettenabhängig gewesen. Er hatte im Schichtbetrieb gearbeitet und jahrelang unter Schlafproblemen gelitten. Ärzte rieten ihm zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Er nahm sie in immer höheren Dosen ein. Schon bald war an Arbeit nicht mehr zu denken, aber auch nicht mehr an Schlaf. N. lebte in einer Art Wachkoma. Dann kam der Zusammenbruch: Wahnvorstellungen und Organversagen. Ein achtwöchiger kalter Entzug rettete ihm das Leben.

Marleen K. (25) studiert Jura. Sie will Anwältin werden. Der Leistungsdruck ist hoch und die Konkurrenz unter den Kommilitonen enorm. Um das Lernpensum schaffen zu können, nimmt sie regelmäßig Wachmacher ein: verschreibungspflichtige Medikamente wie Modafinil oder Methylphenidat. Zehn bis zwölf Stunden kann sie dann ununterbrochen lernen. Die Tabletten sind an Universitäten längst alltäglich. Dass sie süchtig machen, wird dabei weitgehend ignoriert. Und ob sie tatsächlich leistungssteigernd wirken, ist nicht bewiesen.

Renate K. (76) konnte mit den Jahren immer schlechter schlafen. Auf Empfehlung ihres Hausarztes probierte sie es mit Schlaftabletten. Doch nach einigen Wochen tauchten die Schlafprobleme wieder auf. Sie setzte die Tabletten ab - und bekam es mit handfesten Entzugserscheinungen zu tun: Wahnvorstellungen, Gedächtnisverlust und Kreislaufproblemen. Denn schon nach wenigen Wochen war sie abhängig geworden.

sucht auf rezept

orf III

Regisseur: Alexander Czogalla
Dokumentation, 2017


Weitere Sendungen dieser Reihe:

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    Am 21. Juni 1978 fiel in Cordoba jenes legendäre Tor, das bis heute – selbst bei den jüngeren Generationen – unvergessen ist - nicht zuletzt durch Edi Fingers legendären Ausruf „I wer‘ narrisch!“. ORF III widmet einem der größten österreichischen Fußballerfolge der Geschichte zum 40. Jahrestag einen 4-teiligen Themenmontag.

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