Erbe Österreich

Lebensraum Arsenal

Der junge Kaiser Franz Joseph ließ das Wiener Arselnal vor mehr als 125 Jahren erbauen, um das eigene Volk im Falle einer Revolte niederzuschlagen und das Herrscherhaus zu schützen.

Das Wiener Arsenal ist die mächtigste verbliebene Kasernenanlage der Habsburgermonarchie und vielleicht das einzige österreichische Beispiel für einen militärisch-industriellen Komplex. Sie war Teil jenes strategischen Dreiecks, das die Reichshauptstadt nach der Schleifung der Stadtmauern schützen sollte. Nahe am damaligen Südbahnhof gelegen, konnten hier bei Bedarf schnell frische Truppen nachgeführt werden.

Das Herzstück des Areals ist das Heeresgeschichtliche Museum. Einst als Ruhmestempel für die k.u.k.-Armee erbaut ist es heute das wohl prächtigste Militärmuseum der Welt. Dank der umfangreichen Dauerausstellung atmet das Arsenal bis heute den militärischen Geist der ausgehenden Donaumonarchie. Die Exponate – vom U-Boot-Kopf aus dem Ersten Weltkrieg bis zum einfachen Schrapnell – sind Dokumente der Waffentechnikgläubigkeit, die Europa 1914 in den Untergang führte.

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Arsenal

ORF/D5 Productions

Arsenal

Für den Bau der Arsenal-Kasernen wurden damals u.a. die Architekten August Sicard von Sicardsburg (1813-1868), Eduard van der Nüll (1812-1868) und Ludwig Förster (1797-1863)angefragt, die dann auch mit der Realisierung betraut waren und später in der Ringstraßenära sehr berühmt wurden.

Die Ruhmeshalle des Museums ist das architektonische und künstlerische Kleinod des Gebäudes und war im 19. Jahrhundert unerlässlicher Bestandteil eines militärischen Museums. Die Deckenfresken zeigen die Erfolge Habsburger wie z.B. die Schlacht bei Nördlingen, 1634, die Schlacht bei St. Gotthard 1664 oder die Schlacht bei Zenta 1697.

Das Artillerie-Arsenal war schon vor 1914 eine große staatliche Rüstungsschmiede. Während des Ersten Weltkrieges expandierte es zu einer Waffenbeschaffungsanstalt ungeahnter Größe. Es wurden Geschosse wie die „Dicke Bertha“ entwickelt, die ungeheure Distanzen überwinden konnte. Diese neue Produktionstechnik beherrschte man aber noch nicht perfekt, weshalb man auf bereits Vorhandenes der Kriegsgeschichte zurückgriff.

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Arsenal innen

Das Heeresgeschichtliche Museum ist derzeit im Besitz der größten Objektgruppe zum Attentat vom 20. Juli 1914. Ausgestellt ist jenes Automobil, indem das Thronfolgerpaar in Sarajewo ermordet wurde. Die Einschussspuren sind noch zu erkennen. Auch die blutbefleckte Uniform, die Franz Ferdinand getragen hat, wird in einer Vitrine aufbewahrt.

Die beiden Weltkriege haben dem Arsenal schwer zugesetzt. Im September 1944 wurde das Arsenal bei einem Luftangriff schwer getroffen. Auch die Beschädigungen durch Erdkämpfe sind entscheidend gewesen, zumal sich die deutschen Verteidiger im Arsenal festgesetzt hatten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die große Frage, was man mit dem zerstörten Arsenal macht. Man begann zivile Wohngebäude zu bauen. Heute ist das Arsenal unentbehrlicher Lebensraum für die Großstadtbewohner und bietet Ausgleich in der Natur und Kultur mit dem ältesten Museum Wiens.

Die ORF III Neuproduktion zeigt die Anlage und erklärt ihren historischen Werdegang.

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Arsenal

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Porträt von Kaiser Franz Joseph I.

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Arsenal

Dokumentation, 2017


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Herrensitze (1/6) Rothschilds Wien

    Ein wichtiger Zweig der Familie Rothschild residierte in Wien. Karl Hohenlohe geht zum Auftakt der ORF-III-Serie „Herrensitze“ ihren zahlreichen Spuren nach.

  • Lebensraum Grinzing

    Grinzing: ein Ort des Weins, der Idylle und des Wiener Schmähs. Als einer der schönsten Stadtteile Wiens beherbergt er etliche Heurige, die eine lange Tradition pflegen. In der ORF III Neuproduktion werden anhand ausgewählter Heurigen und interessanter Persönlichkeiten, Anekdoten zum Vorschein kommen.

  • Lebensraum Strombäder

    In den 1920er Jahren erlebten Badestätten wie das Strombad Kritzendorf mit bis zu 12.000 Besuchern täglich eine Blütezeit, die ihnen bis heute Kultstatus verleiht.

  • Sehnsucht nach dem Küstenland

    Regisseur Gernot Stadler unternimmt eine (Zeit)-Reise entlang der heutigen italienischen, slowenischen und kroatischen Küsten, die einst das illustre adelige und bürgerliche Publikum aus allen Teilen der Donaumonarchie angelockt haben.