ORF III Spezial zu Weihnachten

Engadin - Wildnis der Schweiz

Vor knapp 100 Jahren wurde im Schweizer Engadin der erste Nationalpark der Alpen gegründet: Man wollte ein Refugium für Wildtiere schaffen und einen Ort, den sich die Natur selbst - ohne Eingriff des Menschen - gestalten sollte. Das Engadin, der „Garten des Inn“, beherbergt mit dem Nationalpark auch heute noch das größte unangetastete Wildnisgebiet der Schweiz.

Engadin - Wildnis der Schweiz

Dokumentation, 2016

22.12.17 Engadin - Wildnis der Schweiz 271217

ORF/Kurt Mayer Film

Im Bild: Die kristallblauen Augen der Engadiner Berge sind nährstoffreiche Quellen für Inn, Donau und Rhein

Mittwoch, 27.12.2017, 21.05 Uhr

Schweiz, 1914: Der erste Nationalpark der Alpen wird im Engadin ins Leben gerufen. Man will einen Ort schaffen, an dem die Natur ohne den Eingriff des Menschen studiert werden kann. Heute, mehr als 100 Jahre später, wird sichtbar, wie sich eine hochalpine Landschaft mit ihren Tieren ohne menschliches Zutun entwickelt. Im Engadin ist der Ursprung des Inn, hier kann sich jeder einzelne Wassertropfen für eines von drei Meeren entscheiden - je nachdem, ob er über Inn und Donau ins Schwarze Meer, über den Rhein in die Nordsee oder nach Süden in die Adria gelangen will.

22.12.17 Engadin - Wildnis der Schweiz 271217

ORF/Kurt Mayer Film

Im Bild: Luchse sind „diskrete“ Tiere. Sie können auch in intensiv genutzten Kulturlandschaften wie im Engadin überleben

22.12.17 Engadin - Wildnis der Schweiz 271217

ORF/Kurt Mayer Film

Im Bild: Luchse sind „diskrete“ Tiere. Sie können auch in intensiv genutzten Kulturlandschaften wie im Engadin überleben

Unberührt von menschlichem Eingriff haben sich hier die Wildtierpopulationen entwickelt. Auf den hochgelegenen Brunftplätzen kämpfen die dominanten Hirsche oft im Schnee um die weiblichen Tiere. Auch der Bestand der Steinböcke - einst ausgerottet und durch Wilderer wieder zurück gebracht - hat sich wieder erholt. Universum taucht ein in ein wildes Land am Rande von Gletschern und dunklen Wäldern.

22.12.17 Engadin - Wildnis der Schweiz 271217

ORF/Kurt Mayer Film

Im Bild: Der Luchs gehört zu unserer heimischen Tierwelt und langsam erobert er seinen ursprünglichen Lebensraum zurück

Durch die intensive Bejagung ging der Steinbock-Bestand in der Schweiz massiv zurück - um 1906 waren Steinböcke endgültig ausgerottet. Nur noch im italienischen Gran Paradiso, im königlichen Jagdrevier im Aostatal, gab es noch einen kleinen Steinbock-Bestand, strengstens bewacht von den königlichen Jägern. Erst das beherzte Einschreiten eines betuchten Schweizer Hoteliers, der im aufkommenden Alpinismus-Boom zu Geld gekommen war, sorgte für die Rückkehr der Steinböcke in die Schweiz. Wenn auch auf höchst illegalem und höchst gefährlichen Weg.

22.12.17 Engadin - Wildnis der Schweiz 271217

ORF/Kurt Mayer Film

Im Bild: Das Engadin birgt die Wildnis der Schweiz. In Höhen ab 1600 Metern locken unberührte Lebenswelten

Der Mann musste beträchtliche Geldsummen in die Hand nehmen, um Wilderer zu bezahlen, die Kopf und Kragen riskierten, um gestohlene Steinbock-Kitze in Kisten verpackt aus dem Jagdrevier des italienischen Königs illegal in die Schweiz zu schleusen. Damit die Jungtiere auf dem langen Weg über die Alpen nicht verdursteten, wurden sie unterwegs regelmäßig von heimlich bereitgestellten Ziegen gesäugt.

Dokumentation von Kurt Mayer und Judith Doppler