Erlebnis Bühne am Sonntag

Don Giovanni

Eine Inszenierung ohne Rokoko-Getändel und Kavaliersgetue, kein Schloss, kein Flirt, keine Erotik, keine Liebe - Schatten Abgrund und Gewalt. Martin Kusej stellt in seinem „Don Giovanni“ die brennenden Fragen von heute in schonungsloser Härte zur Diskussion.

Sonntag, 12.11.2017, 20.15 Uhr

Anlässlich der Uraufführung von Mozarts „Don Giovanni“ vor 230 Jahren, zeigt ORF III Kultur und Information die hochgelobte Produktion von den Salzburger Festspielen 2006 mit Thomas Hampson in der Rolle des ungehemmten Schwerenöters.

Hauptdarsteller der Oper ist der faszinierende und skrupellose Frauenverführer Don Giovanni aus Sevilla. Er versucht Donna Anna, die Tochter des Komturs, zu verführen und tötet ihren Vater im Zweikampf. Donna Elvira, die er verlassen hat, schwankt zwischen Liebe und Hass, und Zerlina, ein junges Bauernmädchen vom Lande, erliegt beinahe seiner Werbung. Don Giovanni ist eine Naturgewalt ohne Empfinden für Moral und Verantwortung.

„Mythos Don Giovanni"
In der Pause zwischen 1. und 2. Akt: Gespräch Barbara Rett und Psychoanalytiker Univ. Prof. Dr. Alfred Springer.

Barbara Rett spricht mit Psychoanalytiker Univ. Prof. Dr. Alfred Springer über den Mythos "Don Giovanni“: während Don Giovanni sanft säuselt, ist er in den Rezitativen unglaublich hart und grausam, ja sogar brutal. Offenen Auges geht er auch selbst in den Tod, Einladungen zu Reue und Umkehr durch den Komtur und Donna Anna weist er zurück. Illusionslos, ohne Glauben und radikal - ein Vertreter der Aufklärung oder ein Psychopath?

Widersprüchlich und schillernd sind auch die ihn umgebenden Personen: Donna Elvira in obsessiver Anhänglichkeit, der Diener Leoporello, der das grausame Spiel seines Herrn durchschaut, dennoch immer dabei ist, und auch mit Donna Anna ist da etwas unausgesprochenes. Alle beziehen sich in diversen Abhängigkeiten auf Don Giovanni.

Man vermutet, dass Giacomo Casanova die Oper inspiriert hat. Er war in ganz Europa berühmt, immer wieder auch in Böhmen und mit Mozart-Librettist Lorenzo Da Ponte persönlich bekannt. Ein Treffen in Prag 1787 ist wahrscheinlich.

Don Giovanni, salzburger Festspiele 2006

ORF/Ali Schafler

Robert Lloyd, Thomas Hampson

Don Giovanni, salzburger Festspiele 2006

ORF/Ali Schafler

Ildebrando D’Arcangelo, Melanie Diener, Thomas Hampson

Don Giovanni, salzburger Festspiele 2006

ORF/Ali Schafler

Thomas Hampson, Isabel Bayrakdarian

Dirigent: Daniel Harding
Regie: Martin Kusej

Besetzung:
Thomas Hampson (Don Giovanni)
Ildebrando D’Arcangelo (Leporello)
Piotr Beczala (Don Ottavio)
Christine Schäfer (Donna Anna)
Robert Lloyd (Komtur)
Luca Pisaroni (Masetto, Bauer)
Isabel Bayrakdarian (Zerlina, Bäuerin, Masettos Braut)
Melanie Diener (Donna Elvira, Dame aus Burgos)
uam.

Chor: Konzertvereinigung Wiener Staatsoper
Orchester: Wiener Philharmoniker

Salzburger Festspiele, 2006


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • I puritani

    ORF III zeigt Bellinis letzte Oper in einer Inszenierung der New Yorker Metropolitan-Opera aus dem Jahr 2007 mit einer unglaublichen Anna Netrebko, die hier gesanglich und darstellerisch alle Register zieht.

  • Best of Chöre

    Anlässlich des 90. Geburtstages der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor präsentiert Barbara Rett internationale Chöre und weltbekannte Chorstücke. Davor (um 19.20 Uhr) ehrt ORF III Opernsänger Kurt Rydl, der heuer seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, mit dem filmischen Portrait „Kurt Rydl - Der Gladiator“.

  • 175 Jahre Wiener Philharmoniker - Best of Maestri

    Das Meisterorchester feiert heuer sein 175-jähriges Bestehen - ORF III feiert mit und präsentiert ein „Best of Maestri“ - von und mit Barbara Rett - und exklusiv das Jubiläumskonzert unter der Leitung von Mariss Jansons aus dem Wiener Musikverein.

  • Olga Peretyatko „Mein Rossini“ | La Traviata

    ORF III zeigt Rolando Villazons umjubelte Inszenierung der „La Traviata“ aus dem Jahr 2015. Davor erzählen die Koloratursopranistin Olga Peretyatko und Dirigent Alberto Zedda im Konzertfilm „Mein Rossini“ von ihren Erfahrungen mit Rossinis Musik.