Heimat Österreich

Himmel, Hölle, Fegefeuer: Der Dachstein

Filmemacher Lutz Maurer erzählt die berührende Geschichte der Rettung eines Mannes, der in eine Gletscherspalte stürzte und 18 Tage überlebte.

Heimat Österreich: Himmel, Hölle, Fegefeuer: Der Dachstein

Dokumentation, 2017

Trailer

Mittwoch, 8.11.2017 20.15 Uhr
Wh. 22.50 Uhr,
Do 05.55 und 09.10 Uhr,
Fr 13.20 Uhr

Auf dem Dachstein an der Grenze Oberösterreichs zur Steiermark liegt der östlichste Gletscher der
Alpen. In seiner 850 Meter hohen Südwand wurden alpine Meilensteine gesetzt: 1909 durchstiegen die Brüder Georg und Franz Steiner auf der nach ihnen benannten schwierigen Route die Wand. Zahlreiche Legenden ranken sich zudem um den Berg, der auch durch Adalbert Stifters Weihnachtserzählung „Bergkristall“ in die Literatur einging.

Himmel

Dem Himmel nahe war die 21-jährige Bergbäuerin Barbara Passrugger, als sie 1931 am Seil ihres Bruders als erste Frau den Steinerweg durchstieg. Als alte Frau ging sie noch oft zur Südwand und erinnerte sich voller Emotionen an die einstigen glücklichen und stolzen Stunden am Berg.

Hölle

In die Hölle marschierten zehn Schüler und drei Lehrer aus dem deutschen Heilbronn am Karfreitag des Jahres 1954. Entgegen den Warnungen der Einheimischen waren sie, nur unzureichend ausgerüstet, bei aufziehendem Schlechtwetter zu einer Tour ins Dachsteingebiet aufgebrochen. Sie erfroren alle noch in der ersten Nacht. Ihre Leichen wurden nach einer groß angelegten Suchaktion zum Teil erst Wochen später aus meterhohem Schnee geborgen.

Fegefeuer

Das Fegefeuer erlebte der amerikanische GI Kenneth Thomas Cichowicz im Spätherbst 1985 am Dachstein. Er stürzte bei einer Wanderung über den Hallstätter Gletscher und landete, sich mehrfach überschlagend, mit schwersten Verletzungen in einer Felsspalte am Gletscherrand. Nur durch ein früheres Vietnam-Überlebenstraining und dank seiner seiner kompletten hochalpinen Ausrüstung überstand er 18 Tage und 19 Nächte in eisiger Höhe. Als „Wunder vom Dachstein“ ging seine Rettung durch einen Bundesheer-Helikopter aus Aigen i.E. durch die Weltpresse. Unter diesem Titel verfilmten auch Lutz Maurer und Bernd Seidel 1987 Cichowiczs Erlebnisse im Beisein seiner Frau Janet und seines Sohnes Casey am Unglücksort. Vor wenigen Wochen besuchte „Land der Berge“ dann das bereits pensionierte Ehepaar in seiner amerikanischen Heimat und bat es um die Erinnerungen an das dramatische Geschehen.

himmel, hölle, fegefeuer: der dachstein

ORF/ORF III/Land der Berge

Der damalige Präsentator Reinhold Messner mit Kenneth Thomas Cichowicz (1987)

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ORF/ORF III/Lutz Maurer

Der einstige Flugretter und heutige Kasernenkommandant von Aigen Oberst Andreas Staudacher.

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ORF/ORF III/Lutz Maurer

Im Cockpit des Originalhelikopters, der damalige Bordmechaniker Willibald Sallfellner.

Kenneth Thomas Cichowicz hat durch die Zusammenarbeit mit dem Ennstaler Schriftsteller Peter Gruber an dessen Buch „Das Tagebuch des Kenneth Thomas Cichowicz“ seine Erlebnisse gut verarbeitet, geht auf langen Wanderungen alleine in die Natur, besteigt auch in den
USA Berge: „Drei Jahrzehnte nach meinem Unglück bin ich wieder ganz der Alte, wie wenn es überhaupt keine Wende in meinem Leben gegeben hätte. Eine Wende wäre es gewesen, wenn ich das Bergsteigen komplett aufgegeben hätte. Stattdessen war die Verarbeitung des Unglücks eine Bestätigung, dass das, was ich tat, richtig war. Wandern und Bergsteigen ist einfach eine großartige Beschäftigung. Zudem habe ich eine loyale Frau, auf die ich zählen kann. Im Zeitalter des Mobiltelefons rufe ich meine Frau auch jetzt jeden Tag an, wo ich gerade bin. Janet Cichowicz hingegen kann die Tage und Nächte, in denen sie um ihren Mann bangte, bis heute nicht vergessen: „Eigentlich hat sich Kens Leben überhaupt nicht verändert. Meines sehr wohl. Ich denke wahrscheinlich jeden Tag an den Herbst 1985. Manchmal scheint es eine Ewigkeit her zu sein. Manchmal scheint es mir, als wäre alles erst gestern passiert. Nur manchmal versuche ich, einfach nicht daran zu denken. Aber man darf von einem Menschen, den man liebt, nicht verlangen, die Dinge, die ihn in seinem Leben etwas bedeuteten, aufzugeben!“

himmel, hölle, fegefeuer: der dachstein

ORF/ORF III/Lutz Maurer

Kenneth Thomas Cichowicz mit seiner Frau Janet vor ihrem Haus in Upper Strasburg, Pennsylvania, USA, das sie in Erinnerung an die Tage am Dachstein auch „Haus Dachstein“ genannt haben.

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ORF/ORF III/Lutz Maurer

Autor Peter Gruber

Peter Gruber sagt über das Ehepaar: „Ken muss sich fast schützend vor seine Frau stellen, weil sie jetzt nach so vielen Jahren manchmal noch immer total berührt und aufgewühlt ist“. Der Schrifsteller ist im 35. Sendungsjahr von „Land der Berge“ auch Präsentator dieser bereits 270. Folge der alpinen Dokumentationsreihe von Lutz Maurer.

himmel, hölle, fegefeuer: der dachstein

ORF/ORF III/Land der Berge

Der 1985er Rettungshelikopter des Bundesheer Fliegerhorsts Aigen im Ennstal, 1987 noch einmal die Rettung darstellend.

Dokumentation, 2017


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Reise durch den Lungau

    Die Dokumentation von Gerald Groß portraitiert Menschen, die im Salzburger Lungau leben und langwährende regionale Traditionen aufrecht halten.

  • Dem Himmel so nah - Zwischen Karwendel und Dolomiten

    Ein Streifzug durch die weiten Täler, über schneebedeckte Gipfel, blanke Seen und blühende Bergwiesen der Alpenwelt Deutschlands, Österreichs und Südtirols.

  • Kulturlandschaft Österreich - mit Sepp Forcher (1+/2)

    In dem Doku-Zweiteiler von Roswitha und Ronald Vaughan stellt Sepp Forcher die unberührten und schönsten Landschaften Österreichs vor und erklärt, wie diese außergewöhnlichen Orte so geworden sind, wie sie heute sind.

  • Traditionsreiches Österreich (1+2/2)

    Unter dem Begriff „Immaterielles Kulturerbe“ schützt die UNESCO seit 2009 mündlich überlieferte Traditionen, Rituale und Feste sowie traditionelle Handwerkstechniken. Die Dokumentation stellt einige von ihnen vor.