Kunst und Kultur am Dienstag

erLesen - Büchermagazin

Vorhang auf für die Größen der Bühnenwelt in Heinz Sichrovskys Büchermagazin: Bachmann-Preisträger Ferdinand Schmalz, Theaterintendant Michael Schottenberg, Kabarettist und Schauspieler Thomas Stipsits und Autorin Theodora Bauer sind diesmal zu Gast bei „erLesen“.

Dienstag, 24.10.2017, 20.15 Uhr
Wh. Mi 02.15 und 05.25 Uhr, Do 02.40 Uhr, Fr 05.10 Uhr, So 05.20 Uhr

Ferdinand Schmalz ist einer der talentiertesten Jungautoren des Landes, seine Stücke „dosenfleisch“ oder „der herzerlfresser“ eroberten die deutschsprachigen Theater im Nu. Momentan schreibt Schmalz an einer „Jedermann“-Fassung für das Burgtheater: „Das Stück ist die Heilige Kuh der österreichischen Dramatik.“

Was passiert, wenn man stirbt? Ist der Tod ein Erkenntnismoment? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Grazer auch im Text „mein lieblingstier heißt winter“. Er handelt von Suizid und Rehragout und wurde zum Sieger des Ingeborg-Bachmann-Preises gekürt. „Das Seltsame ist, dass dort, wo der Tod nahe ist, auch der Witz am besten funktioniert“, meint Schmalz.

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ORF/ORF III/Peter Meierhofer

Ferdinand Schmalz

Michael Schottenberg war ein großer Schauspieler, Regisseur und Direktor des Wiener Volkstheaters. Nach vierzig Jahren zog er einen Schlussstrich und verabschiedete sich von der Bühne. „Ich hab alle Bilder gemalt, die ich malen wollte, ich hab alle Geschichten erzählt. Besser bin ich nicht“, bekennt er bei „erLesen“.

Statt sich selbst zu zitieren, packte er einen Rucksack und bereiste den Vietnam. Seine unterhaltsamen Begegnungen schildert er in Tagebuchform und in der Sendung. Außerdem erklärt Schottenberg, warum er ein Frauenmagnet ist, es dem Volkstheater an Erotik fehlt und es keine Tabus gibt.

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ORF/ORF III/Peter Meierhofer

Michael Schottenberg

An Thomas Stipsits führt momentan kein Weg vorbei. Ob in seiner ersten Kinohauptrolle in der Harald-Sicheritz-Komödie „Baumschlager“ oder als Kabarettist in Stücken wie „Gott und Söhne“, der Zuspruch ist gewaltig.

Jetzt ist der gebürtige Steirer unter die Buchautoren gegangen. In seinem literarischen Debüt „Das Glück hat einen Vogel“ erzählt er in Kurzgeschichten von den kleinen und großen Erfolgsmomenten im Alltag. „Glück ist etwas für Augenblicke“, zitiert er Christine Nöstlinger. Heinz Sichrovsky verrät er, wann sich die Welt für ihn zuletzt perfekt angefühlt hat, ob man Witze über Kriegskonflikte machen darf und welches Buch ihn am meisten bewegt.

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Thomas Stipsits

Oft wird behauptet, Chicago sei die größte Stadt des Burgenlands. Warum, erzählt Theodora Bauer in ihrem neuen Roman „Chikago“: Feri, Katica und Anica sind nur drei von zahllosen Burgenländern, die ab den 1920er-Jahren in die amerikanische Metropole ausgewandert sind. Parallelen zur Gegenwart sieht die 27-Jährige zur Genüge: „Wir Österreicher gehen mit einer gewissen Überheblichkeit an die Fluchtbewegungen heran. Wir glauben, wir waren immer schon das Ziel aller Wünsche.“ Dabei seien viele weggegangen, um ihr Glück woanders zu suchen. „Und bei uns sind das auf einmal betrügerische Wirtschaftsflüchtlinge, die uns auslaugen wollen. Es ist schon spannend, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird.“

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ORF/ORF III/Peter Meierhofer

Theodora Bauer


Bücher der Gäste:

  • „Leibstücke“ von Ferdinand Schmalz (erscheint am 23. November)
  • „Von der Bühne in die Welt“ von Michael Schottenberg
  • „Das Glück hat einen Vogel“ von Thomas Stipsits
  • „Chikago“ von Theodora Bauer
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ORF/ORF III/Peter Meierhofer

v.li.: Thomas Stipsits, Ferdinand Schmalz, Heinz Sichrovsky, Michael Schottenberg, Theodora Bauer

Neuerscheinungen:

  • „Im Herzen der Gewalt“ von Édouard Louis
  • „Ermordung des Glücks“ von Friedrich Ani
  • „Origin“ von Dan Brown
  • „Christina von Schweden“ von Dario Fo
  • Tischbeinbuch: „Ommh Arsch vorbei geht auch ein Weg“ von Alexandra Reinwarth

Buchtipp abseits des Neuerscheinungsgetöses:

„Gösta Berling“ von Selma Lagerlöf


Quizfrage: Wie hieß der große russische Erzähler, der den Literaturnobelpreis 1958 zunächst annahm, ehe er ihn auf Druck der stalinistischen Kulturbehörde ablehnte?


Moderator: Heinz Sichrovsky
Kontakt erLesen-Redaktion: erlesen@orf.at



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